Schadstoffe in Trinkhalmen
: Verbraucherzentrale warnt: Trinkhalme aus Papier können potenziell krebserregende Stoffe enthalten

Wer bei Trinkhalmen auf Varianten aus Papier setzt, riskiert, dass mit dem Getränk auch Schadstoffe im Körper landen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt Alternativen.
Von
Julia Kling
Berlin
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Bestünde ein Halm nur aus Papier, würde er beim Trinken nicht dichthalten. Damit das nicht passiert, arbeiten die Hersteller mit Harzen - die allerdings zur Gesundheitsgefahr werden können.

© tashka2000/adobe.stock.com

Der Aperol Spritz nach der Arbeit oder die Limonade auf dem Kinderfest — gerade in der Sommerzeit schmeckt für viele hierzulande das Getränk besser, wenn ein Trinkhalm darin steckt. Seit die Strohhalme aus Plastik 2021 EU–weit verboten wurden, nutzen Gastronomen wie auch Privathaushalte für den Getränkegenuss meist Alternativen aus Glas, Metall, Bambus oder auch Papier. Bei letzteren hat nun die Verbraucherzentrale Nordrhein–Westfalen Bedenken angemeldet. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Papptrinkhalme Schadstoffe enthalten, ist groß“, schreiben die Verbraucherschützer auf ihrer Website.

Mehrere Studien weisen Stoffe nach

Ihre Einschätzung begründen die Verbraucherschützer mit den Ergebnissen mehrerer Studien. So wies etwa das Chemische Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUA) bei 6 von 13 untersuchten Trinkhalmen Werte für Chlorpropanole nach, die über dem Richtwert der Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) lagen. Die höchsten Werte enthielten demnach Trinkhalme, die in Asien gefertigt wurden.

Damit ein Papiertrinkhalm auch im Getränk stabil bleibt und nicht zerfasert, muss er nassfest ausgerüstet werden, schreiben die Experten des CVUA. „Sonst würde das Papier sich im Getränk mit der Zeit auflösen und die Cellulosefasern sich darin fein verteilen.“ Um das zu verhindern, werden bei der Herstellung des Papiers Epichlorhydrin–Harze zugesetzt. Dadurch gelangen dem CVUA zufolge die Chlorpropanole 1,3–DCP und 3–MCPD in das Papier und können bei längerer Benutzung auf die Lebensmittel übergehen.

Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung überschritten

Auch das Kantonale Untersuchungslabor St. Gallen stellte fest, dass 8 von 15 untersuchten Trinkhalmen Chloropropanole abgaben. „Eine gemeinsame Studie mehrerer europäischer Verbraucherverbände ergab ebenfalls, dass ein Teil der untersuchten Papptrinkhalme krebserzeugende Chlorpropanole in Mengen enthielt, die die Empfehlungen des Bundesinstitutes für Risikobewertung überschritten“, schreibt die Verbraucherzentrale Nordrhein–Westfalen.

A,3–DCP und 3–MCPD werden von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als „potenziell“ und „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Auch der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure Deutschland verweist darauf, dass beide ein gesundheitsschädigendes Potenzial aufweisen.

Nach Einschätzung der Verbraucherschützer sind Lebensmittelverpackungen aus Papier nicht streng genug geregelt und fielen in der Vergangenheit „immer wieder durch Belastungen mit Schadstoffen wie Chlorpropanolen, Mineralölen oder auch PFAS auf“.

Wer auf das Trinken durch ein Röhrchen nicht verzichten möchten, dem raten die Verbraucherschützer, besser zu spülbaren Trinkhalmen aus Glas oder Edelstahl zu greifen. In Lokalen empfehle es sich, bei der Bestellung anzugeben, keinen Pappstrohhalm im Getränk zu wollen. Damit tue man auch der Umwelt einen Gefallen. Denn Einwegprodukte sind laut der Verbraucherzentrale nie ressourcenschonend, auch nicht Varianten aus Papier.

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