Manipulierte Steckdosen im Zug
: Polizei warnt: Schon wieder Strom-Falle in Regionalbahn entdeckt

Seit Wochen verunsichern gefährliche Manipulationen an Steckdosen in Zügen Reisende und Pendler, Stromschocks drohen. Jetzt gibt es einen neuen Fall zwischen Augsburg und München.
Von
Sven Kaufmann,
Daniel Wydra
Ulm
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Die Bundespolizei warnt vor manipulierten Steckdosen in Zügen. Es gab bereits mehrere Fälle und auch Stromschläge. Fahrgäste sollten Steckdosen vor der Fahrt prüfen.

Bundespolizei/dpa

Die unheimliche Serie von gefährlichen Manipulationen von Steckdosen in Zügen reißt nicht ab. Schon wieder drohen Reisenden der Bahn und anderer Gesellschaften gefährliche Stromschläge, wenn sie in Zügen ihr Handy laden oder mit Laptops und Tablets arbeiten wollen. Und schon wieder warnt die Bundespolizei Fahrgäste. Denn: Es ist ein neuer Fall bekannt geworden, diesmal betraf die heimtückische Manipulation sogar die Polizei selbst.

Polizeibeamtin entdeckt manipulierte Steckdose in GoAhead-Zug

Eine Beamtin der Bundespolizei war am Freitagmorgen, 01.09.2023, als Reisende der Regionalbahn RB87 von Augsburg nach München unterwegs gewesen und wollte die Steckdose an ihrem Platz nutzen. Sie entdeckte in dem Zug von Go Ahead, dass an der Strom-Steckdose etwas verändert worden war.

Warn-Durchsage in Regionalbahn BB87 Augsburg-München

Die Beamtin alarmierte sofort das Zugpersonal, das wiederum alle Fahrgäste im Zug per Durchsage vor dem Benutzen von Steckdosen warnte. Als der Zug im Münchner Hauptbahnhof eingetroffen war, untersuchten Bundespolizisten die Steckdose und bestätigten die gefährliche Veränderung durch Unbekannte.

Daraufhin wurde der mittlerweile geleerte Zug in das Betriebswerk Pasing gebracht, wo ein Kriminaltechniker des Ermittlungsdienstes der Bundespolizeiinspektion München Spuren sicherte. Ein Techniker tauschte die Steckdose aus. Weitere manipulierte Steckdosen wurden bei einer Durchsuchung nicht entdeckt. Danach konnte der Zug der RB87 wieder für Reisende freigegeben werden.

Strom-Steckdosen verändert: Ermittlungen wegen Körperverletzung laufen

Die Polizei ermittelt jetzt gegen den oder die noch unbekannten Täter wegen des Verdachts versuchter Körperverletzung. Dazu werten die Ermittler unter anderem auch Bilder der Videoaufzeichnung des Zuges aus, in der Hoffnung, Hinweise auf Täter zu finden. Wer sich hinter den heimtückischen Anschlägen verbirgt, und was die Motive sind, ist völlig unklar.

Frau bekommt Stromschlag aus der Steckdose im Zug

Ebenfalls am Freitag, 01.09.2023, bekam eine Bahnreisende sogar einen Stromschlag von einer manipulierten Steckdose. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Die 63 Jahre alte Passagierin wollte der Polizei zufolge auf der Fahrt von Aachen nach Dresden ein Ladekabel in die Steckdose stecken, als sie plötzlich einen Stromschlag bekam. Die Bundespolizei untersuchte die Steckdose und stellte fest, dass aus der Öffnung zwei Metallstifte ragten. Sie ermittelt nun wegen gefährlicher Körperverletzung.

Im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei in Bremen und Hamburg sei es vor einer Woche ebenfalls zu Vorfällen mit manipulierten Steckdosen in Zügen gekommen, hieß es weiter. Auch hier hätten Passagiere Stromschläge erlitten.

Die Bundespolizei in München hatte am Sonntag mitgeteilt, dass in den vergangenen Tagen Manipulationen auf verschiedenen Strecken und Bahnhöfen in Zügen unterschiedlicher Unternehmen entdeckt worden seien.

Schon mehrere Fahrgäste erlitten Stromschläge in Zügen der Bahn

Die Bundespolizei berichtet, dass der aktuelle Fall in der RB87 sich in eine Reihe ähnlicher Manipulationen von Steckdosen einfüge, bei denen auch schon mehrere Reisende Stromschläge erhalten hätten. Am 11.08.2023 zum Beispiel war eine Frau (35) mit ihrer Tochter in einem IRE unterwegs gewesen. Während der Bahnfahrt von Stuttgart nach Karlsruhe in dem Zug von Go-Ahead versuchte sie, eine Steckdose zu nutzen und erlitt einen Stromschlag. Die Reisende wurde dabei verletzt und musste nach der Ankunft in Karlsruhe mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden.

Polizei warnt: So erkennen Reisende manipulierte Steckdosen im Zug

Die Bundespolizei bittet Zugreisende, vor der Benutzung von Stromsteckdosen in Zügen diese in Augenschein zu nehmen,

Die Bundespolizei rät:

  • Fahrgäste sollten genauer hinschauen, wenn sie Steckdosen in der Bahn nutzten.
  • Bei „Auffälligkeiten“ sollten Betroffene sofort Bahn-Mitarbeiter oder die Bundespolizei verständigen.
  • Dazu gehören auch herausragende Teile, fehlende Abdeckungen oder Gegenstände, die die Löcher verstopfen.
  • In den Fassungen der Steckdosenpole kann sich auch ein Metallstift oder ähnliches befinden, was bei Kontakt zu einem Stromschlag führen kann.
  • Eine manipulierte Steckdose sollte nicht berührt werden.

Die Bundespolizei bittet Zeugen um Hinweise

Zeugen zu diesem oder ähnlichen Vorfällen, sowie mögliche weitere Geschädigte werden gebeten, sich bei der Bundespolizei unter der Telefonnummer 0711 870350 zu melden.