Tornados in BW
: Wie heftig die Stürme und Schäden 2025 sind

Wetterexperten sprechen mit Blick auf das Sturmgeschehen 2025 von einer „recht normalen“ Saison – mit dem markantesten Tornado in Ulm-Donaustetten.
Von
dpa
Stuttgart
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Nach dem Unwetter in Baden-Württemberg - Donaustetten: ARCHIV - 04.06.2025, Baden-Württemberg, Ulm: Einsatzkräfte von Feuerwehr sind im Stadtteil Donaustetten im Einsatz, nachdem durch das Unwetter das Dach eines Reihenhauses stark beschädigt wurde (Aufnahme mit Drohne).  (zu dpa: «Wetterdienst DWD: Starker Tornado zog über Ulm») Foto: Jason Tschepljakow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Einsatz von Feuerwehr und Polizei nach einem Unwetter im Juni 2025 in Donaustetten.

Jason Tschepljakow/dpa
  • 2025 wurden in Baden-Württemberg fünf Tornados und zwei Windhosen bestätigt, die meisten im Sommer.
  • Der stärkste Tornado zog 15 km durch Donaustetten mit Windgeschwindigkeiten bis 220 km/h.
  • Deutschlandweit gab es 2025 bisher 42 Tornados; im Vorjahr war nur ein Fall bestätigt worden.
  • Tornados entstehen durch Gewitter und treffen besonders im Frühjahr und Sommer auf.
  • Smartphones und Videos sorgen für mehr gemeldete Tornados; Klimawandel beeinflusst deren Stärke.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es ist die Gefahr aus dem Nichts: eine Naturgewalt, die unberechenbar mit bis zu 500 Kilometern pro Stunde über das Land fegen kann. Nach einer Tornadowarnung bleiben meist nur wenige Minuten, bevor im schlimmsten Fall Autos oder Häuser durch die Luft wirbeln.

Auch in Baden-Württemberg treten Tornados immer wieder auf. Wie viele waren es in diesem Jahr – und was war besonders?

Fünf Tornados und zwei Windhosen seit Januar

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) wurden in diesem Jahr fünf Tornados über Land bestätigt, die meisten im Sommer: am 4. Juni in Ulm-Donaustetten, elf Tage später in Zwickgabel und Schönmünzach im Schwarzwald, am 29. Juli in Rißtissen im Alb-Donau-Kreis und am 23. Oktober in Siebersbach im Rems-Murr-Kreis.

Ende Juli kamen zwei Wasserhosen über dem Bodensee hinzu, die ebenfalls als Tornados gelten. Eine dritte wurde einen Monat später von Lindau aus beobachtet – also von Bayern aus. „Es ist über dem Bodensee immer schwierig mit der Zuordnung“, sagt DWD-Tornado-Experte Marcel Beyer. Deutschlandweit wurden bislang 42 Tornados bestätigt.

Darüber hinaus gibt es mehrere Verdachtsfälle, etwa in Rottweil, Leutenbach, Lenzkirch und Schwäbisch Hall. Ein mutmaßlicher Tornado bei Altheim gilt als „plausibel“. Ob weitere Fälle hinzukommen, entscheidet sich erst nach der detaillierten Nachanalyse im Frühjahr.

Saison ohne größere Überraschungen

Nach DWD-Angaben war es eine durchschnittliche Saison – es gab zwar mehr Fälle als im vergangenen Jahr, aber ohne größere Überraschungen. 2024 wurde nur ein Tornado bestätigt, 2023 waren es zwei.

In Erinnerung bleibt aus diesem Jahr vor allem der Tornado von Donaustetten – einer von zwei starken Tornados in Deutschland in den vergangenen Monaten. Er zog mehr als 15 Kilometer weit über Erbach, Illerkirchberg, Reutti und Neuhausen, hinterließ eine rund 50 Meter breite Schneise und erreichte auf der internationalen Skala die Stufe IF 2 mit Windgeschwindigkeiten bis 220 Kilometer pro Stunde. Von dieser Stärke an spricht man von signifikanten Tornados, sagt Beyer.

Mit bisher 42 bestätigten Fällen liegt Deutschland leicht unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre (45). Neben den gesicherten Beobachtungen gibt es jedes Jahr zahlreiche Verdachtsfälle, die von der Tornado-Arbeitsgruppe Deutschland geprüft werden. „Bis zur endgültigen Bilanz im Frühjahr kommen oft noch einige dazu“, sagt Beyer. Die Tornadosaison – offiziell von Ende Mai bis September – gilt aber als abgeschlossen.

Filme von Zeugen tragen zu gestiegenen Zahlen bei

Tornados treten in Deutschland regelmäßig auf. Dass heute mehr Fälle bekannt werden, hängt auch mit Smartphones und sozialen Netzwerken zusammen – viele Menschen filmen Stürme, sie teilen die Aufnahmen und melden sie weiter. „Der Austausch ist deutlich größer geworden“, so der DWD.

Der Klimawandel verändert zwar die Stärke solcher Wirbelstürme, nicht aber deren Anzahl. „Man erkennt eine starke Schwankung von Jahr zu Jahr, aber keinen Trend zu einer Zunahme der Tornadozahlen“, teilt der Wetterdienst mit. Im Durchschnitt wurden zwischen den Jahren 2000 und 2023 jeweils 45 Fälle registriert.

Wie es zum wirbelnden Wolkenschlauch kommt

Tornados entstehen, wenn feuchtwarme Luftmassen aufsteigen und dabei auf trockene Kaltluft treffen. Dadurch bilden sich Gewitterwolken. Kommen dann Seitenwinde hinzu, die die aufsteigende Luft in Rotation versetzen, entwickelt sich ein wirbelnder Wolkenschlauch. Berührt er den Boden, gilt das als Tornado. Grundsätzlich können solche Stürme überall in Deutschland entstehen, sagt Beyer. Manche Regionen sind zwar anfälliger, dennoch treten sie auch im Südwesten immer wieder auf.

Fehlen eindeutige Beweise, etwa Fotos oder Videos, analysieren Fachleute das Schadensmuster: umgeknickte Bäume, abgedeckte Dächer oder versetzte Fahrzeuge. Das Tornado-Kartierungs- und Untersuchungsprojekt Deutschland hält jedes Detail fest.

Tornados können jederzeit entstehen, besonders aber im Frühjahr und Sommer, meist am Nachmittag oder Abend. Sie dauern im Schnitt zehn Minuten, manchmal nur Sekunden, selten länger als eine Stunde, und legen meist nur wenige Kilometer zurück.

Verhalten im Ernstfall

Wer einen Tornado sieht, sollte sofort Schutz suchen – am besten im Keller oder in einem fensterlosen Innenraum. Grundsätzlich gilt: Fenster meiden, Türen schließen, möglichst weit nach innen und unten gehen. Autos bieten keinen Schutz: Sie können mühelos in die Luft gehoben oder weggeschleudert werden.