Kurioser Vorschlag in Stuttgart: Der OB und das Bier – das steckt hinter dem „Nopper-Fässchen“

Nopper und das Bier – das passt, meint zumindest ein Antragsteller des Stuttgarter Bürgerhaushalts. Auch der gekonnte Fassanstich des OB wird lobend erwähnt.
Christoph Schmidt/dpa- Stuttgarts OB Frank Nopper ist durch einen Bürgerhaushaltsvorschlag im Gespräch.
- Ein Bürger schlägt ein "Nopper-Fässchen" für städtische Termine vor, um positive Atmosphäre zu schaffen.
- Nopper lobt den Vorschlag als "charmante Idee" und betont seine Nähe zu den Bürgern.
- Bürger können Vorschläge für den Haushalt online einreichen, die besten werden bewertet.
- Gemeinderat entscheidet ab Herbst 2025 über die Umsetzung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Unter den Vorschlägen für den Bürgerhaushalt der Landeshauptstadt Stuttgart, die derzeit online eingereicht werden können, finden sich neben sehr konkreten Projekten wie neuen Radwegen, Toilettenhäuschen oder Nachttaxi-Gutscheinen auch Dinge, die mit Kräften der Stadtverwaltung eher nicht umsetzbar erscheinen. Etwa ein generelles Verbot der AfD oder die Forderung, Stuttgart endlich zur Weltstadt zu machen.
Dagegen scheint der Vorschlag 80864, eingebracht von einem „florianp“, im Bereich des Möglichen – und zudem geeignet, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Nicht ganz ironiefrei wird die Einführung des „Nopper-Fässchens“ vorgeschlagen, eines kleinen, selbstredend haushaltskostenneutral von der einem örtlichen Bierbrauer gesponserten Bierfässchens, das bei wichtigen städtischen Terminen zum Einsatz kommen soll. Gerade bei wichtigen, aber vielleicht nicht immer populären Themen, ermögliche das Nopper-Fässchen dem Stadtoberhaupt Frank Nopper, „im direkten Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern zu stehen und durch das gemeinsame Anstoßen eine positive und gesellige Atmosphäre zu schaffen“, hofft der Antragsteller.
Ein Schelm, wer denken würde, dass dahinter das Ansinnen steht, man könne sich manche unschönen Realitäten– etwa aus Personalmangel geschlossene Bürgerbüros oder lange Wartezeiten auf Termine in den Ämtern – mit dem „Nopper-Fässchen“ schöntrinken. Vielmehr, heißt es, würden so eine beliebte Tradition und das Stuttgarter Lebensgefühl gestärkt. „Und das Beste: Unser Oberbürgermeister kann dabei seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen! Wer erinnert sich nicht gerne an die gekonnten Fassanschläge von OB Nopper?“ formuliert der Antragsteller.
Von einer „charmanten Idee“ spricht der OB selbst
Nopper selbst könnte sich jedenfalls dafür erwärmen. „Eine charmante Idee“, nennt der Oberbürgermeister gegenüber unserer Redaktion den Vorschlag. „Wir Schwaben können ‚feste‘ schaffen, aber auch Feste feiern. Ob mit oder ohne das einmal im Jahr angestochene Volksfest-Fässle bin ich immer nahe 'bei de Leut‘.“ Er stehe jedenfalls schon seit seinen Studienzeiten mit Überzeugung für beides: „hart Arbeiten und fröhliches Feiern“, lässt Nopper wissen.
Vorschläge können im Netz eingereicht werden
Beim Bürgerhaushalt, der derzeit in Stuttgart zum achten Mal aufgestellt wird, können aus der Stadtbevölkerung zwei Wochen lang konkrete Vorschläge eingereicht werden, die den städtischen Haushalt betreffen und zum Aufgabenbereich der Stadt gehören. Anschließend können alle Bürger die Vorschläge bewerten. Die am besten bewerteten 100 Bürgervorschläge werden an die Stadt und die Fachabteilungen zur Bewertung weitergeleitet, die Umsetzbarkeit geprüft, die Kosten ermittelt und die rechtlichen Fragen geklärt. Welche dieser Vorschläge umgesetzt werden, entscheidet der Gemeinderat in den Haushaltsberatungen ab Herbst 2025.
Wohl nur ganz übelmeinende Neider des gekonnten Nopper-Anstichs könnten unterstellen, dass das Stadtoberhaupt eher unter die Kategorie Schaumschläger falle und den Nachweis harter Arbeit in der Stadt jenseits der geselligen Aktivitäten bislang größtenteils schuldig geblieben sei. Kommentator „lenny“ etwa mäkelt im Online-Portal des Bürgerhaushalts, dass es keinen Grund gebe, für Nopper ein Fässchen einzuführen, wenn dieser schlechte Politik mache. Dagegen offenbart Initiator „florianp“ seine wahre Absicht: Er wolle Nopper dadurch künftig zu Terminen locken, bei denen dieser sich sonst rarmache. Ob die Stuttgarter dieses Fass aber wirklich aufmachen wollen, bleibt bis Ende der Abstimmung über den Bürgerhaushalt abzuwarten.

