Für THG-Quote kassieren
: Geldgeschenk für E-Auto-Besitzer – jedes Jahr

Nicht alle Elektroautofahrer kennen die THG-Quote. Sollten sie aber, denn wer will nicht jährlich einfach so Geld einstreichen? Wie es funktioniert.
Von
Thomas Veitinger
Ulm
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E-Auto an Ladesäule: ARCHIV - 02.05.2022, Niedersachsen, Hannover: Ein Elektroauto lädt an einer neuen Ladesäule. (zu dpa: «Wie sich ein Fristende auf E-Ladesäulen auswirkt») Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Für das Geld durch die THG-Quote lässt sich einige Male das Auto aufladen.

Julian Stratenschulte/dpa
  • THG-Quote bringt E-Auto-Halter*innen jährlich Geld – Voraussetzung ist ein vollelektrisches Fahrzeug.
  • Mineralölfirmen müssen CO₂ senken und kaufen Zertifikate; E-Auto-Halter verkaufen Einsparungen.
  • Registrierung bei Dienstleister nötig, Nachweis per Fahrzeugschein; Plug-in-Hybride sind ausgeschlossen.
  • Prämienmodell variiert: fixe Garantiesummen oder variable Beträge, Provision wird abgezogen.
  • Vertrag prüfen: Laufzeiten und Kündigungsfristen beachten, nur eine Prämie pro Fahrzeug und Jahr.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Geld geschenkt bekommen ohne Gegenleistung – das klingt schwer nach Abzocke. Zwar werden keine Millionen eines arabischen Prinzen per E-Mail versprochen, sondern nur ein jährlicher, vielleicht dreistelliger Beitrag von einem schnöden Dienstleister – aber dieser ist wenigstens ziemlich sicher. Bedingung: der Besitz eines Elektrofahrzeugs.  

Die sogenannte Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) macht das seit 2022 möglich. Mit dem gesetzlich geregelten Instrument soll der Ausstoß von Treibhausgasen im Verkehr reduziert werden, erläutert die Verbraucherzentrale Bremen. Mineralölunternehmen sind dazu verpflichtet, ihren CO₂‑Ausstoß zu senken. Wenn sie dieses Ziel nicht erreichen, müssen sie sogenannte Zertifikate von Dritten kaufen, die ihrerseits CO2 einsparen.

Und da kommen unter anderem die Halter von reinen Elektrofahrzeugen ins Spiel. Diese können ihre eingesparten CO2-Emissionen an die Unternehmen verkaufen. Das gilt nur für vollelektrische Fahrzeuge, nicht für Plug-in-Hybride. Das Geld gibt es auch für E‑Lkw oder Motorräder, nicht aber für zulassungsfreie Kleinkrafträder und Leichtkrafträder.

Anzeige für THG-Quote auf Instagram

Mario K. wusste nichts von der THG-Quote. „Meine Freundin hat eine Anzeige auf Instagram gesehen“, sagt der neue Besitzer eines E-Autos, der seinen Namen nicht in den Medien lesen will. Über Google kam er auf ein Angebot des Energieunternehmens EnBW. „Wenn es 300 Euro im Jahr gibt, können wir damit deutlich mehr als 3000 Kilometer fahren“, freut sich Mario K.

Moralisch ist der Verkauf der Rechte für ihn okay. Der Bundestag hatte im April eine Steigerung der THG-Quote von derzeit zwölf Prozent auf 17,5 Prozent im kommenden Jahr beschlossen. Diese steigt jedes Jahr schrittweise bis auf zu 65 Prozent im Jahr 2040. Angerechnet werden „nachhaltige Biokraftstoffe, strombasierte Kraftstoffe auf Basis von grünem Wasserstoff und direkter Einsatz von Strom in Straßenfahrzeugen mit Elektroantrieb“.

Kompliziert ist die ganze Sache für E-Fahrzeugbesitzer nicht. Es ist eine Registrierung bei einem speziellen Dienstleister nötig, der die weitere Abwicklung übernimmt, erklärt die Verbraucherzentrale. Ein direkter Verkauf an Mineralölunternehmen ist nicht vorgesehen. Als Nachweis dient die Zulassungsbescheinigung Teil 1 (Fahrzeugschein) – die sich als Kopie beim jeweiligen Anbieter hochladen lässt. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Auto gekauft oder geleast ist, es muss nur auf den Namen des Antragstellers zugelassen sein.

Dienstleister verkauft Zertifikate

Die Anträge werden dann von den Dienstleistern gesammelt und beim Umweltbundesamt eingereicht. Dieses prüft und zertifiziert sie – wonach der Dienstleister die Zertifikate an die Kraftstoffunternehmen verkaufen kann. Abzüglich einer Provision erhalten die Halter schließlich ihre Prämie.

Der gesetzliche Stichtag ist in diesem Jahr der 15. November. Dienstleister setzen ihre eigene Frist früher an, damit ihnen Zeit für die Bearbeitung bleibt. Bremer Verbraucherschützer raten aber, sich ausreichend Zeit für Auswahl und Entscheidung des  Dienstleisters zu nehmen. Angebote und Geschäftsbedingungen sollten verglichen werden. Vergleichsportale helfen dabei. „Wir haben Vergleichsportale für die THG-Prämie getestet und empfehlen Verivox“, informiert Finanztip.

Viele Abwickler machten ihre Zusage zur Zahlung nur mit Einschränkungen. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) fehle oft eine Auszahlungsgarantie in Höhe der beworbenen Summe, so der ADAC. Dem ADAC zufolge gibt es sogar Abwickler, die sich das Recht vorbehalten, für die an sie übertragene THG-Quote kein Geld auszuzahlen, sollten sie keinen Abnehmer finden.

Wie lang ist die Laufzeit solch eines Vertrags? Manche gelten für ein Jahr, andere für zwei oder drei. „Wenn überhaupt, dann wird die Prämienhöhe in diesen Verträgen lediglich für das erste Jahr garantiert, anschließend behalten sich die Anbieter eine Veränderung vor“, formuliert es der Autoclub. Deshalb sollte die Kündigungsfrist im Auge behalten werden, falls sich beim aktuellen Vertragspartner eine Senkung der THG-Prämie anbahnt. Dann könnte man sich auf die Suche nach einem besseren Anbieter machen.

Wer sich das sparen will, kann auf einen einjährigen Vertrag zurückgreifen – einerseits spart das die Kündigung, andererseits ist die Suche nach einem neuen Anbieter fällig. Dennoch rät Finanztip zu Anbietern, die THG-Quoten nur für das aktuelle Jahr verkaufen, um stets das beste Angebot zu finden. Es gibt Anbieter mit Fixbetrag oder auch solche mit variablen Prämien, abhängig von Marktpreisen im Angebot. Finanztip rät zu fixen Prämien, die auch „Garantie“ genannt würden. Damit weiß man von Anfang an, wie viel Geld man bekommt.

Wichtig: Die Prämie lässt sich nur einmal im Jahr beantragen. Wird das Fahrzeug verkauft, kann die Prämie entweder nur vom alten oder vom neuen Besitzer beantragt werden.

Verfehlte Klimaziele

Im Verkehrssektor werden die Klimaziele in Deutschland bisher verfehlt. Während die Klimagase insgesamt seit 1990 stark gesunken sind, gibt es im Straßenverkehr kaum Fortschritte. Einzelne Fahrzeuge verbrauchen zwar weniger Sprit, aber vor allem der Güterverkehr wuchs. Nach Daten des Umweltbundesamts stieg der Anteil des Verkehrs an den Emissionen insgesamt von 13 Prozent im Jahr 1990 auf 22 Prozent 2023. dpa