Tödliche Schüsse bei Göppingen
: „Es läuft etwas gewaltig schief“ – Özdemir wird nach Todesfall in Wangen deutlich

Als ein Asylbewerber aus Afghanistan Polizisten bei Göppingen mit dem Messer angreift, fallen tödliche Schüsse. Nun melden sich auch die Ministerpräsidenten-Anwärter Manuel Hagel (CDU) und Cem Özdemir (Grüne) zu Wort.
Von
Roland Müller
Stuttgart/Wangen
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Manuel Hagel (CDU) und Cem Özdemir, wahrscheinliche Kontrahenten bei der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg.

Haben sich zu den tödlichen Schüssen in Wangen bei Göppingen geäußert: Die Ministerpräsidenten-Kandidaten Manuel Hagel (CDU, links) und Cem Özdemir (Grüne).

Jens Büttner/dpa Christoph Schmidt/dpa, Collage: SWP
  • Afghanischer Asylbewerber greift Polizisten in Wangen an, wird erschossen, ein Beamter schwer verletzt.
  • Cem Özdemir fordert konsequente Abschiebungen für Straftäter und klare Regeln für Zuwanderung.
  • CDU-Kandidat Hagel drückt Solidarität mit Polizei aus, wünscht verletztem Beamten Genesung.
  • Innenminister Strobl rechtfertigt Schusswaffeneinsatz bei Messerangriffen.
  • Polizei fordert schnellere Einführung von Tasern, Teststart erst 2026 geplant.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die tödlichen Schüsse von Wangen im Kreis Göppingen beschäftigen weiter die Politik in Baden-Württemberg. Am Donnerstag hatte in dem Ort bei einem Routine-Einsatz ein 27-jähriger afghanischer Asylbewerber zwei Polizeibeamte mit dem Messer angegriffen und einen von ihnen schwer verletzt. Die Beamten eröffneten das Feuer, der 27-Jährige kam ums Leben.

Abschiebungen von Gewalttätern als „erste Priorität“

Zu dem Fall hat sich jetzt auch Cem Özdemir geäußert – und das ziemlich deutlich: „Es läuft etwas gewaltig schief, wenn sich Polizisten beim Durchsetzen des Rechtsstaats selbst täglich in größte Lebensgefahr begeben. Wir müssen wissen und steuern, wer zu uns kommt“, schrieb der Grünen-Politiker in sozialen Netzwerken.

„Und bei allen, die hier sind, muss klipp und klar sein: Wer die Regeln unseres Landes mit Füßen tritt, hat sein Schutzrecht verwirkt und muss unser Land so schnell wie möglich verlassen“, heißt es in dem Beitrag Özdemirs weiter. „Abschiebungen von Straftätern und Gefährdern müssen die erste Priorität sein. Alles andere versteht niemand. Gute Besserung und alle guten Wünsche an den verletzten Polizisten.“

Auch der CDU-Anwärter auf das Amt des Ministerpräsidenten, Manuel Hagel, meldete sich nach dem Fall von Wangen zu Wort, beließ es aber bei einer Solidaritätsadresse mit den Einsatzkräften. „Meine Gedanken sind bei dem gestern in Wangen schwer verletzten Beamten und seiner Familie“, schrieb Hagel im Netzwerk X. „Volle Rückendeckung für unsere Polizei. Danke für Euren tagtäglichen Einsatz für uns alle. Dem verletzten Kollegen von Herzen schnelle und vollständige Genesung“, hieß es dort weiter.

Strobl mit drastischen Worten zum Fall Wangen

Bereits am Mittwoch hatte Innenminister Thomas Strobl (CDU) teils drastische Worte gefunden. „Eines ist klar: Wer mit einem Messer einen Polizisten angreift, hat sich entschieden, nicht mehr zu leben. Jedenfalls, nicht mehr in diesem Land zu leben“, sagte Strobl vor Journalisten in Stuttgart. „Ein Messerangriff auf einen Polizisten rechtfertigt für mich einen Schusswaffeneinsatz“, sagte er weiter und nahm dabei auch Bezug auf den „bestialischen Mord“ an dem Polizisten Rouven Laur in Mannheim.

Die Gewerkschaft der Polizei hatte nach dem Einsatz von Wangen eine schnellere Ausstattung der Polizisten mit Tasern gefordert. Bisher ist ein erster Test der Elektroschock-Pistolen in Baden-Württemberg erst für 2026 geplant, das hält die Gewerkschaft für „viel zu spät“, außerdem sei der Testzeitraum zu lang und ohnehin unnötig, da andere Polizeien seit Jahren Erfahrungen mit den Taser-Geräten hätten.

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer lobte Cem Özdemir für seine klaren Worte und schrieb selbst auf Facebook zu dem Fall: „Die einen beklagen strukturellen Rassismus bei der Polizei. Andere sehen, dass es wieder ein Afghane war, der mit dem Messer angegriffen hat. Strukturell ist die Gewalt entwurzelter Männer aus gewaltgeprägten Gesellschaften. Nicht nur der Innenminister ist das Leid.“

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