Knorr, Milka, Dr. Oetker
: Lebensmittel-Mogelpackungen – weniger drin, dafür teurer?

Aufdrucke auf Lebensmitteln zu mehr Inhalt oder sinkenden Preisen täuschen manchmal. Welche aktuellen Beispiele es gibt und wie man versteckte Preiserhöhungen selbst entdeckt.
Von
Caroline Strang
Ulm
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Einkauf im Supermarkt: ILLUSTRATION - Mogelpackungen auf der Spur: Wer Grundpreise miteinander vergleicht, kann Täuschungen entlarven. (zu dpa: «Schützt vor Mogelpackungen: Grundpreise vergleichen») Foto: Benjamin Nolte/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

Wer Grundpreise vergleicht, kann Täuschungen entlarven.

Benjamin Nolte/dpa
  • Verbraucherzentralen entdecken viele Mogelpackungen bei Marken wie Knorr und Milka.
  • Produkte wie Knorr Spaghetteria und Tassimo Milka haben mehr Inhalt, aber höhere Preise.
  • Verbraucher sollten Grundpreise vergleichen und sich nicht von Werbeversprechen täuschen lassen.
  • Einige Länder wie Frankreich kennzeichnen solche Produkte im Handel.
  • Stiftung Warentest führt ebenfalls eine Liste dieser Produkte.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Mehr Inhalt, mehr Geschmack“ klingt erstmal gut. Aufgedruckt auf der Packung Fertignudeln verlockt es zum Kauf. Wenn jedoch der Preis im Vergleich zum Inhalt und dem Geschmack noch viel mehr zugenommen hat, wirkt der Werbespruch schal. Viele Hersteller zeigen solche Änderungen transparent auf, andere nutzen Kniffe, um Preiserhöhungen oder reduzierten Inhalt zu verschleiern. Der Handel hat zwar gerade erst umfassende Preissenkungen verkündet, aber diese Mogel-Praktik kann die Verbraucher richtig viel Geld kosten.

Dabei sind Preiserhöhungen gesetzlich natürlich nicht verboten, es gilt Vertragsfreiheit. Der Gesetzgeber hat aber durchaus etwas gegen Mogelpackungen. „Was im rechtlichen Sinne darunter fällt, ist allerdings oft schwierig festzustellen und muss im Einzelfall geklärt werden“, erklärt Lebensmittelexperte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Das kann durchaus auch vor Gericht gehen, wie im Fall von Sanella. In Frankreich müssen Lebensmitteleinzelhändler seit Juli vergangenen Jahres entsprechende Produkte durch einen Hinweis am Regal kennzeichnen, das würden auch die Verbraucherschützer hierzulande befürworten.

Solange das nicht so ist, führt die Verbraucherzentrale eine Liste von solchen Mogelpackungen. Die verdächtigen Produkte können dort von Verbrauchern gemeldet werden. Ein Produkt, das Verbrauchern und Verbraucherschützern aktuell aufgefallen ist, ist „Knorr Spaghetteria“ – und das gleich in mehreren Ausführungen. Hersteller Unilever wirbt auf den Packungen seiner Nudel-Fertiggerichte mit den Worten „Jetzt mehr drin. Mehr Geschmack“. Teilweise stimmt das laut Valet sogar. So enthält beispielsweise die Variante Pasta Carbonara nun 172 statt 155 Gramm, als rund   11 Prozent mehr Inhalt.

Nudeln sind 30 Prozent teurer

„Doch gleichzeitig stieg der Preis im Handel von 1,39 Euro auf 1,99 Euro. Die Nudeln sind nun knapp 30 Prozent teurer“, erklärt Valet. Bei anderen Produkten der Marke sehe es ähnlich aus. Auch die Aufschrift „Mehr Geschmack“ will der Verbraucherschützer nicht gelten lassen, denn laut Zutatenliste sei bei vielen Sorten der Anteil wichtiger Inhaltsstoffe reduziert worden.

Bei Unilever nachgefragt, erklärt der Hersteller gegenüber der Verbraucherzentrale, die Erhöhung der Preisempfehlung sei analog zur Steigerung der Menge erfolgt – um 11 Prozent. Da haben die Verbraucherschützer etwas anderes ausgerechnet. Wie es zu der Differenz kommt, wird nicht klar. Mit der Kennzeichnung „mehr Geschmack“ weise das Unternehmen auf den intensiveren Geschmack von Produkten hin, „deren Zubereitung wir bei nun mehr Inhalt mit unveränderter Wasserzugabe empfehlen“, erklärt ein Unilever-Sprecher weiter.

Zwei Extra-Tassen verspricht der Hersteller JDE (Jacobs Douwe Egberts) bei seiner Kakaozubereitung „Tassimo Milka“. Waren vorher nur acht Kapseln in einer Packung, sind es nun zehn, womit außen deutlich geworben wird. Aber: Die Gesamtfüllmenge sinkt von 240 Gramm (8×30 Gramm) auf 160 Gramm (10×16 Gramm). Das bedeutet schlicht: weniger Pulver zum gleichen Preis. „Umgerechnet entspricht das einer Preiserhöhung von 50 Prozent – bezogen auf das Gewicht des Produkts“, sagt Valet. Auch die Tafeln Milka-Schokolade sind Anfang des Jahres kleiner geworden.

Die Tricks der Hersteller

  • Neue Sorten haben weniger Inhalt, kosten aber mindestens gleich viel
  • Verpackungsgröße und Preis bleiben, aber der Inhalt schrumpft
  • Neuer Look oder neuer Name für das Produkt sorgen oft für höhere Grundpreise
  • Produkte werden als Premiumqualität beworben und teurer verkauft, obwohl sie sich von der Normalqualität kaum unterscheiden
  • Light-Produkte haben teils weniger Inhalt zum gleichen Preis
  • Vegane Versionen sind häufig teurer

Positiv bewertet Valet, dass der Zuckergehalt von Tassimo gesenkt wurde und anteilig etwas mehr Kakao enthalten ist. Er kritisiert allerdings den Einsatz „umstrittener Süßstoffe wie Acesulfam (E 950) und Sucralose (E 955)“, die nur im Kleingedruckten als E-Nummer angegeben seien. Das schmecke nicht allen. Das Fazit der Verbraucherschützer: „Der Geschmack des neuen Produkts mit weniger Inhalt wird von vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern als schlechter bewertet“.

Gestiegene Rohstoffpreise als Argument

Auch Stiftung Warentest führt eine Liste mit Mogelpackungen. Unter anderen ist darauf das „Dr. Oetker Vitalis Müsli“ vertreten. Eine Verbraucherin hatte an die Experten geschrieben, dass sie beim Einkauf ziemlich erschrocken sei, weil die Packung so dünn war. „Ich dachte, ich hätte die falsche Sorte erwischt. Inhalt vorher 600 Gramm, jetzt 500 Gramm, macht 20 Prozent versteckte Preis­erhöhung“, schrieb sie an Stiftung Warentest. Die fragte beim Hersteller nach, der die reduzierte Füll­menge mit gestiegenen Kakao- und Schokoladepreisen rechtfertigte. Und darauf verwies, dass darauf auf der Packung hingewiesen werde – mit dem Satz „Weniger Inhalt, unver­änderte Qualität“.

Valet rät grundsätzlich, sich nicht von Werbeversprechen auf der Vorderseite von Lebensmittelpackungen blenden zu lassen: „Entscheidend ist, was wirklich drin steckt“. Denn oft werden mehr Portionen durch geänderte Rezepturen oder andere Zubereitungsempfehlungen herbeigeführt. „Hier lohnt sich ein Vergleich zum Vorgängerprodukt besonders“, sagt Valet. Auch wenn ein Vergleich teilweise schwierig ist, vor allem wenn sich Packungsgrößen und Inhalt geändert haben, hilft es, auf den Grundpreis zu achten. Dieser steht im Normalfall auf dem Preisschild am Regal und ist beispielsweise als Preis pro 100 Gramm ausgewiesen.