„BaWü-Check“ zur Landtagswahl 2026
: Özdemir in Umfrage vor Hagel – doch vieles spricht trotzdem für die CDU

32 Prozent der Menschen im Südwesten wollen Cem Özdemir (Grüne) als Ministerpräsident, nur 26 Prozent Manuel Hagel (CDU): Der neue „BaWü-Check“ klingt eindeutig. Dennoch kann die CDU aus den Daten viel Optimismus ziehen.
Von
Roland Müller
Stuttgart
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Manuel Hagel (CDU) versus Cem Özdemir (Grüne): Dieses Duell wird den Landtagswahlkampf prägen.

Manuel Hagel (CDU) versus Cem Özdemir (Grüne): Dieses Duell wird den Landtagswahlkampf prägen.

Fotos: B. Weißbrod/dpa/F. Molter/dpa
  • Umfrage: 32 % für Özdemir (Grüne) als Ministerpräsident, 26 % für Hagel (CDU).
  • CDU bleibt stärkste Partei: 33 % wollen CDU wählen, Grüne bei 27 %, AfD bei 23 %.
  • Bekanntheit entscheidend: Özdemir 79 %, Hagel nur 20 %.
  • Themen: Innere Sicherheit (57 %) und Gesundheit wichtigste Anliegen der Wähler.
  • Sorge um AfD-Aufstieg: 53 % beunruhigt, 46 % befürworten „Brandmauer“.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wer wird bei der Landtagswahl 2026 neuer Ministerpräsident in Baden-Württemberg? Diese Frage wird mit dem Näherrücken der heißen Phase des Wahlkampfs zunehmend drängender. Geht es nach den Menschen in Baden-Württemberg, ist ihre Präferenz für den Posten des neuen Regierungschefs klar: 32 Prozent plädieren für Cem Özdemir (Grüne) als Nachfolger von Winfried Kretschmann, sein Hauptkonkurrent Manuel Hagel (CDU) kommt auf 26 Prozent (25 Prozent wollen keinen der beiden, 17 Prozent sind unentschieden). Das ist das Ergebnis des aktuellen „BaWü-Checks“, der repräsentativen Umfrage der baden-württembergischen Zeitungsverlage. Dabei halten sogar 21 Prozent der CDU-Wähler den Grünen Özdemir für geeigneter.

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Grafik Peters, Quelle: IfD-Allensbach

Auf den zweiten Blick offenbaren die Daten allerdings ein anderes Bild – zumal der Ministerpräsident sowieso nicht direkt zur Wahl steht. Denn die CDU als Partei hat bei der Wählerschaft in Baden-Württemberg, ähnlich wie in anderen Umfragen, weiterhin einen deutlichen Vorsprung vor den Grünen: 33 Prozent der Befragten könnten sich vorstellen, bei der Landtagswahl die Christdemokraten zu wählen, die Grünen landen in dem Ranking bei 27 Prozent vor der AfD (23), SPD (17), der Linken (11) und der FDP (9) – wobei bei dieser Umfrage Mehrfachnennungen möglich waren. Setzt sich diese Tendenz bis zur Wahl fort, kommt der nächste Ministerpräsident aus Ehingen – und heißt Manuel Hagel.

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Grafik Peters, Quelle: IfD-Allensbach

Die Daten zeigen zudem: Dass Özdemir bei der persönlichen Präferenz Hagel ausstechen kann, ist ganz offensichtlich vor allem auf einen Faktor zurückzuführen: seine enorme Bekanntheit. 79 Prozent der Befragten im Südwesten ist Özdemir ein Begriff – als seit vielen Jahren profilierter Bundespolitiker und Ex-Landwirtschaftsminister ist das kein Wunder. Manuel Hagel kennen hingegen nur ernüchternde 20 Prozent der Menschen im Land. Damit liegt der große Hoffnungsträger der Südwest-CDU sogar noch deutlich hinter SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch (24 Prozent).

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Grafik Peters, Quelle: IfD-Allensbach

Ob und wie sich dieser enorme Prominenz-Vorsprung Özdemirs im weiteren Verlauf des Wahlkampfs auszahlt und wie sich Hagels Werte mit steigender Bekanntheit verändern, wird wohl eine der spannenden Fragen dieses Wahlkampfs. Bei Wählerinnen und Wählern jedenfalls, die sowohl Özdemir als auch Hagel bereits kennen, liegt Hagel beim Zuspruch deutlich vorne: Von ihnen sprechen sich 44 Prozent für Hagel aus, für Özdemir plädieren lediglich 36 Prozent.

Beiden Kandidaten werden dabei ähnlich hohe Werte für Sympathie und Kompetenz sowie eine „klare Sprache“ attestiert. Unterschiede im Profil sehen die Bürgerinnen und Bürger allerdings durchaus: Özdemir wird ein hohes Engagement für Umwelt- und Klimaschutz zugesprochen, Manuel Hagel hingegen hohe Wirtschaftskompetenz. Der 59-jährige Özdemir wird als politisch sehr erfahren betrachtet, während dem 37-jährigen Hagel eher zugetraut wird, das Land „voranzubringen“. Das relativ junge Alter Hagels stört indes nur eine kleine Minderheit (10 Prozent), 42 Prozent der Befragten begrüßen das sogar ausdrücklich.

Doch was erwarten die Wählerinnen und Wähler inhaltlich von der nächsten Landesregierung, welche Themen sollte die Politik dringend angehen? Ganz oben auf der Prioritätenliste steht „innere Sicherheit und Schutz vor Kriminalität“ mit 57 Prozent vor Gesundheit, Wirtschaft und Zuwanderung. Den Grünen nicht gefallen dürfte, dass ihr klassisches Thema Umwelt- und Klimaschutz hingegen mit 39 Prozent schon etwas weiter unten in der Prioritätenliste steht. Dass „Bauen und Wohnen“ noch weiter unten rangiert, ist etwas überraschend und widerspricht früheren Befragungen, die bezahlbaren Wohnraum als drängendes Thema in Baden-Württemberg betrachteten.

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Grafik Peters, Quelle: IfD-Allensbach

Sorgen macht einer Mehrheit der Menschen im Land darüber hinaus der Aufschwung der AfD: 53 Prozent finden das beunruhigend. Eine „Brandmauer“ befürworten dabei aber nur 46 Prozent der Befragten. 29 Prozent sind dafür, dass andere Parteien mit der AfD zusammenarbeiten sollten, 13 Prozent sind offen für Koalitionen mit der Partei, die vom Verfassungsschutz im Bund als gesichert rechtsextrem eingestuft wird.

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Grafik Peters, Quelle: IfD-Allensbach

Die Landtagswahl am 8. März 2026 wird auch das Ende der Ära von Ministerpräsident Winfried Kretschmann bedeuten. Dessen Bilanz als Regierungschef nach inzwischen 14 Jahren im Amt sieht eine Mehrheit der Baden-Württemberger positiv: 51 Prozent halten ihn für einen „guten“ Ministerpräsidenten, nur 20 Prozent sind der gegenteiligen Meinung (29 Prozent unentschieden). Selbst bei CDU-Wählern genießt Kretschmann dabei überdurchschnittlich hohes Ansehen: Satte 62 Prozent der Unions-Anhänger bescheinigen dem Ur-Grünen gute Arbeit für das Land – eine durchaus bemerkenswerte Zahl.

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Grafik Peters, Quelle: IfD-Allensbach

Für die aktuelle Landesregierung reicht es im Urteil der Bürger immerhin noch für ein „befriedigend“ – im Schnitt geben die Menschen im Land der grün-schwarzen Regierung die Schulnote 3,1.

Die Umfrage der Tageszeitungen

War Winfried Kretschmann ein guter Ministerpräsident? Was sind die wichtigsten Themen für die Landtagswahl 2026? Wen würden Sie als künftigen Regierungschef vorziehen? Das und mehr wollten Tageszeitungen in Baden-Württemberg in ihrer Umfrage, dem BaWü-Check, wissen. Das Institut für Demoskopie Allensbach befragte dazu im Juli dieses Jahres 1.031 Menschen ab 18 Jahren. Sie bilden einen repräsentativen Querschnitt der baden-württembergischen Bevölkerung. Die gedruckten Tageszeitungen im Südwesten erreichen jeden Tag mehr als fünf Millionen Menschen, hinzu kommen Leserinnen und Leser auf ihren reichweitenstarken Online-Portalen.