Zollkrieg eskaliert
: Donald Trump erkennt nicht die noch größere Gefahr

China hat auf die US-Politik ein weiteres Mal mit Gegenzöllen reagiert. Hinter dem Zollkrieg steht für die USA eine noch ernstere Bedrohung.
Kommentar von
Alexander Bögelein
Peking
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NYSE Opens On Friday After Week Of Volatility On Tariff News: NEW YORK, NEW YORK - APRIL 11: The New York Stock Exchange is seen during morning trading on April 11, 2025 in New York City. Stocks continued to slide amid tariff fears after U.S. President Donald Trump temporarily reduced country-specific duties to a universal rate of 10% except for China. China retaliated by raising its levies on U.S. products to 125% from 84%.   Michael M. Santiago/Getty Images/AFP (Photo by Michael M. Santiago / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP)

Die Finanzmärkte sind geschockt über Donald Trumps wechselhafte und absurde  Zollpolitik. Mittlerweile beginnen Investoren Geld aus dem US-Dollar abzuziehen. Der Ruf des US-Dollar als Leitreserve der Welt hat schweren Schaden genommen.

MICHAEL M. SANTIAGO/AFP

Chinas Reaktion war absehbar. Der Handelskonflikt zwischen den beiden größten Volkswirtschaften spitzt sich zu – und funktioniert nach Regeln, an denen alle, die sich mit Spieltheorie beschäftigen, ihre helle Freude haben.

Dadurch dass US-Präsident Donald Trump Strafzölle gegen die gesamte Welt verhängt hat, hat er alle Betroffenen in ein Dilemma gestürzt: Hebe ich auch die Zölle an oder gebe ich klein bei? Eine in der Theorie gute Reaktion ist in diesem Fall nach dem Motto zu verfahren: wie du mir, so ich dir.

Selbst wenn man unterstellt, dass der USA ihre höheren Zölle nutzen, löst sich dieser Vorteil allerdings in Luft auf, wenn es andere Länder ihr gleichtun und ebenfalls ihre Märkte mit hohen Zöllen abschotten.

Kluge Reaktion Chinas

Blöd nur, dass dann alle Länder schlechter da stehen als ohne Zölle. Denn dass der Wegfall von Handelshemmnissen dem Wohlstand in allen Ländern zugutekommt, ist vielfach wissenschaftlich belegt. Bemerkenswert ist, dass die chinesische Zollkommission angekündigt hat, sie werde auf weitere US-Zölle nicht reagieren. Damit verhindert sie ein noch weiteres Aufschaukeln der Zölle.

Ob diese Nachricht beim US-Präsidenten ankommt, ist fraglich. Er steckt bereits in einem weiteren Dilemma. Wegen seiner absurden Politik beginnen die Finanzmärkte, das Vertrauen in die USA zu verlieren. Mittlerweile halten viele Ökonomen eine Rezession in dem hoch verschuldeten Land für sehr wahrscheinlich, weil die Zölle auf ausländische Produkte auch die Inflation in den Vereinigten Staaten anheizen werden.

Flucht aus dem Dollar

Zudem verlieren Investoren und Anleger das Vertrauen in die USA und den  US-Dollar. Dieser gilt vielen in Krisen nicht mehr als sicherer Hafen in Krisen. Das „Handelsblatt“ berichtet, dass sich Anleger im großen Umfang von Dollar-Wertpapieren trennen und in anderen Währungen Schutz suchen. Das drückt den Kurs der Weltleitwährung. Der Schaden durch diesen Vertrauensverlust in den Dollar ist immens, die langfristigen Auswirkungen noch nicht ansatzweise absehbar.