„Woker“ Käse im Kühlregal?: Milram erntet Shitstorm – und die AfD jede Menge Spott

Zu divers? Die „Design Edition“ der Käse-Verpackungen von Milram haben im Internet teils heftige Reaktionen ausgelöst.
Milram- Milram sorgt mit „Design-Edition“ der Käseverpackungen für Kontroversen – Motive zeigen Vielfalt.
- Rechte und AfD kritisieren die Designs als „zu divers“ und starten Boykott-Aufrufe mit rassistischen Tönen.
- DMK Group verteidigt die Verpackungen als „unpolitisch“ und Ausdruck von Gemeinschaft und Vielfalt.
- Social Media reagiert mit Spott auf den Shitstorm – Satire und Kritik an rassistischer Doppelmoral.
- AfD-Chefin Weidel wird wegen Widersprüchen zwischen privatem und politischem Auftreten thematisiert.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Menschen verschiedener Hautfarben, Menschen, die sich gern haben, Freunde beim Frühstück, bunte Farben: Mit ihrer „Design-Edition“ will die Käse-Marke Milram gute Laune wecken und junge Leute ansprechen. Stattdessen hat die Aktion aber die hässliche Seite des Internets aufgeweckt, die sich offenbar allein von der Abbildung dunkelhäutiger Menschen provoziert fühlt. So kommentierte die niedersächsische AfD-Landtagsabgeordnete Vanessa Behrendt auf X: „Nö danke, Milram. Ich kaufe euren Käse gerne wieder, sobald ihr wieder klar kommt.“
Andere Nutzer wurden noch deutlicher: „Ab heute könnt ihr euren Scheiß selber fressen“ heißt es da, zu einem Milram-Boykott unter dem Hashtag „#MilramBoykottJetzt“ wird aufgerufen, und mancher äußert sich direkt rassistisch: „Wenn sie den Käse afrikanisch bewerben, sollen sie ihn auch gefälligst im Urwald verkaufen.“ Andere Nutzer auf Social Media empfinden die Designs lediglich als „übergriffig“ und „woke“, weil sie einen politisch erzieherischen Charakter hinter den Motiven unterstellen.
Milram, eine Marke des Unternehmens DMK Group (Deutsches Milchkontor) mit Sitz im niedersächsischen Zeven, hatte die neuen Käse-Verpackungen der „Design Edition“ kürzlich in die Supermarkt-Regale gebracht – als limitierte Edition, die Farbe ins Kühlregal und auf den Frühstückstisch bringen soll. „Ein echter Hingucker und ein Statement für unseren Markenwert Gemeinschaft“, schreibt das Unternehmen dazu. Zwei „angesagte“ junge Künstlerinnen und ein Künstler wurden laut Pressemitteilung mit den Illustrationen beauftragt: Josephine Rais, Danii Pollehn und Moritz Adam Schmitt.
Unternehmen DMK sieht Packungen „bewusst unpolitisch“
Von den Beschimpfungen im Netz will sich DMK derweil nicht beeindrucken lassen. „Die Verpackungen zeigen illustrierte Menschen und stehen für das, was Milram ausmacht: Gemeinschaft und Genuss. Bunt illustriert, vielfältig, modern“, teilte die Pressestelle als Reaktion auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE mit. „Die Gestaltung ist bewusst unpolitisch und spiegelt visuell die Vielfalt unserer Gesellschaft wider – nicht mehr und nicht weniger“, heißt es in dem Statement weiter. Versuche, aus den Verpackungen eine „politische Botschaft“ abzuleiten, seien „kontruiert“ und gingen am Sinn der Aktion vorbei.
„Während viele Kunden und Kundinnen die Gestaltung feiern und die Kampagne loben, wird die Aktion leider von einzelnen Gruppen auf ihren einschlägigen Internetforen genutzt, um diskriminierende und rassistische Inhalte zu verbreiten.“ DMK stehe hingegen für Respekt, Vielfalt und ein wertschätzendes Miteinander, jede Form der Diskriminierung werde verurteilt.
„Postillon“ postet Käsepackungen mit SS-Offizieren
Das Netz wäre nicht das Netz, wenn die rechte Aufwallung über Käse-Verpackung nicht kräftig auf den Arm genommen würde. Die Satire-Seite „Postillon“ schrieb in einem Post auf Bluesky: „Um weitere Shitstorms zu vermeiden: Milram zeigt auf Käseverpackungen nur noch SS-Offiziere“ und bastelte entsprechende Designs dazu.
Andere Nutzer weisen auf den offenen oder unterschwelligen Rassismus der Boykott-Kampagne hin: Das einzige, was die Menschen „triggere“ seien offenbar andere Hautfarben. „Stell dir vor, du siehst eine Milram-Werbung mit Menschen verschiedener Hautfarben und das Einzige, was dich stört, ist die Hautfarbe. Spoiler: Das Problem ist nicht die Werbung!“, heißt es da etwa.
Auch die doppelten Standards der rechtsextremen AfD und ihrer Wählerschaft wird aufgespießt: So kursieren etliche Foto-Collagen und Gegenüberstellungen der Milram-Packungen sowie eines Fotos von AfD-Chefin Alice Weidel, die erst kürzlich ein Selfie von den Bayreuther Festspielen mit ihrer (dunkelhäutigen) Lebenspartnerin Sarah Bossard gepostet hatte. Die offensive Darstellung eines maximal diversen Lebensentwurfs an der Parteispitze auf der einen Seite, die aggressive Ablehnung von Werbung, die ähnliche Realitäten zeigt, auf der anderen – dieser Widerspruch stach vielen Usern auf Social Media ins Auge.
Kurioserweise hatte Weidels Auftritt am Wochenende in Bayreuth indirekt auch mit Milchprodukten zu tun: Sie traf sich dort mit dem Molkerei-Unternehmer, CSU-Mitglied und Milliardär Theo Müller („Müller-Milch“, „Weihenstephan“, „Landliebe“) und dessen Ehefrau. Die beiden verbindet seit Jahren eine gute Bekanntschaft, Müller nannte Weidel in einem Interview „eine Freundin“. Privat leben beide Paare in der Schweiz. Müller hat den Austausch mit Weidel aber stets als „privat“ bezeichnet, er sei kein Unterstützer der AfD, sehe aber auch keinen Grund, sich von der Partei zu distanzieren. Dass zwei der größten Molkerei-Unternehmen Deutschlands in der Causa indirekt verwickelt sind, ist aber sicher Zufall.

