Landtagswahl BW 2026
: Diese Abgeordneten dürften zittern

Sechs Wochen vor der Wahl steht es für einige Kandidatinnen und Kandidaten aus den Wahlkreisen Hechingen/Münsingen, Reutlingen und Nürtingen Spitz auf Knopf. Die große Unbekannte in der Rechnung ist die FDP.
Von
Peter Kiedaisch
Metzingen
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Mathematik: ARCHIV - 16.12.2025, Baden-Württemberg, Stuttgart: Utensilien eines Schülers einer sechsten Klasse der Helene-Fernau-Horn-Schule, einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt Sprache, liegen während des Unterrichts auf einem Mathematik-Arbeitsblatt. (zu dpa: «Ministerin: Reform bei Division macht Kinder besser in Mathe») Foto: Marijan Murat/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Etwas Mathematik gehört dazu, doch auch ohne Bruchrechenkünste wird klar, dass es die FDP schwer hat. In Umfragen steht sie derzeit bei fünf Prozent.

Marijan Murat/dpa
  • Umfrage von Infratest dimap: FDP bei 5 %, SPD bei 8 %, CDU 29 %, Grüne 23 %.
  • Wahl am 8. März in Ba‑Wü: FDP‑Mandate wackeln in Hechingen/Münsingen und Nürtingen.
  • Kern (Platz 11) und Birnstock (Platz 16) wären bei 5 % nicht im Landtag.
  • SPD: Nothofer-Hahn (Platz 14) zittert; Reeth (37) und Hummel (43) ohne Chance.
  • Grüne und CDU entspannt: mögliche Sitze 39 (Grüne) und 49 (CDU); Überhänge möglich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es wird spannend bleiben, darauf deutet eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap hin, die im Auftrag des Südwestrundfunks (SWR) und der Stuttgarter Zeitung dieser Tage erstellt und veröffentlicht wurde.

Die Landtagswahl in Baden-Württemberg (am 8. März) könnte einigen etablierten Landtagsabgeordneten aus dem Verbreitungsgebiet unserer Zeitung (also aus den Wahlkreisen Hechingen/Münsingen, Reutlingen und Nürtingen) das Mandat kosten.

Gefährdet sind insbesondere die FDP-Landtagsabgeordneten Timm Kern (Wahlkreis Hechingen/Münsingen) und Dennis Birnstock (Wahlkreis Nürtingen). Beide Direktkandidaten ihrer jeweiligen Wahlkreise sind zwar zusätzlich über die Landesliste abgesichert, doch selbst die guten Listenplätze elf (Kern) und 16 (Birnstock) müssen nach derzeitigem Stand der Dinge nicht unbedingt ausreichen.

Fünfprozent-Hürde als Weichensteller

Infratest dimap listet die FDP bei fünf Prozent, was einerseits positiv ist für eine Partei, die im Bundestrend drei Prozent erreicht und seit 2022 sieben Mal den Einzug in einen Landtag verpasst hat. Andererseits sind für das FDP-Stammland Baden-Württemberg fünf Prozent kein angemessenes Ergebnis. Doch ausschlaggebend ist allein die Korrelation zwischen Prozentzahl und Zahl der Abgeordnetensitze. Bei fünf Prozent erhielte die FDP acht Sitze, somit wären künftig weder Timm Kern noch Dennis Birnstock im Landtag vertreten.

Timm Kern selbst rechnet optimistischer. Er geht wegen der zu erwartenden hohen Anzahl an Direkt- und Ausgleichsmandaten davon aus, dass der Landtag 200 oder mehr Mitglieder haben wird. In dem Fall könnten 5,1 Prozent Listenplatz elf ausreichen. Lieber wären ihm freilich 5,5 Prozent, dann, so seine Prognose, „bin ich sicher drin“.

Mit einem vergleichbar guten Ergebnis wie 2021, als die FDP 10,5 Prozent erhalten hatte, wären Kern und Birnstock zweifellos erneut im Landtag vertreten.

Als Wackelkandidatin gilt auch Ronja Nothofer-Hahn (Wahlkreis Reutlingen). Mit Listenplatz 14 ist sie aussichtsreich in den Wahlkampf gestartet, verglichen mit ihren Parteigenossen Tim Reeth (Nürtingen, Platz 37) und dem Zaininger Yannik Hummel (Hechingen/Münsingen, Platz 43). Doch die SPD ist in der Umfrage auf ein Allzeittief von acht Prozent gerutscht und wäre möglicherweise nur mit 13 Abgeordneten im Landtag vertreten. Während also Ronja Nothofer-Hahn bis zuletzt zittern, bangen und hoffen wird, können Tim Reeth und Yannik Hummel mit einem guten Wahlkampf allenfalls zu einem besseren Gesamtergebnis ihrer Partei beitragen, sie selbst werden über diese Wahl kein Landtagsmandat erhalten.

Landtagswahl BW 2026 Wahlkreis Hechingen/Münsingen

Wer schafft es, am 8. März 2026 in den Landtag einzuziehen? Die sechs Kandidaten des Wahlkreises 61 im Interview mit der Südwest Presse:

Weitere Infos und Hintergründe zu der Landtagswahl und den Kandidatinnen und Kandidaten des Wahlkreises Hechingen/Münsingen finden Sie in unserer Übersicht.

Düster sieht es für Sebastian Geyer (FDP, Wahlkreis Reutlingen), Clara Meier (Die Linke, Nürtingen), Sonja Schneiderat (Die Linke, Hechingen-Münsingen) sowie die AfD-Kandidaten Alexander Gräff (Hechingen/Münsingen) und Felix Schneider (Nürtingen) aus. Sie alle sind nicht über Listenplätze abgesichert. Um in den Landtag einzuziehen, müssten sie das Direktmandat in ihrem Wahlkreis gewinnen.

Relativ entspannt können die Kandidatinnen und Kandidaten der Grünen und der CDU dem Wahlausgang entgegensehen. Die Grünen freuen sich derzeit über ihren Zwischensprint, der sie um drei Prozentpunkte näher an die CDU gebracht hat. Die Grünen würden jetzt 23 Prozent oder 39 Sitze erreichen, insofern wären Cindy Holmberg (Hechingen/Münsingen, Platz 13), Thomas Poreski (Reutlingen, Platz 16) erneut und Clara Schweizer (Nürtingen, Platz 21) neu im Parlament.

Die besseren Zahlen hat derzeit die CDU. Sie rangiert in der Umfrage auf Platz eins mit 29 Prozent der Stimmen und zu erwartenden 49 Sitzen (genau kann man das schlecht vorhersagen, weil es wegen der Zweistimmenwahl Überhangs- und Ausgleichsmandate geben kann). Sicher im Sattel sitzt dabei Manuel Hailfinger (Hechingen/Münsingen). Er ist bereits Abgeordneter und wird dieses Amt mit Listenplatz 29 mit großer Wahrscheinlichkeit verteidigen, wenngleich ihm die Tatsache gefährlich werden könnte, dass die CDU ihre Mandatsträger hauptsächlich über Direktmandate ins Parlament bringt. Gewinnt er das nicht, kann auch der Listenplatz 29 theoretisch zu wenig sein. Auch Maren Steege (Nürtingen, Platz 37) dürfte dem neuen Landtag angehören. Indessen kommt es bei Maximilian Menton (Reutlingen) darauf an, ob die CDU ihren Vorsprung hält. Mit Listenplatz 45 wäre er drin, ginge die Wahl so aus, wie von Infratest dimap dieser Tage prognostiziert.

Im für die FDP denkbar schlechtesten Szenario, wenn sie also die Fünfprozenthürde nicht schaffen würde und komplett aus dem Landtag flöge, könnte es für Ronja Nothofer-Hahn (SPD, Reutlingen) und für Jessica Knapp (Die Linke, Reutlingen) reichen. In dieser Konstellation käme die CDU auf 51 Sitze, die Grünen auf 41, die AfD auf 35, die SPD auf 14 und Die Linken auf zwölf. Wer in dieser Konstellation wohl den Ministerpräsidenten stellen würde?