Wieder Messerangriff in Mannheim
: AfD-Politiker verletzt, Tatverdächtiger in Psychiatrie

In Mannheim ist es offenbar wieder zu einer Messerattacke gekommen. Opfer war diesmal ein AfD-Politiker, der bei der Kommunalwahl kandidiert. Der Täter ist wohl psychisch krank.
Von
Amelie Schröer
Mannheim
Jetzt in der App anhören
Mannheim Rheinau

In der Nähe des Marktplatzes in Mannheim wurde ein AfD-Politiker mit einem Cuttermesser verletzt.

Rene Priebe/dpa

In Mannheim ist ein AfD-Kandidat für die Kommunalwahl am späten Dienstagabend mit einem Messer angegriffen worden. Der Mann wurde dabei verletzt, wie die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch erfuhr. Der Täter wurde festgenommen. Der Vorfall ereignete sich demnach um 22.45 Uhr.

Die Polizei Mannheim bestätigte am Morgen offiziell zunächst nur, dass es einen Polizeieinsatz gab. Nach Angaben des Kreisverbands der AfD ereignete sich der Vorfall in der Nähe des Marktplatzes. Der AfD-Kandidat habe am Dienstagabend eine Veranstaltung des AfD-Kreisverbands besucht, berichtet Jörg Finkler von der AfD-Fraktion im Gemeinderat Mannheim. Im Anschluss habe der 62-Jährige gesehen, wie mehrere Personen Wahlplakate der AfD entfernt hätten. Als er die Personen zur Rede stellen wollte, sei er von einer von ihnen angegriffen und mit einem Cuttermesser verletzt worden. Nach Angaben der AfD waren insgesamt drei Personen beteiligt.

Eine Polizeistreife konnte den Verdächtigen in kürzester Zeit fassten, weil sie in der Nähe war und ein Bürger die 110 gewählt hatte. Inzwischen teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit, dass der Tatverdächtige 25-Jährige in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht wurde. Bei der Festnahme habe es deutliche Hinweise auf eine psychische Erkrankung gegeben.

Video zeigt Angreifer auf AfD-Politiker

Auf einem Video, das der dpa von der AfD weitergegeben wurde und das offenbar vom verletzten AfD-Kandidaten selbst gefilmt wurde, ist zu sehen, wie der Filmer einem jüngeren Mann über den Marktplatz hinterherläuft und schreit „Stopp! Bleiben Sie stehen!“. Der jüngere Mann trägt mehrere AfD-Wahlplakate unter dem Arm und hat mutmaßlich ein Teppichmesser in der Hand. „Sofort hinlegen!“, ruft der Filmende. Dann entsteht ein Handgemenge. Zu sehen ist, wie der Mann mit dem Messer ausholt, die restlichen Bilder sind verwackelt.

Der AfD-Politiker befinde sich derzeit noch im Krankenhaus, er habe laut der Gemeinderatsfraktion Verletzungen am Ohr und am Bauch erlitten. Noch am Mittwochmittag soll er die Klinik aber verlassen können. Die AfD sprach derweil zunächst von einer Attacke von Linksextremisten, davon war später in der Mitteilung der Ermittler aber keine Rede. „Wir sind erschrocken und bestürzt“, sagte der AfD-Landesvorsitzende Markus Frohnmaier. Der Vorsitzende der AfD-Fraktion im baden-württembergischen Landtag, Anton Baron, bewertete die Messerattacke als Ausdruck totalitärer Machtphantasien: „Egal ob Islamismus oder Linksextremismus – wer weder Meinungsfreiheit akzeptiert noch vernünftige Argumente hat, greift inzwischen zum Messer. Das ist bestürzend und zeigt, wie tief die Spaltung unserer Gesellschaft inzwischen vorangeschritten ist.“

Immer wieder Angriffe auf Politikerinnen und Politiker

Erst am 31. Mai war es in Mannheim zu einem brutalen Messerangriff gekommen. Dabei hatte ein Afghane einen Polizisten ermordet und mehrere Menschen verletzt. In den vergangenen Wochen sind Politikerinnen und Politiker immer wieder Opfer von Gewaltverbrechen geworden. So wurde unter anderem der SPD-Wahlkämpfer Matthias Ecke krankenhausreif geschlagen. Am vergangenen Wochenende wurde der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter bei einem Wahlkampfauftritt in Aalen angegriffen.

Daher äußerten sich am Mittwoch auch nicht nur AfD-Vertreter zu dem Geschehen in Mannheim. Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) erklärte: „Diese feige Tat ist abscheulich und durch nichts zu rechtfertigen. Wer Wahlbewerber attackiert, stellt unsere freien, gleichen, allgemeinen, unmittelbaren und geheimen Wahlen in Frage – und damit die Basis unserer Demokratie.“ Der Hass und die Gewaltbereitschaft, die sich in der Gesellschaft derzeit Bahn brechen, seien unerträglich. „Wir müssen zurückkehren zu einem respektvollen und friedlichen Wettstreit um die besten Lösungen für unser Gemeinwesen.“

Die Heidelberger Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner von den Grünen, die auch parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium ist, erklärte: „Mit Entsetzen habe ich vom brutalen Angriff auf einen AfD-Gemeinderatskandidaten in Mannheim erfahren. Die Eskalation der Gewalt gegenüber Politikern aller Parteien, die wir in den letzten Wochen beobachten mussten, ist in keiner Weise zu rechtfertigen.“