Die SWP-Redaktion empfiehlt
: Von Lebensrettern und verzweifelten Campern – unsere Geschichten der Woche

Selbst die besten Geschichten gehen im Nachrichtenstrom manchmal unter. Die Redaktion hat lesenswerte Texte der Woche als „Best of“ zusammengestellt. Ein Artikel ist als Leseprobe für Sie freigeschaltet.
Von
Roland Müller
Ulm
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Die Redaktion empfiehlt: Themen der Woche

Collage: Caroline Holowiecki und Matthias Kessler

Wie ist es, jemandem das Leben zu retten? Und welche Verbindung hat man zu jemandem, der einem das Leben gerettet hat? Es sind Fragen, auf die Ernst Klauser aus Neu-Ulm ein paar Antworten parat hat. Zweimal wurde er bereits wegen Herzstillstands reanimiert – und das zweimal vom selben Ehepaar. Beim ersten Mal war es ein glücklicher Zufall, dass Heike und Oliver Hofmann das Drama mitbekamen. Als Ernst Klauser das zweite Mal umkippte, waren die Hofmanns dabei, weil sich zwischen beiden Familien in der Zwischenzeit eine Freundschaft entwickelt hatte. Es ist eine Geschichte, die man selten liest – und die meine junge Kollegin Valerie Zöllner sehr sensibel aufgeschrieben hat. Weshalb ich sie Ihnen hiermit sehr empfehle. Hier geht es zum Artikel.

Die Familien Hofmann und Klauser verbindet eine Geschichte von Leben und Tod.

Matthias Kessler

Stellen Sie sich vor, Sie haben etwas wirklich Dringendes in einer Behörde zu erledigen, etwas, das Ihnen richtig Probleme bereiten könnte – und weil der Andrang vor dem Amt so groß ist, müssen Sie am Vorabend ab 23 Uhr in einem Schlafsack vor der Tür übernachten, bis endlich um 8.30 Uhr die Behörde öffnet. In Stuttgart, der Landeshauptstadt des reichen und stolzen Bundeslands Baden-Württemberg, ist das Realität, seit Monaten schon. Menschen stehen in langen Schlangen, schlagen sich die Nacht um die Ohren, bangen, ob sie noch drankommen. Wer erst zur Öffnungszeit kommt, hat keine Chance. Und am Ende kann es sein, dass man weggeschickt wird. Es geht um die Ausländerbehörde, es geht um Menschen und Familien, die teils seit Jahrzehnten in Deutschland leben und zum Beispiel nur etwas mit ihrem Pass regeln müssen. Meine Kollegin Caroline Holowiecki hat sie beim Warten begleitet – ihre Geschichte lesen Sie hier (sie ist als kostenlose Leseprobe freigeschaltet).

Irena Chata hat sich am Vortag ab 20 Uhr für ihre Mutter, deren Visum verlängert werden muss, angestellt und ist extra aus Mannheim angereist. Die Mutter kommt aus Albanien und spricht kaum Deutsch.

Caroline Holowiecki

Was macht Missbrauch und Misshandlung in Kinderheimen mit den Menschen? Wie fühlt es sich an, wenn man in jungen Jahren einem grausamen System ausgeliefert ist? Wie groß ist die Bürde, die man zeitlebens mit sich herumträgt? Und was kann man tun, um das Unrecht und das Leid von Opfern angemessen anzuerkennen? Eine Geschichte, die einige Antworten zu diesen Fragen liefert, hat mein Kollege Magdi Aboul-Kheir aus der Ulmer Lokalredaktion aufgeschrieben. Es geht um das Schicksal von Paul Nägele und Elvis Stiurins, die in den 60er-Jahren als Kinder in die Hände von Nonnen, Schwestern, Pfarrern und Ärzten gerieten und bis heute darunter leiden. Beide haben offen über ihre Geschichte gesprochen, über die schlaflosen Nächte, die Beruhigungsmittel, die Schläge in finsteren Kammern – und den langen Kampf vor Gericht um wenigstens ein bisschen Gerechtigkeit. Kann es die überhaupt geben? Oder ist vielleicht das wichtigste Signal überhaupt, dass wir als Gesellschaft das Unrecht wahrnehmen und als solches anerkennen? Und nicht einfach sagen: „Tja, Pech gehabt“. Hier geht es zu der berührenden und aufwühlenden Geschichte.

Sie sind 61, aber ihre Kindheit lässt Paul Nägele und Elvis Stiurins (der unerkannt bleiben wollte) nicht los.

Matthias Kessler

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