
„Catcalling“ im Alltag: „Es geht hier nicht um Anmachsprüche, sondern um Macht“

Sandra Gillmeister vom Weißen Ring hat oft mit Frauen zu tun, die Übergriffe durch Männer erleben.
privat- Polizei rät bei verbaler Belästigung zum Notruf – zwei Betroffene aus Ulm meldeten sich.
- Beraterin Sandra Gillmeister vom Weißen Ring betreut häufig Frauen in Stadt und Land.
- Catcalling ist laut ihr Machtausübung: Hinterherpfeifen, „Ey Puppe“, anzügliche Kommentare.
- Polizei unterstützt mit Ermittlungen und Gefährderansprachen, Dokumentation per Protokollen möglich.
- Kontakte Weißer Ring Ulm/Alb-Donau-Kreis: Tel. (0151) 14 19 72 44, ulm@mail.weisser-ring.de
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Nach einem Aufruf der Polizei an alle, die sich öffentlich belästigt und gefährdet sehen, ruhig auch den Notruf in solchen Situationen zu wählen, hat unsere Redaktion mit zwei Betroffenen aus Ulm gesprochen. Sandra Gillmeister (35) von der Opferhilfe Weißer Ring Ulm/Alb-Donau-Kreis berät sehr häufig Frauen in ähnlichen Lagen: Auch auf dem Land gebe es übergriffige und unangenehme Männer, selten auch Frauen. „Das ist dann zum Beispiel eine anzügliche Bemerkung im Kollegenkreis. Oder im Whatsapp-Kanal des Vereins erwähnt eine Frau, dass sie noch Tüten holen muss, und dann spielt ein Mann darauf an, ob sie Tüten zum Einkaufen meint – oder Kondome“.
Sie sei immer wieder fassungslos, wie oft „Catcalling“, sexuelle Belästigungen und andere ähnliche Übergriffe gegen Frauen vorkommen, sagt Gillmeister. „Und das liegt nicht am Kulturkreis. Das Geschlecht Mann ist das Problem. Belästigungen treffen uns Frauen in jeder Alltagssituation.“ Sie berate immer wieder Frauen mit dem ehrenamtlichen Team. „Bei Alltagssexismus reicht oft eine telefonische Beratung.“ Je nach Fall könne es beispielsweise angeraten sein, gegen den Täter oder die Täterin ein Annäherungsverbot durch ein Gericht zu erwirken.
Gefährdergespräch kann angeraten werden
„Ich kläre auch auf, wie die Polizei mit einer Gefährderansprache helfen kann.“ Den Vorstoß des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West begrüßt Gillmeister dementsprechend. „Dieser Rückhalt durch die Polizei ist uns wichtig.“ Viele Frauen empfänden Hinterherpfeifen oder Angesprochenwerden als so alltäglich, dass sie kaum mehr Maßnahmen dagegen ergreifen. „Manche schrecken auch aus Mangel an Beweisen davor zurück, aber da sagt die Polizei ganz klar: Ermittlung und Beweisführung sind unser Job.“ Ob „Catcalling“ oder Stalking: Über Protokolle, Chatverläufe oder Fotos könne vieles dokumentiert werden.
Alles Aufdringliche und Anzügliche im öffentlichen Rahmen sei „Catcalling“. Gillmeister: „Es geht hier nicht um die Anmachsprüche à la ,du musst vom Himmel gefallen sein, so schön, wie du bist'. Es geht um das Hinterherpfeifen und das ,Ey Puppe' und so weiter.“ Dabei handle es sich nicht um Flirten, was ja auf Augenhöhe stattfinden und beiden Seiten Spaß machen kann.
Warum kommt es zu „Catcalling“?
Warum es zum „Catcalling“ kommt, darüber hat Gillmeister auch mit ihrem Stellvertreter, ihrem Mann Sebastian Gillmeister, schon manches Mal gegrübelt. „Es ist laut Fachleuten eine gewollte Machtausübung. Ich habe aber auch den Eindruck, dass es die eigene Unsicherheit ist. Es ist ein Sich-stark-fühlen-wollen im Unterdrücken von vermeintlich Schwächeren. Und viele Männer denken immer noch, dass Frauen das schwächere Geschlecht sind.“ Während jede nicht einvernehmliche sexuelle Handlung in einigen anderen Ländern im Sexualstrafrecht als Missbrauch verankert ist, hängt Deutschland hier hinterher. Wichtig ist der Opferberaterin: „Nur ein Ja ist ein Ja.“
Wegen digitaler sexueller Belästigung wie den sogenannten „Dick pics“ kämen Frauen weniger häufig auf den Weißen Ring zu, berichtet Gillmeister. „Für solche Sachen ist auch der Verein ,Frauen helfen Frauen' in den Schulen unterwegs und macht eine tolle Präventivarbeit.“ Kontakt zum Opferverein Weißer Ring ist über die Tel. (0151) 14 19 72 44, im Landkreis Neu-Ulm Tel. (0151) 55 16 48 04, und per Mail an ulm@mail.weisser-ring.de (neu-ulm@mail.weisser-ring.de) möglich. Weitere Hilfsangebote finden sich in diesem Artikel:



