Boris Palmer hat am Mittwochabend offiziell seine dritte Amtszeit als Oberbürgermeister der Universitätsstadt Tübingen angetreten. Er wurde auf einer Sondersitzung des Gemeinderats im Tübinger Rathaus für die nächsten acht Jahre feierlich „verpflichtet“ – einen Eid hatte Palmer, dessen Mitgliedschaft bei den Grünen derzeit ruht, bereits 2007 zur ersten Amtszeit abgelegt. In der Laudatio für den gerne polarisierenden Politiker gab es reichlich Lob sowie offene Kritik.

Lob für Corona-Management

Stadträtin Annette Schmidt hob in ihrer Rede unter anderem Palmers Stadt-Management in der Corona-Pandemie hervor. Die Bürger hätten zu Recht das Empfinden „Krise kann er!“. Während andere Städte in Frust verfallen seien, habe Palmer Teststationen aus dem Boden stampfen und Läden öffnen lassen. „Corona steht exemplarisch für seine unkonventionelle Herangehensweise.“ Sie mahnte aber auch an, dass Diskussionen von Palmer „sensibler“ geführt werden müssten. Es gehe in der Lokalpolitik neben Fakten auch um Emotionen.
Palmer selbst gestand ein, in der Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat „nicht immer der Einfachste“ zu sein. In den kommenden acht Jahren will er sich nach eigenem Bekunden vor allem für mehr Handlungsspielräume der Kommunen einsetzen. Palmer war nach einem kontrovers geführten Wahlkampf als unabhängiger Kandidat im Oktober mit absoluter Mehrheit von 52,4 Prozent im ersten Wahlgang als Tübinger OB wiedergewählt worden – auch gegen eine Kandidatin der Grünen.

Rückkehr zu den Grünen weiterhin offen

Zu den Grünen möchte Palmer gerne zurück, sagte er im Anschluss an die Veranstaltung. Er habe das Ausschlussverfahren inhaltlich und sachlich für falsch gehalten, müsse jedoch auch zu seinem Wort stehen, seine Mitgliedschaft wie per Schiedsspruch vereinbart bis zum Jahresende ruhen zu lassen. Vorausgegangen waren Streitigkeiten in der Partei um Tabubrüche des 50-Jährigen. Mittlerweile fordern aber etliche Grüne seine Rückkehr. Auch er selbst hofft darauf, früher wieder „echtes“ Parteimitglied zu werden.