Paukenschlag bei Bosch
: Chef Stefan Hartung tritt überraschend zurück

Konjunkturflaute, Stellenabbau, rote Zahlen: Bei Bosch drückt es gerade an allen Ecken und Enden. Mitten in der Krise verlässt nun Chef Stefan Hartung überraschend den Konzern. Wer folgt ihm nach?
Von
Thomas Veitinger
Stuttgart
Jetzt in der App anhören
Stefan Hartung

Der 60-Jährige Stefan Hartung legt zum 30. Juni auf eigenen Wunsch sein Mandat als Vorsitzender der Geschäftsführung nieder.

Bernd Weißbrod/dpa
  • Bosch-Chef Stefan Hartung tritt zum 30. Juni zurück – auf eigenen Wunsch.
  • Christian Fischer übernimmt zum 1. Juli 2026. Forschner und Heyn werden Stellvertreter.
  • Der Konzern schreibt erstmals seit 2009 wieder Verlust und steckt in einer Flaute.
  • Bis 2030 sollen in Deutschland über 20.000 Stellen wegfallen, vor allem in der Zuliefersparte.
  • Bosch rechnet dieses Jahr mit zwei bis fünf Prozent Umsatzplus und etwas mehr Gewinn.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Automobilbranche und ihre Zulieferer haben derzeit massive Probleme. Nun tritt Stefan Hartung als Bosch-Chef ab. Dies ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Robert Bosch GmbH in ihrer langen Unternehmensgeschichte seit 1886 insgesamt nur acht Vorsitzende der Geschäftsführung hatte. Hartung ist erst seit 2022 auf diesem Posten. Zu seinen Gründen heißt es: „Er will sich künftig neuen gesellschaftlichen und unternehmerischen Aufgaben außerhalb der Bosch-Gruppe widmen.“

Sein Nachfolger wird zum 1. Juli 2026 Christian Fischer. Markus Forschner und Markus Heyn werden zu stellvertretenden Vorsitzenden der Geschäftsführung ernannt, teilte das Unternehmen mit.

Wirtschaftliche Probleme

Bosch hat derzeit wirtschaftliche Probleme. Für das Geschäftsjahr 2025 hat Bosch einen Nettoverlust von rund 400 Millionen Euro ausgewiesen und schrieb das erste Mal seit dem Jahr 2009 Verluste. Allein in Deutschland sollen bis 2030 mehr als 20.000 Stellen wegfallen.

Bosch hatte den Vertrag von Hartung erst im vergangenen Herbst verlängert. Details wurden damals nicht genannt. Aber dem Vernehmen nach wurde eine Laufzeit bis 2031 vereinbart. Der gebürtige Dortmunder und frühere McKinsey-Manager hat seine Bosch-Karriere 2004 bei der Hausgeräte-Tochter BSH begonnen. Seit 2013 war Hartung Teil der Geschäftsführung.

Der neue Bosch-Chef Fischer verantwortete zuletzt die Konsumgütersparte – und war so etwas wie der Chefstratege der Gruppe. Die berufliche Karriere des 58-Jährigen startete einst bei den Schwaben als Trainee. Über Stationen bei der Unternehmensberatung Roland Berger, Walter Bau, Smartrac und wieder Roland Berger kam der promovierte Wirtschaftswissenschaftler 2018 zurück zu Bosch – direkt in die Geschäftsführung. Die Stellvertreter-Position teilen sich demnach in Zukunft zwei Manager: Finanzgeschäftsführer Markus Forscher und der Chef der Zuliefersparte, Markus Heyn.

Nach eigenen Angaben ist Bosch in vielen Bereichen mittlerweile nicht mehr wettbewerbsfähig. Um das Ruder herumzureißen, wird kräftig an Personal und Strukturen gespart. Allein in der Zuliefersparte Zulieferbereich will der Konzern in den kommenden Jahren bis zu 22.000 Stellen streichen. Abbaupläne gibt es aber auch in anderen Bereichen – unter anderem bei der Hausgerätetochter BSH und der Sparte für Elektrowerkzeuge.

Die Kosten für den beispiellosen Stellenabbau haben – neben den US-Zöllen und Steuereffekten – auch die Geschäftszahlen der Schwaben schwer belastet. Insgesamt schlugen die Programme mit 2,7 Milliarden Euro zu Buche, vor allem in Form von Rückstellungen. Bereits im Vorjahr hatte sich der Gewinn halbiert. Der Umsatz stieg 2025 nur leicht auf 91 Milliarden Euro. Damit lag das Unternehmen auch deutlich hinter den eigenen Erwartungen.

Wird 2026 für Bosch besser?

Für das laufende Jahr rechnete Bosch zuletzt – trotz der schwierigen Lage der Weltwirtschaft – mit etwas besseren Geschäften. Im ersten Quartal lag der Umsatz demnach etwa auf Vorjahresniveau. Für das Gesamtjahr peilte das Management ein Umsatzwachstum von zwei bis fünf Prozent an. Davon soll auch wieder mehr Gewinn übrigbleiben.