Eis-Chaos in Ulm und BW
: Gefährlicher Eisregen und Blitzeis – zahlreiche Unfälle

Gefrierender Regen hat am Mittwochvormittag in ganz Baden-Württemberg für Probleme gesorgt. Straßen wurden zu Eisbahnen. Doch es kam nicht ganz schlimm, wie erwartet. So ist die aktuelle Lage.
Von
Uwe Keuerleber,
Steffen Wolff
Ulm/Stuttgart
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  • Glatte Straßen im Land: Durch überfrierende Nässe oder gefrierenden Regen kann blitzartig Glatteis auftreten.

    Glatte Straßen im Land: Durch überfrierende Nässe oder gefrierenden Regen kann blitzartig Glatteis auftreten.

    Marijan Murat, dpa
  • Kurz erklärt: So entsteht Glätte auf den Straßen.

    Kurz erklärt: So entsteht Glätte auf den Straßen.

    dpa-infografik GmbH
  • Achtung, Glatteis: Eisregen hat auch in Ulm für rutschige Straßen gesorgt.

    Achtung, Glatteis: Eisregen hat auch in Ulm für rutschige Straßen gesorgt.

    Volkmar Könneke
  • Aufgrund des Eisregens sind die Räum- und Streudienste im Dauereinsatz - wie hier in Ulm.

    Aufgrund des Eisregens sind die Räum- und Streudienste im Dauereinsatz - wie hier in Ulm.

    Volkmar Könneke
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Auf Straßen und Gehwegen im Südwesten war am Mittwochmorgen Vorsicht geboten. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte mit gefrierendem Regen in ganz Baden-Württemberg gerechnet und deshalb eine Unwetterwarnung vor Glatteis ausgegeben.

Bereits seit dem frühen Morgen waren die Streu- und Räumdienste im Dauereinsatz. Teilweise waren Fußwege und Fahrbahnen spiegelglatt.

Unfälle auf spiegelglatter Straße

So hatten auf den Straßen im Land am Morgen die ersten Glätteunfälle ereignet. Wie ein Polizeisprecher in Konstanz mitteilte, hat es etwa 30 Unfälle gegeben. Zwei Menschen wurden demnach leicht verletzt. Vor allem die Landkreise Konstanz, Rottweil und Tuttlingen seien betroffen.

Die Sprecher der Polizeipräsidien in Freiburg, Stuttgart, Offenburg, Ravensburg und Reutlingen sprachen am Morgen von einzelnen Unfällen, dabei blieb es jedoch vor allem bei Sachschäden. Die Ulmer Polizei berichtete von mehreren Unfällen, es gebe aber bislang keine Hinweise auf größere Behinderungen. In Freiburg berichtete die Polizei von einer Vielzahl von Unfällen. Glücklicherweise seien bisher überwiegend Blechschäden zu verzeichnen. „Einsatzkräfte sind verstärkt im Einsatz, um Unfallstellen zu sichern und Verletzten schnellstmöglich Hilfe zukommen zu lassen.“ Die Polizei in Freiburg appellierte an alle Verkehrsteilnehmer, ihre Fahrweise an die glatten Straßenverhältnisse anzupassen und langsam zu fahren.

Auf den Straßen in Bayern kam es am Morgen nur vereinzelt zu Unfällen. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West berichtet von fünf Unfällen in dem Bereich, verletzt wurde demnach niemand. Im nördlichen Oberbayern krachte es viermal, auch hier blieb es laut Angaben eines Polizeisprechers bei Sachschäden. In anderen Teilen Bayerns sollen größere Einsätze auf den glatten Straßen zunächst ausgeblieben sein, etwa in Franken und Niederbayern.

Ein Streufahrzeug vom Winterdienst ist auf der Autobahn A7 bei Ellwangen unterwegs. Laut Deutschem Wetterdienst sind Glatteis und starke Verkehrsbehinderungen zu erwarten.

Jason Tschepljakow, dpa

Warnung vor extremen Glatteis – „Gefahr für Leib und Leben“

Nach Angaben eines Meteorologen überquerte ein Tiefausläufer das Land von Südwesten nach Osten. Zunächst fielen die Niederschläge noch als Schnee und gingen dann in Regen über, sagte er. Wegen des Frostes in der Nacht führe das zu gefährlichem Glatteisregen.

Der Deutsche Wetterdienst hattte eine amtliche Unwetterwarnung herausgegeben und gab folgende Hinweise:

  • Gefahr für Leib und Leben durch schlagartig gefrierenden Regen.
  • Handlungsempfehlungen: Aufenthalt im Freien und Fahrten vermeiden bzw. Verhalten im Straßenverkehr anpassen
  • Auf Beeinträchtigungen auf allen Verkehrswegen bis hin zu Sperrungen/Schließungen einstellen
  • Notfalls Fahrweise anpassen, möglichst volltanken, Decken und warme Getränke mitführen

Rutschgefahr im Südwesten: Immer mehr Unfälle in Baden-Württemberg

  • Auf der A5 sind laut Polizei am Mittwochmorgen rund um Rastatt etliche Fahrzeuglenker ins Schlingern geraten, hierbei gegen die Leitplanke oder andere Fahrzeuge gestoßen. Ob oder wie viele Menschen hierbei verletzt worden sind, lasse sich derzeit nicht sagen.
  • In Schorndorf im Rems-Murr-Kreis rutschte ein 19-Jähriger mit seinem Wagen von der Fahrbahn, weil er zu schnell unterwegs war. Er blieb unverletzt. Nur eine halbe Stunde vorher prallte eine Fahrerin ebenfalls in Schorndorf aufgrund der Glätte in die Leitplanke.

Flüge fallen aus

Am Flughafen Stuttgartsind bereits Flugausfälle angekündigt worden: Die Lufthansa hat nach Angaben des Flughafens von Dienstag ihre Zubringerflüge von Stuttgart nach Frankfurt und München vorsorglich gestrichen. Betroffen seien drei Flüge nach Frankfurt und drei zurück sowie ein Flug von und nach München. Den Passagieren der anderen Flüge und Abholern wird empfohlen, mehr Zeit für die Anfahrt zum Flughafen einzuplanen. Letzteres riet auch der Baden-Airpark Flughafen Karlsruhe Baden-Baden seinen Fluggästen. Die Frühabflüge nach Porto und London von dort fänden statt, hieß es am Dienstag.

Am Flughafen München sind von rund 650 geplanten Starts und Landungen am Mittwoch mehr als 250 Flüge annulliert worden, sagte eine Sprecherin am Morgen.

Zugbindung für Fernzüge aufgehoben

Wie die Bahn mitteilt, wurde die Zugbindung am Mittwoch für alle Fernverkehrszüge aufgehoben. Alle Fahrgäste, die ihre geplante Reise aufgrund des Wintereinbruchs verschieben möchten, können ihr Ticket zu einem späteren Zeitpunkt nutzen.

Laut Bahn hielten sich Mitarbeiter in den betroffenen Regionen bereit, um beispielsweise Weichen zu räumen oder die Verkehrssicherung an Bahnübergängen zu gewährleisten. An strategisch wichtigen Punkten im Schienennetz stünden Räumfahrzeuge und schwere Loks zur Verfügung.

Unterricht in Baden-Württemberg, Schulausfälle in Bayern

In Bayern fällt an zahlreichen Schulen der Präsenzunterricht aus. Informationen zu Notbetreuung oder Distanzunterricht gibt es nach Behördenangaben an den jeweiligen Schulen.

Für Baden-Württembergs Schülerinnen und Schüler gilt trotz Glatteis und Blitzeis die Schulpflicht, informiert das Kultusministerium. Es findet auch bei Auswirkungen auf den Verkehr und den Schülertransport regulärer Unterricht statt. Wenn Schülerinnen und Schüler wegen Ausfällen des öffentlichen Nahverkehrs nicht zur Schule kommen können und es keine alternativen Fahrtmöglichkeiten gibt beziehungsweise ein Schulweg unmöglich ist, „dürfen sie dem Präsenzunterricht ausnahmsweise fernbleiben“.

Temperaturen steigen wieder

Von Mittwochnachmittag an ist dann der Wetter-Prognose zufolge das Schlimmste überstanden. Die Temperaturen klettern erst im Rheintal und dann auch im Raum Stuttgart, das Eis taut. Die Gefahr von Glatteisregen lässt nach. Abends wird es dann sehr mild. Der DWD erwartet Temperaturen deutlich im Plusbereich: im Rheintal bis zu 10 Grad, in Stuttgart 6 Grad.

Nur für den Norden Baden-Württembergs warnt der DWD bis Donnerstagfrüh vor extremem Glatteis. Hier können sich starke Eispanzer bilden.