Schwarz-Gruppe Warum das Göppinger Familienunternehmen Schwarz erfolgreich ist

Göppingen / Alexander Bögelein 05.01.2019

Landauf, landab klagen Logistiker über Fachkräftemangel. Der ist bei der Schwarz-Gruppe aus Göppingen kein Thema. Das Familienunternehmen setzt auf eigene Ausbildung. Diese ist Chefinsache: Prokuristin Gabi Schwarz engagiert sich seit 20 Jahren für die jungen Mitarbeiter. Auch ansonsten geht das Unternehmen ungewöhnliche Wege.

Wie sehr treffen die EU-Pläne, die Arbeitsbedingungen der Fernfahrer zu verbessern, die Schwarz-Gruppe?

Gabi Schwarz: Gar nicht. Unsere Fahrer sind nicht auf längeren Reisen. Die sind abends alle wieder am Standort. Da stellt sich die Frage nach den Übernachtungen nicht. Nur unsere großen Lkw sind auch nachts unterwegs. Aber da haben wir ein Zwei-Schicht-Modell.

Wie machen Sie das bei größeren Entfernungen?

Da treffen sich die Fahrer aus unserem Netzwerk auf halber Strecke und tauschen die Wechselbrücken. Die allermeisten Touren sind bei uns sogenannte Linienverkehre, die nach einem festen Fahrplan getaktet sind.

Dennoch bauen Sie ein Gästehaus für Lkw-Fahrer?

Das ist für den Fall, dass ausländische Fahrer bei uns landen, vor allem aber für Mitarbeiter.

Warum denn das?

In einem Familienunternehmen kennen Sie die Sorgen und Nöte der Mitarbeiter. Manche ziehen von Zuhause aus, weil es Konflikte gibt. Wir haben ein ehemaliges Bürogebäude für einen sechsstelligen Betrag umgebaut. So sind 15 Zimmer entstanden, die als vorübergehende Bleibe dienen.

Andere Firmen locken im Kampf um Fachkräfte mit Wohnungen.

Das werden wir auch tun. Wir haben an unserem Standort in Uhingen ein Mehrfamilienhaus gekauft, das wir 2019 renovieren werden. Das hatten wir so gar nicht geplant. Wir haben aber gesehen, dass es Bedarf gibt und wir unseren Mitarbeitern so helfen können.

Sie führen die Schwarz-Gruppe mit ihrer Schwester und ihrem Cousin. Wie sind die Rollen verteilt?

Ich stehe als Prokuristin in der zweiten Reihe, bin für Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und Bildung zuständig und spreche fürs Unternehmen, weil mir das leicht fällt. Mein Cousin Oliver und meine jüngere Schwester Beate, die die Geschäftsführung bilden, sind froh, dass ich das mache.

War die Aufgabenverteilung so von Anfang geplant?

Nein, als ältere Schwester sollte ich in die Spedition einsteigen. Nach meiner Heirat und der Geburt meiner Tochter habe ich entschieden, dass ich auch Zeit für die Familie haben will. So eine Entscheidung verträgt sich nicht mit der Geschäftsführung einer Spedition. Mein Vater hat das letztlich akzeptiert. Er ist 2004 aus dem operativen Geschäft ausgeschieden und hat zuvor Beate und Oliver auf deren Führungsaufgaben vorbereitet. Jetzt leiten wir die Firmengruppe zu dritt.

Wie schwer ist es, mit der jüngeren Schwester in der Firmengruppe zu arbeiten?

Familie und Unternehmen zu verbinden, ist nicht einfach. Das werden viele Familienunternehmer bestätigen können. Das geht mal besser und mal schlechter, weil jeder von uns unterschiedliche Rollen hat und sich diese manchmal überlagern.

Was tun Sie dagegen?

Es ist hilfreich, klar zu machen, in welcher Funktion man etwas sagt – als Schwester oder als Prokuristin. Wir sind dabei, einen neuen Beirat zu konstituieren. Wir haben auch das Thema, wie wir die fünfte Generation der Familie Schwarz einbinden. Die ist zum Teil schon auf dem Weg in die Berufswelt. In diesem Zusammenhang wollen wir auch Regeln für die Kommunikation in den Gesellschafterfamilien aufstellen.

Heikel ist bei Familienunternehmen, dass mit jeder Generation die Zahl der Gesellschafter wächst.

Bei uns ist das nicht so. Schon 1912 gab es drei Stämme, so wie heute. Auch wir werden darauf achten, dass sich die Anteile nicht zersplittern. Das ist der Tod eines Unternehmens. Wir wollen, dass das Unternehmen in Familienhand bleibt und werden unseren Gesellschaftsvertrag entsprechend fortschreiben.

Wer hält die Anteile?

Die Familienmitglieder, die operativ tätig sind. Die anderen erhalten einen Ausgleich. Die oberste Maxime ist allerdings, dass wir immer genügend Liquidität im Unternehmen haben. Derzeit investieren wir mehr als 15 Millionen Euro in ein Gefahrgutlager im sächsischen Wilsdruff. In Sachsen sind wir mit einer eigenen Niederlassung seit 1991 vertreten und haben inzwischen fast so viele Mitarbeiter wie in Göppingen. So etwas muss abgesichert sein. Die Firma geht immer vor.

Der größte Teil der Schwarz-Gruppe ist die Spedition. Wo liegt deren Schwerpunkt?

Wir sind vor allem im Stückgut auf dem Landweg tätig  – national und europaweit. Zudem bauen wir seit Jahren unsere Kontraktlogistik und damit die Dienstleistungen für Kunden aus.

Der Stückgut-Markt ist umkämpft, die Marge niedrig. Wie behaupten Sie sich?

Guter Service und gute Laufzeiten sind wichtige Faktoren. Wir profitieren auch vom Mittelstandsnetzwerk „CargoLine“, das wir vor 25 Jahren mitgegründet haben.

Wie entwickelt sich Ihr zweites Standbein?

Die Entsorgung und Transport GmbH (ETG) hat sich über die Jahre zu einem Komplettanbieter entwickelt, weil die Kunden Lösungen aus einer Hand bevorzugen. Schwerpunkt ist heute die Entsorgung von Industrie- und Gewerbeabfällen. Wir haben Beteiligungen und Tochtergesellschaften, die sich auf die Themen Schrott und Papier spezialisieren. Außerdem schreddern und waschen wir PET-Flaschen und führen diese in den Kreislauf zurück. Die Hausmüllabfuhr macht noch zehn Prozent des ETG-Umsatzes aus.

Welches Thema beschäftigt das Unternehmen am meisten?

Wir sind stark gewachsen und bräuchten dringend mehr Platz, um uns weiterzuentwickeln. Aber Flächen für Gewerbebetriebe im Filstal sind Mangelware. Wir lagern daher Tätigkeiten aus und haben mittlerweile fünf Standorte im Kreis Göppingen. Damit sind die Abläufe alles andere optimal. Wir würden gerne unsere Aktivitäten bündeln, aber dafür ist keine Lösung in Sicht.

In der Logistik fehlen Fach­kräfte. Wie gehen Sie das Thema Mitarbeitergewinnung an?

Sehr vielschichtig. Die eigene Ausbildung spielt für uns eine zentrale Rolle. Wir beschäftigen  800 Mitarbeiter, davon sind 80 Auszubildende. Wir haben fünf Bildungspartnerschaften mit Schulen, sind auf vielen Veranstaltungen, bespielen Social-Media-Kanäle und haben sehr engagierte Ausbildungsbotschafter.

In Ulm und Stuttgart stöhnen die Logistiker, dass sie keine Lehrlinge bekommen.

Wir haben erfreulicherweise bisher genügend Bewerbungen. Wir können alle Stellen besetzen – bis auf die der Berufskraftfahrer. Daher haben wir in diesem Jahr vier Geflüchtete für die Ausbildung zum Berufskraftfahrer eingestellt, ein weiterer wird Fachkraft für Lagerlogistik. Wir sind uns bewusst, dass das für beide Seiten herausfordernd ist. Deshalb versuchen wir die jungen Männer bestmöglich zu unterstützen.

Führungstrio für 800 Beschäftigte

Gabi Schwarz bildet mit ihrer Schwester Beate und ihrem Cousin Oliver die vierte Generation des Göppinger Familienunternehmens. Allesamt haben sie eine Lehre und ein Studium absolviert und in anderen Firmen gearbeitet, bevor sie ins Unternehmen eingestiegen sind.

Die Wurzeln des Unternehmens reichen ins Jahr 1846 zurück. 1912 kauften Gabi Schwarz’ Urgroßvater, dessen Bruder und der damalige Geschäftsführer den Transportbetrieb von Friederike Wackler für 250 000 Mark. Seitdem heißt das Unternehmen L. Wackler Wwe. Nachf.

Zuletzt erwirtschafteten die 800 Mitarbeiter der Schwarz-Gruppe einen Jahresumsatz von 145 Mio. €. In der Spedition arbeiten 600 Menschen, in der DU-Gruppe, die sich mit Entsorgung, von Hausmüll bis Gewerbeabfall beschäftigt, sind es 200 Mitarbeiter. amb

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