Umfrage „BaWü-Check“: Wohnen nicht bezahlbar? 62 Prozent der Baden-Württemberger wollen den Mietendeckel

Die Hälfte der Menschen im Südwesten unterstützt die Solardachpflicht für Neubauten und Dachsanierungen.
Uli Deck/dpaKrieg in der Ukraine, Klimakrise, Wohnungsmangel: Es gibt aktuell einige Gründe, pessimistisch in die Zukunft zu blicken. Tatsächlich machen sich viele Menschen in Baden-Württemberg Sorgen, zeigt der aktuelle BaWü-Check im Auftrag der baden-württembergischen Zeitungsverlage. Laut der repräsentativen Umfrage blickt jeder dritte Mensch im Südwesten den kommenden zwölf Monaten skeptisch entgegen, etwa jeder vierte mit Befürchtungen. Der vorsichtige Optimismus der vergangenen Monate hat abgenommen. Dennoch blicken mehr Menschen – 29 Prozent – hoffnungsvoll in die Zukunft als vor einem Jahr.
Ein großes Problem sieht ein Großteil der baden-württembergischen Bevölkerung im Mangel an bezahlbarem Wohnraum. 85 Prozent finden, dass es in ihrer Region schwer ist, eine bezahlbare Wohnung oder ein bezahlbares Haus zu finden. Auffällig: In Großstädten sehen 36 Prozent der Befragten kurzfristige Vermietungen – zum Beispiel als Ferienwohnung über die Plattform Airbnb – als Problem. Auf dem Dorf sind es 22 Prozent.

Grafik Peters
Quelle: IfD-Allensbach
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Quelle: IfD-AllensbachTatsächlich sind Ferienwohnungen nur einer von vielen Faktoren, die den Wohnungsmangel verstärken. Die gestiegenen Bauzinsen, Materialengpässe und knappes Bauland sind laut der Analysten des Allensbach-Instituts, das die Umfrage im Auftrag der Tageszeitungen im September durchgeführt hat, eine Herausforderung für den Bausektor. Im ersten Halbjahr 2023 wurden 27 Prozent weniger Wohnungen neu gebaut als im Vorjahreszeitraum, bei Einfamilienhäusern liegt der Rückgang bei 40 Prozent. Bereits der BaWü-Check im Juli dieses Jahres hatte gezeigt, dass das Thema bezahlbarer Wohnraum für die Bevölkerung besonders wichtig ist.
Was aber sollte die Politik unternehmen, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen? In 89 baden-württembergischen Gemeinden und Städten gilt die Mietpreisbremse. Das bedeutet: Wird eine Wohnung neu vermietet, darf die Miete nicht mehr als 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. 71 Prozent der Bevölkerung unterstützen diesen Ansatz, jeder Zehnte lehnt ihn ab. Viele Menschen im Südwesten wollen sogar einen Schritt weitergehen: 62 Prozent sind laut BaWü-Check für einen Mietendeckel – also eine feste Obergrenze, die bestimmt, wie hoch Mieten in einer Region sein dürfen.
Viel Kritik gibt es laut der Umfrage an der Bau- und Wohnungspolitik der Landesregierung: 61 Prozent sind damit weniger oder gar nicht zufrieden, 18 Prozent sind zufrieden oder sehr zufrieden. Selbst viele Anhängerinnen und Anhänger der Regierungsparteien Grüne und CDU teilen die Kritik. Besonders kritisch blicken Anhänger von SPD und AfD auf die Bau- und Wohnungspolitik: 70 Prozent der SPD-Anhänger und 80 Prozent der AfD-Anhänger sind damit unzufrieden.

Grafik: Peters
Quelle: IfD-Allensbach
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Quelle: IfD-AllensbachMit Blick auf die eigene Wohnsituation empfindet mehr als die Hälfte der Bevölkerung die Nebenkosten – zum Beispiel Strom und Wasser – als große oder sehr große Belastung. Mit ihrer Wohnsituation selbst sind die meisten allerdings zufrieden oder sehr zufrieden. Das gilt für 91 Prozent der Menschen mit Wohneigentum und für 74 Prozent derjenigen, die zur Miete wohnen. 59 Prozent finden außerdem, dass ihr Haus oder ihre Wohnung groß genug ist, 27 Prozent bräuchten nach eigenen Angaben mehr Platz. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch bei Menschen, die 40 Jahre oder jünger sind. Menschen, die mindestens 60 sind, haben hingegen sogar öfter zu viel als zu wenig Platz.

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Quelle: IfD-AllensbachIn Sachen Energiewende sieht die Mehrheit der Befragten auch Hauseigentümer in der Pflicht. 50 Prozent unterstützen die Solardachpflicht für Neubauten und Dachsanierungen. 30 Prozent finden sie nicht richtig, 20 Prozent sind unentschlossen. Die Umfrage zeigt aber auch, dass die Nutzung erneuerbarer Energien und die Verbesserung der Energieeffizienz im eigenen Haushalt noch stark ausbaufähig ist. So nutzen 34 Prozent der Wohneigentümer eine Wärmedämmung der Außenfassade, 28 Prozent haben eine Photovoltaik-Anlage und weitere 20 Prozent planen, in den nächsten zwei bis drei Jahren eine solche Anlage einzubauen.
Deutlich vorsichtiger sind die Wohneigentümer offensichtlich beim Thema Wärmepumpenheizung: 15 Prozent nutzen bereits eine Wärmepumpe, 11 Prozent planen die Anschaffung in den nächsten Jahren – für 74 Prozent gilt nichts von beidem.
BaWü-Check: Die Umfrage der Tageszeitungen
Wie zufrieden sind die Menschen in Baden-Württemberg mit der Arbeit der Landesregierung? Welche Probleme sehen sie – und welche Lösungen? Das wollen die Tageszeitungen in Baden-Württemberg in ihrer gemeinsamen Umfrage, dem BaWü-Check, genauer wissen. Im Auftrag der Zeitungen befragt das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) viermal im Jahr 1000 Menschen im Land, um repräsentative Ergebnisse zu erhalten. Die gedruckten Tageszeitungen im Südwesten erreichen jeden Tag mehr als fünf Millionen Menschen, hinzu kommen die Leserinnen und Leser auf den reichweitenstarken Online-Portalen.
