Viele Öl-Heizungen im Südwesten: Warum der Heizölpreis 2026 sinken könnte

Hier wird Heizöl angeliefert. Derzeit bewegen sich die Preise dafür in einem Abwärtstrend.
Christian Charisius/dpa- Heizölpreise könnten 2026 trotz steigender CO₂-Steuer stabil oder sinkend bleiben, so der VEH.
- CO₂-Steuer steigt 2024 von 55 auf 65 Euro pro Tonne, ETS 2 wird erst ab 2028 greifen.
- In Baden-Württemberg dominieren Ölheizungen, in Einfamilienhäusern liegt der Anteil bei 34 %.
- Ölheizungen bleiben bis 2045 erlaubt, solange sie funktionsfähig sind; Reparaturen sind möglich.
- VEH fordert Anerkennung von HVO und E-Fuels als erneuerbare Flüssigbrennstoffe.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Trotz steigendem CO₂-Preis werde Heizöl absehbar nicht massiv teurer werden, erwartet der Verband für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH), in dem sich mittelständische Heizölhändler zusammengeschlossen haben. Die frisch mit dem UNITI Bundesverband Energie Mittelstand fusionierte Interessenvertretung prognostiziert auch für das kommende Jahr eher stabile, wenn nicht sogar sinkende Preise.
Für das laufende Jahr registriert VEH-Geschäftsführer Hans-Jürgen Funke einen merklichen Rückgang des für Heizöl maßgeblichen Rohölpreises im Vergleich zu 2024. Ein globales Überangebot, zurückgehende Nachfrage und die Ausweitung der Ölproduktion außerhalb klassischer Förderländer bremsen nach Interpretation des VEH den Preisauftrieb.
Auch die Vergleichsplattform Tecson stellt für die Rohölleitsorten seit Juni einen Abwärtstrend bei den Preisen fest. Allerdings könnte die jüngste Leitzinssenkung durch die amerikanische Notenbank Fed die US-Konjunktur anschieben – und damit die Nachfrage nach Öl. Das könnte letztlich auch Heizöl teurer machen.
Über 30 Prozent des Heizölpreises gehen inzwischen laut VEH inzwischen auf das Konto von Steuern und Abgaben. Nach dem Willen des Gesetzgebers soll die staatlich verordnete CO₂-Abgabe für das Heizen mit Gas und Öl auch im kommenden Jahr erneut steigen.
Von 55 auf 65 Euro
Die 2021 eingeführte CO₂-Steuer soll durch die Bepreisung klimaschädlicher fossiler Brennstoffe das Heizen mit Öl und Gas schrittweise verteuern. Im kommenden Jahr erhöht sich diese Abgabe von bisher 55 auf bis zu 65 Euro pro Tonne. Künftig soll sich der Preis nach dem Willen der EU durch Versteigerung von begrenzt verfügbaren CO₂-Zertifikaten bilden. Diese Regelung sollte auch auf Privathaushalte ausgedehnt werden. Das so genannte Emissionshandelssystem ETS 2 wurde inzwischen aber zunächst auf 2028 verschoben.
Mehr und mehr Heizölhändler hätten die ab Januar geltenden höheren Abgaben bei Ihren Angeboten bereits eingepreist, erklärt Tecson. Nach Rechnung des VEH machen diese Aufschläge für Endkunden etwa drei Cent je Liter aus. „Weil bei den Händlern die Auftragsbücher für Dezember meist voll sind, kommen neue Heizölbestellungen der Kunden erst im Januar zur Auslieferung und unterliegen dann der Mehrabgabe“, erklärt Tecson.
Nach Darstellung des Energiehändlerverbands ist Heizöl im Vergleich zu anderen Wärmeenergien mit 8,36 Cent pro Kilowattstunde dennoch verhältnismäßig günstig. Teurer sind demnach Erdgas mit 10,69 Cent pro Kilowattstunde und vor allem Heizstrom mit 27,72 Cent pro Kilowattstunde.
Der VEH kritisiert eine wachsende Unsicherheit über gesetzliche Anforderungen. Die Bundesregierung habe die Überarbeitung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) angekündigt. Noch aber gebe es keinen Gesetzesentwurf. „Die Brache wartet auf konkrete Regelungen“, kritisiert Funke. Denn auch die Voraussetzungen für eine Förderung für den Einbau neuer Heizungen seien noch nicht klar. Das bremse den gesamten Heizungsmarkt.
Bleibt es bei den Regelungen des aktuellen GEG, wird der Einbau von Heizungen mit mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energien nach dem 30. Juni 2026 in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern Pflicht. Bestehende Öl- und Gasheizungen dürfen aber bis 2045 weiterbetrieben werden, solange sie funktionsfähig sind, betont der VEH. Auch Reparaturen sind erlaubt. Erst wenn eine Anlage irreparabel ist, müsse eine neue installiert werden. Ein Austausch ist außerdem erforderlich, wenn der Heizkessel älter ist als 30 Jahre.
Viele Öl-Heizungen im Südwesten
Der VEH fordert die rechtliche Anerkennung erneuerbarer Flüssigbrennstoffe wie HVO und E-Fuels. Bei einer Ölheizung sei es dann auch ohne einen Heizungswechsel schon jetzt möglich, CO2 einzusparen.
Ölheizungen hätten ihre starke Stellung behauptet, betont der VEH. Ihr Anteil am deutschen Wärmemarkt sei immer noch wesentlich – vor allem in ländlichen Regionen. „Ölheizungen werden weiter viel genutzt werden“, erwartet Funke. Nicht in jedem Gebäude sei eine Wärmepumpe technisch und wirtschaftlich sinnvoll.
Traditionell hoch ist der Anteil an Ölheizungen in Baden-Württemberg, nicht zuletzt wegen eines hohen Anteils an Einfamilienhäusern. Knapp 34 Prozent dieser Häuser werden laut VEH-Statistik mit Öl beheizt, etwas mehr als 33 Prozent nutzen Gasheizungen. Über alle Gebäudetypen hinweg liege der Anteil an Gasheizungen bei 44,5 Prozent, der der Ölheizungen bei 27,6 Prozent. Fernwärme nutzen 10,3 Prozent.
Im Unterschied zu Baden-Württemberg überwiegt beispielsweise in Brandenburg bei Einfamilienhäusern der Anteil der Gasheizungen mit etwas über 57 Prozent. Ölheizungen kommen bei 10,1 Prozent zum Einsatz, Fernwärme bei 9,3 Prozent. Auch das durchschnittlich Alter der Ölheizungen unterscheidet sich im Bundesländervergleich: Der Mittelwert für alle Wohngebäude liegt bei 16,8 Jahren, in Baden-Württemberg hingegen bei 14,3 Jahren.
Heizungen durchschnittlich fast 17 Jahre alt
Über alle Wohngebäude hinweg stellen Gas-Zentralheizungen nach Aufstellung des VEH deutschlandweit einen Anteil von 43,8 Prozent, Öl-Zentralheizungen kommen auf 24,4 Prozent, Wärmepumpen auf 5,4 Prozent Fernwärme auf 6,7 Prozent.

