100.000-Dollar-Marke geknackt
: Was hat es mit dem Bitcoin-Höhenflug auf sich?

Seit Donald Trump als nächster US-Präsident feststeht, eilt die Kryptowährung von einem Rekord zum nächsten. Ein Ende ist nicht abzusehen. Ein bekennender Krypto-Befürworter soll nun Chef der US-Börsenaufsicht werden.
Von
Sabine Rößing
Frankfurt/Main
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(FILES) This illustration photograph taken on November 22, 2024 in Istanbul shows a coin imitation of the Bitcoin cryptocurrency arranged beside a screen displaying a trading chart. Bitcoin burst past $100,000 for the first time December 5 as traders welcomed Donald Trump's pick to head the US securities commission, while Seoul stocks slipped as South Korea's president faced impeachment after his brief imposition of martial law this week. (Photo by Ozan KOSE / AFP)

Die älteste und bekannteste Digitalwährung kletterte in der Nacht zu Donnerstag stark nach oben und knackte ein Allzeithoch nach dem anderen. Zwischenzeitlich stand der Kurs bei 103.253 US-Dollar.

OZAN KOSE/AFP
  • Bitcoin erreicht erstmals über 100.000 US-Dollar, seit Trump als US-Präsident feststeht.
  • Kryptowährungen wie Ethereum und Ripple steigen ebenfalls.
  • SEC-Chef Gary Gensler tritt zurück; Paul Atkins als Nachfolger wahrscheinlich.
  • Verbraucherschützer warnen vor hohen Risiken und spekulativen Investitionen.
  • US-Regierung könnte staatliche Bitcoin-Reserve anlegen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

US-Experten hatten dem Bitcoin den aktuellen Rekord nach den Wahlen im November etwa zur Amtseinführung von Donald Trump im Januar vorhergesagt: Tatsächlich dauerte es nicht einmal einen Monat, bis die älteste und bekannteste Kryptowährung am Donnerstag an den Finanzmärkten erstmals mehr als 100.000 US-Dollar kostete – gut 16 Jahre nach seiner Gründung. Die Kryptobranche gilt bislang als großer Gewinner des Wahlausgangs in den USA. Der designierte US-Präsident Donald Trump hatte der Branche im Wahlkampf Hoffnungen auf kryptofreundliche Rahmenbedingungen gemacht. Er versprach, die USA zum Hotspot für digitale Währungen machen. Anleger scheinen ihn beim Wort nehmen zu wollen.

Anfang November hatte ein Bitcoin noch knapp 68.000 Dollar gekostet. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als verdoppelt, die Marktkapitalisierung liegt bei mehr als zwei Billionen Dollar. Im Ranking der wertvollsten Assets erreicht er aktuell den siebten Rang – dicht hinter der Google-Dachgesellschaft Alphabet.

Satt aufwärts geht es derweil nicht nur für die Nummer eins: Auch die sogenannten ‚alternative Coins‘ wie Ethereum, Ripple (XRP) und Litecoin sind begehrt. Vor allem die Kryptowährung XRP habe mit enormen Kursgewinnen auf sich aufmerksam gemacht, erklärt die DZ Bank. Hintergrund seien unter anderem Spekulationen über die Beilegung eines jahrelangen Rechtsstreits mit der US-Börsenaufsicht SEC.

Hardliner kündigt seinen Rücktritt an

Investoren hoffen darauf, dass die Trump-Regierung einen pragmatischen, aber auch klareren Rechtsrahmen für Kryptowerte schafft, was die Anlage auch für breitere Anlegergruppen erleichtern würde. Geholfen hat dem Bitcoin vermutlich auch, dass der wegen seines harten Kurses in der Kryptogemeinde unbeliebte SEC-Chef Gary Gensler seinen Rücktritt angekündigt hat. Gensler hatte während seiner Amtszeit zahlreiche Verfahren gegen Kryptounternehmen eingeleitet. Als Nachfolger wird Paul Atkins gehandelt, der dem Thema erklärtermaßen positiver gegenübersteht.

Der Startschuss für den aktuellen Lauf des Kryptogeldes fiel nach Einschätzung von Ulli Spankowski, Digitalchef der Börse Stuttgart, allerdings bereits mit der Genehmigung von Bitcoin-Spot-ETFs in den USA zu Beginn des Jahres. Damit ist die Kryptowährung für US-Anleger und institutionelle Investoren leichter handelbar. Die Hürde, das Kryptogeld selbst kaufen und digital verwahren zu müssen, entfällt. Allerdings gilt diese Erlaubnis bislang nur für Bitcoin und Ether als ETFs. Sollte Atkins tatsächlich SEC-Chef werden, gilt es als wahrscheinlich, dass weitere Krypto-ETFs zugelassen werden. Die wachsende Beteiligung institutioneller Anleger stärke die Akzeptanz, sagt Spankowski.

Kommt eine staatliche Bitcoin-Reserve in den USA?

Einige US-Anleger erwarten außerdem, dass die neue US-Regierung eine Art staatliche Bitcoin-Reserve anlegen wird. Die republikanische Senatorin Cynthia Lumis aus dem Bundesstaat Wyoming hatte vorgeschlagen, im Zeitraum von fünf Jahren insgesamt eine Million Bitcoin anzukaufen und für mindestens 20 Jahre zu halten. Weil die Höchstmenge der Bitcoins auf 21 Millionen Stück begrenzt ist, wären das knapp 4,8 Prozent der Bitcoin-Gesamtbestände.

Darüber hinaus ist es US-Anlegern inzwischen auch möglich, Bitcoin-Optionen zu handeln, also auf den weiteren Kursverlauf zu wetten. Damit können sie sich beim Einstieg in den Bitcoin gegen fallende Kurse absichern. Der Handelsstart von Bitcoin-Optionen habe mit fast zwei Milliarden US-Dollar an gehandeltem Volumen am ersten Tag für weiteren Aufwind gesorgt, sagt Spankowski.

Verbraucherschützer warnen vor Kryptofieber

Bei aller Euphorie warnen Verbraucherschützer davor, sich vom Kryptofieber anstecken zu lassen. Die künftige Rolle und Entwicklung von Kryptowährungen könne niemand seriös vorhersagen, betont die Verbraucherzentrale. Krypto-Investments gelten wegen der immensen Kursausschläge als hoch spekulativ. Der Markt brauche auch Pausen zur Stabilisierung, sagt Spankowski. Nach großen Gewinnen seien Rücksetzer typisch, bevor sich ein nachhaltiger Trend zeige.

„Es gibt keine Garantie, dass Du Deine Bitcoins in Zukunft mit Gewinn verkaufen kannst“, warnt das Verbraucherportal Finanztip. Wer Bitcoin kaufen wolle, solle nur Geld verwenden, auf das zur Not verzichtet werden könne. Überdies solle das Investment nicht mehr als maximal zehn Prozent der gesamten Geldanlage ausmachen.

Zwielichtige Einsatzgebiete

Kryptowährungen sorgen seit ihrer Entstehung im Jahr 2008 für Schlagzeilen - vor allem auch wegen der Anwendungsbereiche, in denen sie tatsächlich als Währung fungieren, etwa für nicht zurückverfolgbare Zahlungen bei kriminellen Aktivitäten, von Geldwäsche bis zu Kaufabwicklungen im Darknet. Auch etwa für Lösegeldzahlungen bei Erpressung durch Ransomware-Angriffe wird gerne Bitcoin genutzt. afp