Kerosinknappheit im Sommer
: Was Fluggesellschaften und Reisende erwartet

Wer im Sommer mit dem Flugzeug reisen will, muss sich wegen der Kerosinknappheit auf höhere Preise oder sogar Ausfälle einstellen. Was Reisende wissen müssen.
Von
AFP - Fremdkollektion
Brüssel
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Flughafen Frankfurt: 07.05.2026, Hessen, Frankfurt/Main: Winzig klein wirkt ein Ramp-Agent der Lufthansa neben einer startbereiten Boeing 747 auf dem Flughafen Frankfurt. Die ständig schwankenden Treibstoffpreise wirken sich mittelbar auch auf die Preise für Flugreisen aus. Foto: Boris Roessler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Einige Flugzeuge werden wohl am Boden bleiben.

Boris Roessler/dpa
  • Kerosin verteuert Flüge im Sommer, Ausfälle sind möglich – die EU beobachtet die Lage.
  • Laut Brüssel gibt es aktuell keine Engpässe, doch die Kommission richtet eine Kontrollstelle ein.
  • Maßnahmen: flexible Betankung, gelockerte Slot-Regeln und mögliche Freigabe von Notvorräten.
  • EASA öffnet den Weg für US-Treibstoff Jet A, warnt jedoch vor betrieblichen Risiken.
  • Für Reisende steigen Ticketpreise; nachträgliche Erhöhungen sind streng geregelt, Pauschalen ausgenommen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus haben die Preise für Kerosin stark ansteigen lassen. Der EU-Kommission zufolge gibt es derzeit zwar keine Engpässe, dennoch bereitet die Behörde sich auf alle Szenarien vor. Europäische Verbraucherinnen und Verbraucher sorgen sich unterdessen um ihre Urlaubsflüge im Sommer. Ein Überblick über die aktuelle Situation, die Maßnahmen der EU und die Rechte der Fluggäste:

Wie ist der Stand der Kerosinvorräte in Europa?

Brüssel betont immer wieder: Es gibt keine Kerosinknappheit in Europa. Luftverkehrsexperte Matteo Mirolo sagte der Nachrichtenagentur AFP, es handele sich in diesem Stadium eher um „ein wirtschaftliches Problem, ein Problem der Treibstoffkosten, als der Verfügbarkeit“.

Brüssel bereitet sich jedoch für den Fall vor, dass die Krise anhält. Noch gebe es keine Versorgungsprobleme, „aber es kann dazu kommen“, sagte Energiekommissar Dan Jörgensen.

In der vergangenen Woche kündigte die Kommission die Schaffung einer Kerosin-Kontrollstelle an, um die Lage besser zu überwachen. Bislang hatte die EU keinen detaillierten Überblick über die Reserven der 27 Mitgliedstaaten. Die europäische Gesetzgebung schreibt zwar strategische Vorräte an Erdölprodukten vor, ohne jedoch etwa zwischen Benzin, Diesel oder Kerosin zu unterscheiden.

Welche Maßnahmen unternimmt die EU?

Die Kommission hat am Freitag Maßnahmen präsentiert, die eine optimale Nutzung von Kerosin und einen möglichst niedrigen Preis sicherstellen sollen. Die Behörde erläutert darin etwa Flexibilität beim Betanken, wenn Fluggesellschaften mit mehr Treibstoff an Bord fliegen, als nötig wäre. So können sie vermeiden, an einem anderen Flughafen teureres Kerosin nachkaufen zu müssen.

Vorgesehen sind auch Lockerungen bei der Zuteilung von Start- und Landefenstern. So soll verhindert werden, dass Fluggesellschaften, die aufgrund der Kerosinkosten auf einen sogenannten Slot verzichten, künftig benachteiligt werden. Sollte die Krise anhalten, zieht die EU Absprachen zwischen den 27 Mitgliedstaaten in Betracht, um Notvorräte freizugeben und einen freiwilligen Kerosintransfer untereinander zu organisieren.

Ist Kerosin aus den USA eine Lösung?

Das Kerosin vom Typ Jet A aus den USA, das sich vom im Rest der Welt vertriebenen Jet A-1 unterscheidet, wird in Europa derzeit nur bei Flügen genutzt, die aus den USA zurückkehren. Die Standards für Jet A sind weniger anspruchsvoll als die europäischen, insbesondere was die Widerstandsfähigkeit gegenüber sehr niedrigen Temperaturen bei Langstreckenflügen betrifft.

Doch einige Fluggesellschaften dringen darauf, den Treibstoff bereits in diesem Sommer in größerem Umfang verwenden zu können. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) ebnete am Freitag den Weg dafür, verwies aber auf potenzielle betriebliche Risiken, „falls beide Treibstoffe gleichzeitig verwendet werden“.

Langfristig verweist Brüssel zudem auf die Entwicklung von Flugtreibstoffen nicht-fossilen Ursprungs (SAF). „Die Krise sollte die Staaten dazu bewegen, in alternative SAF-Treibstoffe in der zivilen und militärischen Luftfahrt zu investieren, nicht nur aus Klimagründen, sondern auch aus Gründen der Energiesouveränität“, plädiert der Experte Matteo Mirolo.

Was bedeutet das für Fluggäste?

Die hohen Kerosinpreise schlagen sich auch in den Preisen für Flugtickets nieder. Für Menschen, die ihre Reise bereits gebucht haben, gibt es allerdings strenge Vorgaben, was eine nachträgliche Preiserhöhung angeht.

Grundsätzlich sind nachträgliche Preisänderungen für Flugtickets nach EU-Recht ausgeschlossen. Entsprechende Klauseln sind in der Regel ungültig, es sei denn, sie werden „zu Beginn jedes Buchungsvorgangs klar, transparent und unmissverständlich mitgeteilt“ und die Kunden stimmen ihnen ausdrücklich zu.

Anbieter von Pauschalreisen können ihre Preise im Nachhinein erhöhen, wenn dies im Vertrag vorgesehen ist und die Erhöhung eine unmittelbare Folge höherer Beförderungskosten durch Energiepreise ist. Ab einer Preiserhöhung von mehr als acht Prozent darf der Kunde den Vertrag kündigen. Gibt es eine solche Preiserhöhungsklausel, dürfen Reisende im Falle sinkender Treibstoffpreise auch Preissenkungen verlangen.

Jede Preiserhöhung muss bis spätestens 20 Tage vor Reisebeginn klar und verständlich kommuniziert werden, mit einer Begründung für diese Erhöhung.

Sollte ein Flug wegen Treibstoffknappheit ausfallen, müssen die Fluggesellschaften den Reisenden zwar den Flugpreis zurückzahlen, jedoch wegen der „außergewöhnlichen Umstände“ keine Entschädigung.