SWP+SWP+„Catcalling“ in Ulm
: „Das ist Alltag einer Frau“ – Wie Belästigungen das Leben der Betroffenen verändern

Frauen werden in der Stadt blöd angequatscht oder nachts im Park aufgehalten. Nach dem Aufruf der Polizei Schwaben Süd/West zum Notruf berichten Betroffene über „Catcalling“.
Von
Karin Mitschang
Region Ulm
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 Die Linken fordern, dass die Stadt Duisburg Catcalling verbieten muss. Warum das der richtige Weg ist, erklärt Annika Walther von der Frauenberatungsstelle. 10.08.2026 Duisburg ** NUR FÜR REDAKTIONELLE ZWECKE ** EDITORIAL USE ONLY **Die Linken fordern, dass die Stadt Duisburg Catcalling verbieten muss. Warum das der richtige Weg ist, erklären Anika Walther und Kathrin Knaup von der Frauenberatungsstelle. 10.08.2026 Duisburg Deutschland NRW Duisburg Copyright: DanielxAttia *** The Left Party is calling on the city of Duisburg to ban catcalling. Annika Walther from the Women’s Counseling Center explains why this is the right approach. August 10, 2026, Duisburg ** FOR EDITORIAL USE ONLY ** EDITORIAL USE ONLY ** p The Left Party is calli Copyright: DanielxAttia doc873ldj5x49ggvzbv9ny ,EDITORIAL USE ONLY

Viele Frauen in der Region erleben „Catcalling“, also anzügliche Sprüche, Pfiffe oder obszöne Gesten im öffentlichen Raum.

IMAGO/Funke Foto Services
  • Polizei Schwaben Süd/West ermutigt Betroffene, bei Catcalling den Notruf zu wählen.
  • Betroffene berichten von Belästigungen in Ulm: anzügliche Sprüche, Gesten und Übergriffe.
  • Eine Frau wurde nachts im Alten Friedhof umzingelt – die Polizei griff ein, es gab keine Folgen.
  • Catcalling hat Folgen: Angst, Ekel und Vermeidung bestimmter Orte oder Wege im Alltag.
  • Hilfe: Notruf 110, Hilfetelefon 116 016, Weißer Ring und Heimwegtelefon mit Standortteilung.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

„Hey, wie geht es dir?“ – ein einfacher Satz, doch Denise Fink spürte direkt ein gewisses Unwohlsein. „Es war ein warmer Tag. Ich hatte mir ein Eis geholt und war damit an der Donau spazieren“, berichtet die die 25-jährige Ulmerin. „Eigentlich war alles wie immer. Als es etwas ruhiger wurde, kamen mir zwei Männer entgegen.“ Einer von ihnen sprach die junge Frau an. Die Kinderbuchautorin („Luna und der Nein-Baum“) schildert das unangenehme „Catcalling“-Erlebnis, das etwa zwei Jahre her ist, nach unserem Bericht über den ermutigenden Aufruf der Polizei Schwaben Süd/West, dass Frauen auch wegen unangenehmem „Catcalling“ den Notruf wählen dürfen.

„Ich antwortete kurz und eher abweisend: Alles gut, danke“, erzählt sie. Einer der Männer stellte sich ihr dann in den Weg. „Er deutete auf mein Eis und fragte: ,Schmeckt es?'“ Auf ihr Nicken sagte der Mann sinngemäß: „Wenn du dein Eis so leckst, kannst du ja auch mal bei mir lecken“, und deutete dabei auf seinen Schritt, berichtet Fink. „Sein Kumpel fand den Spruch offenbar ziemlich lustig. Die beiden lachten und gaben sich ein High Five. Genau diesen Moment nutzte ich und ging schnell weiter.“

Situation bleibt im Gedächtnis hängen

Ihr Eis warf die gedemütigte junge Frau in die nächste Mülltonne. „Der Appetit darauf war mir vergangen.“ Der Vorfall sei bei ihr hängengeblieben. „Seit diesem Tag denke ich manchmal daran, wenn ich in der Öffentlichkeit ein Eis esse. Ich frage mich plötzlich: Was denken andere Menschen gerade, wenn sie eine Frau dabei sehen? Eigentlich absurd. Es war nur ein Eis.“

Genau das sei das Problem an solchen Situationen, findet Fink: Ein völlig alltäglicher Moment kann innerhalb weniger Sekunden sexualisiert werden – „und während diejenigen, die den Spruch machen, längst weitergehen und ihn vermutlich vergessen haben, trägt die andere Person ihn möglicherweise noch lange mit sich herum“. Die Ulmerin erzählt, dass es häufiger passiert, dass man „niveaulos angequatscht“ wird. „Ich find: Das ist Alltag einer Frau.“

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Im Alten Friedhof umzingelt

Weil sie ihre persönliche Erfahrung, dass Menschen aus bestimmten Kulturkreisen besonders distanzlos gegenüber Frauen sind, selbst problematisch findet, will die zweite Betroffene nicht mit ihrem Namen genannt werden. Sie geht gerne und oft aus und läuft gerne zu Fuß heim. Dabei sei sie nachts schon mehrfach im Alten Friedhof in Ulm belästigt worden, berichtet die 37-Jährige. Inzwischen gehe sie nicht mehr durch diesen Park, und hat zudem einen großen Hund dabei, was helfe.

Was „Catcalling“ bewirkt

Belästigung darf nicht verharmlost werden: Catcalling ist kein Kompliment und keine angemessene Form der Kontaktaufnahme, schreibt die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Während ein Flirt auf gegenseitigem Respekt und Einvernehmen auf Augenhöhe beruht, ziele Catcalling bewusst darauf ab, eine andere Person zu bewerten, bloßzustellen und zu erniedrigen.

Was von Absendern als „Das ist doch nur Spaß“ abgetan wird, ist Ausdruck von Machtverhältnissen und hat für Betroffene gravierende Folgen: Viele verspüren Furcht vor körperlichen Übergriffen, erleben Ekel und ändern in der Folge ihr Verhalten – etwa indem sie bestimmte Orte, Busfahrten oder Wege aus Angst meiden.

Auf den Aufruf der Polizei Schwaben Süd/West sei ihr direkt ein Vorfall wieder in den Sinn gekommen, bei dem Anwohner am Alten Friedhof die Polizei riefen: „Es war so um ein Uhr nachts. Ich war aus der Stadt gekommen. Da kam dann eine Gruppe von sechs jungen Männern auf mich zu.“ Sie habe versucht, einen kleinen Bogen um die Gruppe zu machen, doch die Männer sprachen sie an, baten sie, doch stehen zu bleiben, zwecks Unterhaltung. Ihr „Nein“ wurde ignoriert. „Irgendwann haben sie mich umzingelt und immer wieder hin und her geschubst.“

Frau bekommt es mit der Angst zu tun

Die ehemalige Hobby-Thai-Boxerin bekam es schnell mit der Angst zu tun und sei kurz davor gewesen, sich zu wehren und auszuteilen – da habe die Polizei bereits eingegriffen. „Ein älterer Polizist meinte dann, ich sei ja auch selbst schuld, ich sei betrunken und hätte die Jungs wahrscheinlich provoziert.“ Die Frau habe klargestellt, dass sie getrunken habe, aber nicht betrunken sei. Die Polizei habe trotz der Handgreiflichkeiten und der Zeugin nur die Personalien der Beteiligten aufgenommen und sei weitergefahren. Konsequenzen habe es nicht gegeben.

Auch nach dem Vorfall, der sie nicht gerade ermutigte, sich in solchen Fällen an die Polizei zu wenden, sei sie noch öfter belästigt worden. Einmal in einem Taxi, wo der Fahrer ihre Beine anfasste, sie aber auf Wunsch zumindest sofort aussteigen ließ. Und öfter auch in einer Stammkneipe, wo ein Besucher sie immer wieder anfasste, nach dem dritten, vierten Bier. „Wenn man dann mal lauter wird und mit Schlägen droht, heißt es gleich: Warum bist du denn so aggressiv?“ Dass hier massiv gegen ihre Autonomie und gegen ihr „Nein“ gehandelt wird, werde gerne übersehen, was die Betroffene ärgert. Zwar habe sie selbst noch nie jemanden angezeigt, doch kommentiert sie zur Präventionsarbeit der Polizei: „Ich finde es richtig, wenn sich jemand unwohl fühlt und Angst hat – da ist das völlig in Ordnung, den Notruf zu wählen.“

Es liegt nicht am Kulturkreis

Gegen die Aussage der 37-Jährigen zum Kulturkreis von Männern, die dann distanzloser seien, spricht sich Sandra Gillmeister von der Opferhilfe Weißer Ring Ulm/Alb-Donau-Kreis deutlich aus. „Das liegt nicht am Kulturkreis. Das Geschlecht ist das Problem. Es liegt am Geschlecht Mann.“ Sie hat immer wieder mit solchen Geschichten zu tun und berät die Frauen telefonisch oder persönlich mit dem ehrenamtlichen Team. Ein Patentrezept gebe es nicht, um sich vor Alltagssexismus und „Catcalling“ zu schützen oder „richtig“ darauf zu reagieren, sagt die 35-Jährige. „Leider kann man nie vorhersagen, was die beste Strategie in einer solchen Situation ist, weil man nicht in den Kopf der Täter gucken kann.“

Wer nur flirten und Frauen nicht bedrängen will, solle einfach davon ausgehen: „Nur ein ,Ja' ist ein ,Ja'. Wenn eine Frau ausweichend reagiert, ist es ein Nein“, sagt Gillmeister. Dem pflichtet auch Denise Fink bei, die noch das Heimwegtelefon als Option empfiehlt. Dabei telefoniert man unter der Hotline mit Ehrenamtlichen auch aus der Region, die von Sonntag bis Donnerstag von 21 bis 1 Uhr und freitags sowie samstags von 21 bis 3 Uhr bereitstehen: unter Tel. (030) 12 07 41 82. So funktioniert es: Man teilt über eine App wie Google Maps seinen Standort, fühlt sich sicherer, kann sich mit jemandem unterhalten – und wenn was passiert, benachrichtigen die Ehrenamtlichen schnell die entsprechende Einsatzzentrale per Notruf mit dem genauen Standort.

Strafrecht und Hilfsangebote

Im deutschen Strafrecht gibt es laut Polizeilicher Kriminalprävention der Länder und des Bundes aktuell keinen eigenen Straftatbestand für „Catcalling“. Je nach Tat kommen folgende Straftatbestände in Betracht: Beleidigung, sexuelle Belästigung (setzt derzeit Berührung voraus), Verbreitung pornografischer Inhalte („Dick Pic“), Nachstellung sowie Nötigung.

Wichtige Hilfe- und Anlaufstellen sind der Polizeinotruf 110, das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ (kostenlos, mehrsprachig, rund um die Uhr) unter 116 016 oder online unter www.hilfetelefon.de, Weißer Ring Opferhilfe für Ulm/Alb-Donau-Kreis unter Tel. (0151) 14 19 72 44, im Landkreis Neu-Ulm Tel. (0151) 55 16 48 04 und online weisser-ring.de, Frauen- und Mädchenberatungsstellen und Frauenhäuser.

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