Autofahren im Ausland
: Achtung! Tempolimits, Bußgelder und skurrile Regeln auf Urlaubsfahrten

In Tschechien liegt die Promillegrenze bei 0,0! Überall in Europa gelten andere Bestimmungen. Was bei offiziellen und ungeschriebenen Regeln wichtig ist – und welche skurrilen Besonderheiten es gibt.
Von
Caroline Strang
Berlin
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Wie gut sind Autofahrer für den Straßenverkehr gerüstet? Die EU will das alle paar Jahre überprüfen. Doch ist das sinnvoll?

ILLUSTRATION - Ein Mann erschreckt sich beim Autofahren. Vielleicht durch den Aufschrei des Beifahrers oder weil ein Assistenzsystem plötzlich lospiept. In solchen Situationen heißt es: Ruhe bewahren. Foto: Christin Klose/dpa-mag - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes dpa-Magazin +++ dpa-Magazin +++

Blinken ist nicht gleich Blinken: In vielen Ländern sind damit auch Grüße oder Warnungen verbunden. Eine Lichthupe kann schnell zu Ärger führen.

Christin Klose/dpa
  • Urlaubsfahrten im Auto: In Europa gelten teils stark abweichende Verkehrsregeln.
  • Promillegrenzen variieren, in Tschechien gilt 0,0, in Polen 0,2 – oft Kasse vor Ort.
  • Hohe Bußgelder in vielen Ländern, teils Beschlagnahmen und Haft bei schweren Verstößen.
  • Licht- und Hupsignale unterscheiden sich: Warnung, Gruß oder als unhöflich gewertet.
  • Skurriles: Tabakladen-Zahlung in Frankreich, „Blaulichtsteuer“ in Österreich, Uniformpflicht in UK.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wie schön ist so ein Autourlaub in Italien. Kofferraum vollpacken und dann geht's los, über den Brenner immer Richtung Süden. Was so schön ist, kann allerdings schnell teuer oder ärgerlich werden. Etwa, wenn man die Verkehrsbestimmungen in anderen Ländern nicht kennt – oder nicht beachtet. Zwar sind viele Verkehrsregeln universell, man denke beispielsweise an Vorfahrtsregelungen. Trotzdem lohnt es sich, vor einer Urlaubsfahrt noch einmal nachzulesen, was wo vorgeschrieben ist. In den meisten Ländern gilt übrigens eine Promillegrenze von 0,5 – außer man ist Fahranfänger oder fährt in Polen oder Tschechien.

Welche Tempolimits und Bußgelder gelten im Ausland?

(ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Gewähr)

  • Österreich Höchstgeschwindigkeit: 50 km/h (innerorts)/100 km/h außerorts/100 km/h (Schnellstraßen)/130 km/h (Autobahnen): Seit 2024 ist in Fällen besonders rücksichtsloser und gefährlicher Raserei die Beschlagnahme des Fahrzeugs möglich. Dies gilt bei Überschreitung der Geschwindigkeit um mehr als 60 km/h innerorts bzw. 70 km/h außerorts.
  • Italien (50/90/110/130): Es ist verboten, Abfälle oder Gegenstände aus einem fahrenden oder geparkten Fahrzeug zu werfen. Es können hohe Bußgelder verhängt werden. Allgemein sind die Strafen für Verkehrsdelikte erheblich höher als in Deutschland.
  • Frankreich (50/80/110/130): Geldbußen bis zu einer Höhe von 750 Euro können im Rahmen von Kontrollen direkt vor Ort erhoben werden. Je nach Höhe der Geschwindigkeitsüberschreitung können 135 bis 1500 Euro anfallen.
  • Belgien (50/70/120/120): Polizeibeamte können von ausländischen Fahrern an Ort und Stelle Strafen erheben. Ab 20 km/h zu schnell droht ein Bußgeld von 115 Euro oder mehr. Ab 30 km/h zu schnell sind es bis zu 4000 Euro.
  • Niederlande (50/80/100/100): Für Geschwindigkeitsüberschreitungen und Parkverstöße werden höhere Bußgelder erhoben als in Deutschland. Wer während der Fahrt unerlaubt telefoniert, zahlt 440 Euro, wer auf Autobahnen die erlaubte Höchstgeschwindigkeit um 20 km/h überschreitet, zahlt 229 Euro. Die Polizei kann bei Ausländern die Bezahlung an Ort und Stelle verlangen.
  • Schweiz (50/80/100/120): Schwere Verkehrsverstöße, Alkoholdelikte und Geschwindigkeitsüberschreitungen werden mit besonders hohen Bußgeldern und Strafen (Haftstrafe, Führerscheinentzug, Fahrzeugenteignung) geahndet. Von Ausländern wird das Bußgeld in der Regel an Ort und Stelle verlangt.
  • Kroatien (50/90/110/130): Wer eine rote Ampel überfährt oder die Promillegrenze überschreitet, zahlt mindestens 405 Euro, bei 20 km/h zu schnell werden innerorts 135 Euro fällig.
  • Dänemark (50/80/80/130): Bei Fahren unter Alkoholeinfluss berechnet sich das Bußgeld aus dem Netto-Monatsgehalt multipliziert mit dem gemessenen Alkoholwert im Blut und darf bis zu einem Monatsverdienst betragen. Auch Verstöße gegen Parkvorschriften werden mit hohem Bußgeld belegt. Wer unter anderem doppelt so schnell fährt wie erlaubt, dem droht die sofortige Beschlagnahmung des Fahrzeugs.
  • Polen (50/90/100/140): Bußgelder müssen von Ausländern sofort bezahlt werden. Bei einer Geschwindigkeitsübertretung von 20 km/h drohen umgerechnet 46 Euro. Die Promillegrenze liegt bei 0,2 Prozent. Wer darüber liegt, muss mit einer Strafe von mindestens 581 Euro rechnen.
  • Tschechien (50/90/110/130): Im Straßenverkehr herrscht absolutes Alkoholverbot. Bereits bei geringem Alkoholkonsum drohen in Tschechien Geldstrafen ab 280 Euro. Polizisten dürfen Bußgelder direkt kassieren, teilweise ist die Zahlung mit Bankkarte möglich.

Neben den offiziellen Regeln gibt es auch ungeschriebene Regeln und Bräuche beispielsweise beim Blinken umd Hupen, um vor Gefahren zu warnen, Dank auszudrücken, sich zu entschuldigen oder Vorfahrt zu beanspruchen. Wer die ignoriert, kann Schwierigkeiten bekommen. Das sehen auch viele Autofahrer so. Eine Studie des IT-Datenunternehmens carVertical ergab, dass 47 Prozent der Autofahrer ein mangelndes Verständnis der lokalen Verkehrskultur als einen Faktor identifizieren, der zu gefährlichen Situationen im Straßenverkehr führen kann, während 33 Prozent von ihnen angeben, dass dies manchmal zu riskanten Situationen führen kann.

Eigentlich kommunizieren Autofahrer in ganz Europa im Straßenverkehr mithilfe von Fernlicht, Warnblinker, Handzeichen und der Hupe, wie carVertical erklärt. Aber die Bedeutung der Signale variiert je nach Land. „Dasselbe Signal kann in einem Land als höflich gelten, in einem anderen hingegen als aggressive Geste.“

Blinken und Lichthupe als eigene Sprache

In Rumänien beispielsweise sei das Blinken fast schon eine eigene Sprache. Während Rumänen Lichter für übliche Warnungen oder als Aufforderung zum Ausweichen nutzten, könne Blinken auch als Gruß zwischen Kollegen dienen oder sogar Bewunderung ausdrücken. Gleichzeitig könne ein langes, aggressives Blinken als Ersatz für ein Schimpfwort dienen. In Großbritannien hingegen sei Blinken mit Fernlicht fast ausschließlich eine Geste der Höflichkeit und Zusammenarbeit.

„Das Blinken mit dem Fernlicht ist außerdem die universellste und am weitesten verbreitete ‚stille‘ Warnung vor Polizeikontrollen, Radarkameras, Unfällen oder Hindernissen auf der Straße“, erklärt Matas Buzelis, Experte für den Automobilmarkt bei carVertical. In Italien sei eine solche Warnung vor der Polizei jedoch gesetzlich streng verboten.

Ein weiteres in ganz Europa verbreitetes Signal ist die Hupe. In vielen Ländern werde die Hupe benutzt, um jemanden zu warnen oder anzutreiben. In ländlichen Gebieten Kroatiens, Rumäniens und Frankreichs könne ein kurzer „Tuuuut!“ jedoch einfach „Hallo, Nachbar!“ bedeuten. In Frankreich oder Portugal sei es völlig normal, bei der Ankunft am Haus eines Freundes zu hupen, anstatt zu klingeln. „Im Gegensatz dazu betrachten britische Autofahrer unnötiges Hupen im Allgemeinen als aggressiv und als Verstoß gegen die Fahretikette.“

Skurrile Regeln in Europa

In unseren Nachbarländern gibt es auch manche Regeln, die uns seltsam vorkommen. So kann man in Frankreich sein Parkknöllchen im Tabakladen bezahlen, wie der ADAC erklärt. Ab 1,5 Promille am Steuer drohen in Italien Geldstrafen bis 6000 Euro, manchmal sogar Haft. „Im schlimmsten Fall kann der Pkw beschlagnahmt und zwangsversteigert werden. Allerdings nur, wenn Eigentümer und Fahrer identisch sind“, so die Experten.

In Österreich muss man 36 Euro „Blaulichtsteuer“ bezahlen, wenn zwei Unfallparteien schon bei einem Sachschaden die Polizei rufen, obwohl sie ihre Daten problemlos hätten austauschen können. Wer in der Schweiz rast, kann ebenfalls ein Jahr in Haft kommen. In Großbritannien zählen Parkknöllchen nur, wenn der Kontrolleur korrekt angezogen ist: „Hoheitliche Parkkontrolleure müssen grundsätzlich eine Dienstuniform tragen.“