Man braucht nicht groß Werbung auf bunte Taschen drucken oder Meterstäbe verteilen, wenn die gelben, hoch in die Luft ragenden Krane auf der Bauma sowieso fast vom ganzen Messegelände in München aus zu sehen sind. Auf der großen Baumesse präsentiert sich Liebherr in ganzer Größe: Zwei Fußballfelder voller Krane, Bagger und monströser Schaufeln warten darauf, von Besuchern bestaunt und im besten Fall auch gekauft zu werden.

Weißenhorn/Ehingen/München

Die Mobil- und Raupenkrane, die im Liebherr-Werk in Ehingen gebaut werden, nehmen etwa ein Viertel der Ausstellungsfläche ein. Mit dabei sind auch zwei Neuheiten: Der neue Acht-Achs-Mobilkran LTM 1650-8.1 und der Fünf-Achser LMT 110-5.1, unter anderem mit neuem Getriebe. Beide stehen auf der Messe nicht in Liebherr-Gelb, sondern in Schwarz – „sonst würden sie nicht auffallen“, sagt Tobias Ilg, Pressesprecher des Ehinger Werks. Gerade der Acht-Achser komme bei der Kundschaft „richtig gut an“, das lasse sich an den Auftragszahlen ablesen. Insgesamt habe das Ehinger Werk gegen Ende der Bauma rund 150 neue Aufträge in den Büchern stehen, berichtet Ilg.

Die Geschäftsführer des Ehinger Werks äußern sich ähnlich: „Es ist uns nicht langweilig, wir sind sehr zufrieden“, sagte etwa Geschäftsführer Mario Trunzer bei einem Termin mit Politikern aus der Region. Sowohl der Ehinger Oberbürgermeister Alexander Baumann als auch Alb-Donau-Landrat Heiner Scheffold und der CDU-Landtagsabgeordnete Manuel Hagel statteten Liebherr einen Besuch ab – und hörten, dass das Werk in Ehingen gut ausgelastet ist. „Wir sind aktuell bei etwas über 2000 Einheiten pro Jahr, wir sind an der Oberkante“, sagte Herbert Hummel, Geschäftsführer Produktion.

Auch eine neue geplante Niederlassung von Liebherr bei Ehingen, die sogenannte Service-Niederlassung Süd, war Thema beim Gespräch der Geschäftsführer mit den Politikern. Viel Neues gebe es dazu nicht zu sagen, sagte Trunzer. Liebherr habe einige Standorte näher im Auge, darunter sei auch weiter das Gelände in Ehingen-Berg. Dieses hatte Oberbürgermeister Alexander Baumann der Firma angeboten.

Wichtig ist ein Verbleib von Liebherr im Alb-Donau-Kreis

„Für mich ist es wichtig, dass es im Alb-Donau-Kreis bleibt – wenn es nicht Ehingen wird“, sagte Landrat Heiner Scheffold. Trunzer betonte, man wolle in der Nähe des Werks in Ehingen bleiben. „Mehr als eine halbe oder eine Stunde entfernt sollte die Niederlassung nicht sein.“

Nach dem Besuch bei Liebherr starteten Manuel Hagel, Heiner Scheffold und Alexander Baumann ihren Rundgang über die Messe und besuchten unter anderem noch die Ehinger Firmen Tries und Intexmo.

Nicht nur Ehingen, sondern auch Weißenhorn ist mit einer prominenten Firma auf der Bauma vertreten: Der Weißenhorner Schalungs- und Gerüsthersteller Peri hat eine komplette Halle auf dem Messegelände aufgebaut, Fläche: 4200 Quadratmeter. Darin zeigt die Firma zum Beispiel, wie Gerüste mithilfe von 3-D-Lasern auch in komplizierten Umgebungen wie einer Raffinerie geplant werden. Diese neue Technik kam auch schon beim Ulmer Münster in Einsatz: Das Gerüst im Inneren wurde mit 3-D-Lasern exakt geplant und dann aufgebaut, damit die Schäden am Deckengewölbe behoben werden können.

Großer Andrang in Peri-Halle

Viel Aufmerksamkeit zog in der Peri-Halle aber auch ein vergleichsweise kleiner Stand auf sich: Dort steht eine gewölbte Betonwand, gefüllt mit Dämmmaterial. Der Bildschirm daneben zeigt, wie sie entstand: Per 3-D-Druck. „Wir glauben daran, dass das Potential hat, und wollen dabei sein“, sagte Pressesprecher Markus Woehl auf der Messe. Peri erwarb kürzlich Anteile an der Firma Cobod, die den 3-D-Betondruck schon zur Marktreife gebracht und vor kurzem den weltweit größten 3-D-Betondrucker nach Saudi-Arabien verkauft hat. „Das ist eine Zukunftstechnologie, und das Interesse daran riesig“, sagte Woehl. Riesig war auch der Andrang in der Peri-Halle am Freitagmittag – und auch die ganze Woche über, berichtete Woehl. „Wir erwarten mehr Besuch als im Jahr 2016.“

Etwas weniger gedrängt geht es in den großen Messehallen zu, in denen verschiedenste internationale Hersteller Motoren, Reifen oder Bauteile präsentieren. Unter anderem der Ehinger Hydraulikelemente-Hersteller Tries, zu dessen Kunden unter anderem Liebherr, Fendt und Peri gehören. Tries habe in diesem Jahr Glück gehabt, sagte Steffen Schrode, der für Projektierung und Verkauf zuständig ist: kein Stand am Rand, sondern mittig und an einer Ecke. Tries verkauft auf der Messe nicht direkt – stattdessen nutzen die Mitarbeiter die Plattform, um sich mit Bestandskunden auszutauschen und Kontakte zu potentiellen Neukunden zu knüpfen. „Die Bauma ist unsere Hauptmesse“, sagte Schrode. Ein Schwerpunkt in diesem Jahr sind die Steuerblöcke. „In diesen Bereich haben wir viel investiert und den wollen wir aufbauen“.

Suche nach Fachkräften

„Sehr zufrieden“ ist auch Fabian Kohlbecker, Geschäftsführer der Firma Rampf Formen aus Allmendingen, die Formen für Betonsteine herstellt. Auf der Bauma stellt Rampf dem europäischen Markt eine neue Hightech-Form vor, die in den USA schon veröffentlicht worden ist: Mit dieser lassen sich strukturierte Betonsteine leichter herstellen als bisher. „Wir nutzen die Messe überwiegend zur Kontaktpflege“, erläuterte Kohlbecker, denn die Steinbranche sei relativ klein und eng vernetzt. So gut die Bauma für das Geschäft ist, eine Sorge plagt Kohlbecker: Er sucht händeringend nach Fachkräften für seine Firma. Doch diese oder Auszubildende für den Standort Allmendingen auf der Bauma zu finden – da sei die Chance sehr gering.

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Messe der Superlative


Bauma Die Bergbau- und Baumaschinenmesse findet alle drei Jahre statt. 2019 sind 3702 Aussteller auf einer Fläche von 614 000 Quadratmetern vertreten, etwa 600 000 Besucher werden erwartet.

Liebherr Die Firmengruppe knackt gleich mehrere Rekorde auf der Bauma: Liebherr nimmt die größte Ausstellungsfläche ein (14 400 Quadratmeter) und bringt am meisten Mitarbeiter mit nach München (1500). Das schwerste Exponat kommt ebenfalls von Liebherr: Der LR 1800 Raupenkran hat ein Gewicht von 1070 Tonnen. Schon am 30. Oktober hat der Messe-Aufbau begonnen.

Schluss Ohrenbetäubenden Lärm gibt es traditionell am Schluss: Mit dem „Abhupen“ aller Baumaschinen endet die Bauma am Sonntag um 16.15 Uhr.