AfD in Baden-Württemberg: Gegner entmachtet, Kritiker kaltgestellt – Bahn ist frei für Alice Weidel


Der Kanzlerkandidatur von Alice Weidel (AfD) dürfte nichts mehr im Weg stehen.
Bernd von Jutrczenka/dpaDie in der Vergangenheit von Machtkämpfen zerrissene Südwest-AfD hat in Ulm bei der Mitgliederversammlung zur Aufstellung der Liste für die Bundestagswahl 2025 in mehrfacher Hinsicht ihre Hausaufgaben erledigt. Aus dem organisatorischen Chaos des Landesparteitags im Februar in Rottweil hat der Landesverband gelernt und in Ulm für einen insgesamt reibungslosen Ablauf gesorgt. Von vielen Mitgliedern wurde diese Entwicklung mit Anerkennung und Erleichterung registriert.
Zudem hatte das Duo Frohnmaier/Sänze an der AfD-Landesspitze schon in Rottweil dafür gesorgt, dass die Gruppe der Weidel-Gegenspieler im Landesvorstand, die immer wieder mit Kritik an internen Vorgängen an die Öffentlichkeit gegangen waren, entmachtet wird. Jetzt hat das Führungsduo im Vorfeld im Hintergrund – mit welchen Mitteln auch immer – dafür gesorgt, dass auch in der nächsten AfD-Landesgruppe im Bundestag niemand aus diesem Kreis der potenziellen unerwünschten Unruhestifter mehr vertreten sein wird. Alice Weidel geht aus Ulm gestärkt hervor, in ihrem eigenen Landesverband dürfte Ruhe einkehren – die Reihen hinter ihr sind soweit erst einmal geschlossen. Das dürfte der Südwest-Spitzenkandidatin auch Rückenwind für ihre angestrebte Kanzlerkandidatur für die AfD geben, die im März beschlossen werden soll. Niemand könnte dann mehr sagen, dass sie ihren eigenen Laden nicht im Griff hat. Das ist die eine Botschaft von Ulm.
Die Demonstranten von Ulm haben ihre Botschaft platziert
Die andere ist: Die AfD wähnt sich auch im Südwesten, bestärkt von den Ergebnissen der Landtagswahlen im Osten und von den Umfrageergebnissen, auf der Siegerstraße. Tatsächlich aber scheinen die AfD-Bewerber für die Bundestagswahl ein anderes Land zu beschreiben als das, das sie in Baden-Württemberg vor der Haustür finden. Die Demonstranten in Ulm, deutlich mehr an der Zahl als die angereisten AfD-Parteimitglieder aus dem ganzen Bundesland, protestierten jedenfalls offensichtlich nicht aus Sorge vor dem Verlust ihrer nationalen Identität und vor dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Niedergang Deutschlands – sondern für eine offene, tolerante, zukunftsgewandte Gesellschaft. Und gegen die AfD.

