Eigentlich sollte die Fahrt zwischen Stuttgart und Ulm um eine Viertelstunde schneller werden. Nur einen Tag nach dem Auftakt hat es auf der Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm aber bereits erhebliche Verzögerungen gegeben.

Lokführer-Fehler verursacht große Verzögerungen

Die Bahn machte am Montagmorgen, dem 12.12.22, eine Rolle rückwärts: Wegen einer technischen Panne mussten Züge Richtung Stuttgart zurück nach Ulm geführt und über die alte, langsamere Strecke über die Alb geleitet werden. Züge hatten mitunter mehr als eine Stunde Verspätung. „Wir können uns nicht auf der neuen Strecke einwählen“, sagte ein Zugführer. „Am ersten Tag tut uns das selber leid.“ Fahrgästen, die lange Zeit in einem Tunnel feststeckten, wurde ein Heißgetränk als Entschädigung angeboten.
Die Deutsche Bahn teilte auf Nachfrage der SÜDWEST PRESSE die Gründe für die Panne mit: „Durch einen Bedienfehler des Lokführers beim Start des ETCS-Systems konnte sich ein ICE auf der Neubaustrecke zwischen Ulm und Wendlingen nicht mit dem Zugsteuerungssystem verbinden“, sagte eine Sprecherin. Die Sicherheitssysteme auf der neuen Strecke hätten dann eine Weiterfahrt verhindert, weswegen der Zug umkehren musste. Die Strecke sei für knapp zwei Stunden blockiert gewesen. Deswegen mussten mehrere Regional- und Fernverkehrszüge über die Altbaustrecke umgeleitet werden. „Mittlerweile rollen die Züge wieder planmäßig“, so die Sprecherin.

Bahn: Lokführer sollen nochmal „sensibilisiert werden“

Der Bedienfehler sei „ein Einzelfall“ gewesen, seit dem Betriebsstart am Sonntag sei die Mehrheit der Züge problemlos über die neue Strecke gefahren. Man nehme die Panne aber zum Anlass, die Lokführerinnen und Lokführer noch einmal zu sensibilisieren.
Die rund vier Milliarden Euro teure Neubaustrecke war nach zehn Jahren Bauzeit erst am Freitag feierlich von politischer Prominenz eingeweiht worden und läuft seit Sonntag mit dem neuen Fahrplan im Regelbetrieb. Bereits am Sonntag hatte es laut Bahnpersonal Störungen gegeben, Züge mussten demnach über die alte Strecke umgeleitet werden.

150 SWP-Leser fahren mit Sonderzug

Eine besondere Zugfahrt durften am Samstag, dem 10.12.22, rund 150 Leserinnen und Leser der Südwestpresse unternehmen: Sie fuhren mit einem Sonderzug auf der Neubaustrecke zwischen Ulm und Wendlingen.