Nach Partei-Austritt
: Palmer-Rückkehr zu den Grünen? Özdemir zeigt sich offen

Der mögliche Grünen-Spitzenkandidat für die nächste Landtagswahl in Baden-Württemberg, Cem Özdemir, zeigt sich offen für eine Rückkehr von Boris Palmer in die Partei. Die Brücken habe der Tübinger OB aber selbst eingerissen.
Von
dpa, afp
Hamburg
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Boris Palmer hat sich krankgemeldet. Schon vorher hatte er sich selbst eine Auszeit verordnet.

ARCHIV - 12.09.2022, Baden-Württemberg, Tübingen: Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, nimmt an einer Pressekonferenz teil. Nach seinem Parteiaustritt und der Ankündigung, eine «Auszeit» nehmen zu wollen, hat sich Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer am Dienstag aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. (zu dpa ««Mache heute Auszeit»: Palmer nach Parteiaustritt auf Tauchstation») Foto: Marijan Murat/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Im Mai 2023 gab der Tübinger OB Boris Palmer nach langen Querelen seinen Austritt bei den Grünen bekannt.

Marijan Murat/dpa

Gut ein Jahr nach dem Austritt von Boris Palmer bei den Grünen gibt es Signale der Annäherung zwischen dem Tübinger Oberbürgermeister und seiner ehemaligen Partei. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir kann sich eine Rückkehr Palmers zu den Grünen unter bestimmten Bedingungen vorstellen. Er würde sich wünschen, dass es einen Weg zurück gebe, sagte der Grünen-Politiker bei einer Veranstaltung der „Zeit“-Verlagsgruppe in Hamburg. „Menschen für immer abschreiben, das sollte man ganz selten machen.“

Palmer habe „als Oberbürgermeister das gehalten, was andere versprochen haben“, sagte Özdemir. Als Beispiele nannte er den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, die Wohnungspolitik sowie die Unterbringung und Integration von Geflüchteten. „Da können manche sich eine Scheibe davon abschneiden.“

Als Voraussetzung nannte Özdemir zugleich: „Natürlich würde ich mich freuen, wenn er sagt: „Ich lasse mir helfen, ich höre jetzt auf mit dem Blödsinn, dass ich nachts um zwölf Uhr bei Facebook mir Schlachten liefere mit irgendwelchen Leuten und konzentriere mich auf meinen Job.“ Er ist ein hervorragender Oberbürgermeister, das soll er machen und das andere weglassen. Dann hätte er natürlich seinen Platz. Und ich wäre glücklich, wenn es so wäre.“

Auch Boris Palmer kann sich eine Rückkehr vorstellen

Und auch Palmer selbst kann sich eine Rückkehr zu den Grünen vorstellen. „Eine Entwicklung, an deren Ende ich wieder respektiertes Mitglied der Grünen sein könnte, wäre für beide Seiten gut“, sagte der parteilose Politiker der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage am Sonntag. „Ich schätze Cem Özdemir sehr und freue mich über seine versöhnlichen Worte.“

Palmer ist seit 2007 Oberbürgermeister in Tübingen und eckt immer wieder mit politischen Aussagen an. Im Mai vergangenen Jahres war Palmer bei den Grünen ausgetreten nach einem Eklat um die Verwendung des N-Wortes bei einer Migrationskonferenz in Frankfurt. Schon vorher hatte seine Mitgliedschaft wegen anderer umstrittener Äußerungen geruht. Nach einer Auszeit änderte er unter anderem die Regeln für Kommentare auf seinem Facebook-Profil. Bei der Kommunalwahl in Baden-Württemberg kandidiert Palmer für die Freie Wähler Vereinigung (FWV) im Wahlkreis Tübingen für einen Sitz im Tübinger Kreistag.

Özdemir sagte bei der Veranstaltung am Samstag, er selbst habe mit am meisten gerungen, Palmer zu halten, und ihm Brücken gebaut. „Diese Brücken, die hat schon erstmal er eingerissen, leider.“ Der Grünen-Politiker bescheinigte Palmer eine „blitzsaubere Bilanz als Oberbürgermeister“.

Özdemir gilt bei den Grünen im Südwesten als derzeit aussichtsreichster Anwärter auf die Spitzenkandidatur zur Landtagswahl 2026. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Grünen wird nicht mehr antreten.