Jetzt auch Super E10 über 2 Euro: Spritpreise steigen immer weiter – Regierung warnt Ölkonzerne

Eine Tankstelle in Duisburg: Die Preise für Benzin und Diesel sind deutlich gestiegen.
Christoph Reichwein/dpa- Regierung lässt Preissprünge bei Sprit durch Kartellamt prüfen
- Reiche: Verdacht auf Ausnutzung der Iran-Kriegs-Lage an Märkten
- Klingbeil droht Ölkonzernen: Keine Abzocke, Politik muss handeln
- SPD fordert Prüfungen, mögliche Entlastungen für Verbraucher
- Bundestag richtet Taskforce zu Sprit- und Energiepreisen ein
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Spritpreise steigen immer weiter: Einen Tag nach Dieselkraftstoff hat auch die günstigste gängige Benzinsorte Super E10 die Marke von zwei Euro pro Liter im bundesweiten Durchschnittspreis überschritten. In der Preisspitze am Morgen kostete sie 2,003 Euro, wie der ADAC mitteilte. Noch am Mittwoch war sie mit 1,995 Euro am Morgen knapp darunter geblieben.
Auch Diesel verteuert sich weiter: Am Morgen erreichte der Kraftstoff im bundesweiten Durchschnitt 2,086. Am Mittwoch waren es noch 2,054 Euro. Diesel ist normalerweise billiger als E10, weil er deutlich niedriger besteuert wird.
Diesel krisenanfälliger
Dass Diesel zurzeit teurer als Benzin ist, liegt laut Experten daran, dass sein Preis typischerweise krisenanfälliger ist - auch weil er unter anderem als Ersatz für Gas verwendet wird und für die Industrie eine größere Rolle spielt.
Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Mittwochs - er ist für längerfristige Vergleiche aussagekräftiger, weil er die oft starken Schwankungen im Tagesverlauf ausgleicht - hatte ein Liter Diesel 2,005 Euro gekostet - 25,9 Cent mehr als am Freitag vor Ausbruch des Krieges. E10 kostete am Dienstag im Tagesschnitt 1,935 Euro pro Liter - 15,7 Cent mehr als am Freitag.
Diesel hatte die Marke von 2 Euro am Mittwoch bereits in der morgendlichen Preisspitze vorübergehend überschritten, anders als an normalen Tagen gab es danach aber keinen starken Preisrückgang im Tagesverlauf.
Reiche schaltet Kartellamt ein
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat eine kartellrechtliche Prüfung der Preissprünge an den deutschen Tankstellen infolge des Iran-Kriegs angekündigt. „Wir werden prüfen, dass nicht eine Situation ausgenutzt wird, die sich an den Märkten abbildet, aber nicht in dieser Höhe“, sagte Reiche im Podcast von „Table.Briefings“. Darüber sei sie mit dem Bundeskartellamt im intensiven Austausch.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil drohte Mineralölkonzernen mit Konsequenzen, sollten sie versuchen, aus dem Iran-Krieg und der aktuellen Lage Kapital zu schlagen. „Also es darf da jetzt keine Abzocke geben und da muss Politik natürlich auch handeln und muss da klar und konsequent vorgehen“, sagte der SPD-Chef in der Sendung „ZDF spezial“. Aus diesem Grund habe er Wirtschaftsministerin Reiche gebeten, sehr schnell zu prüfen, was man in solchen Fällen tun könne.
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf hat das Bundeskartellamt ebenfalls aufgefordert, die Preissteigerungen bei Gas, Öl und Benzin infolge des Iran-Kriegs zu prüfen. „Es darf nicht sein, dass sich Mineralölkonzerne angesichts der dramatischen Lage im Iran nun auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher bereichern“, sagte Klüssendorf den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Das Bundeskartellamt muss hier endlich genau hinschauen und wenn sich kartellrechtliche Verstöße zeigen, entschlossen einschreiten.“
SPD fordert Entlastungen
Zugleich appellierte Klüssendorf an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), auch Entlastungen für die Bürger zu prüfen. „Es dürfen nun nicht wieder größere Belastungen entstehen, die die bisherigen Erfolge untergraben“, sagte der SPD-Politiker.
Von Reiche erwarte er, dass sie „die Entwicklungen der Energieversorgung sowie der preislichen Entwicklung genau im Blick hat und bereit ist zu handeln, wenn es notwendig wird“. Der Iran-Krieg hat zu steigenden Preisen für Öl, Gas und Benzin geführt.
Die Koalitionsfraktionen im Bundestag haben sich bereits auf die Einsetzung einer Arbeitsgruppe verständigt, die die steigenden Preise für Sprit und Energie unter die Lupe nehmen soll. Ziel der Taskforce soll es sein, im engen Austausch mit der Regierung die Entwicklung zu analysieren und Handlungsmöglichkeiten zu prüfen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Fraktionskreisen erfuhr.
So hoch wie 2022
Dass E10 oder Diesel im Tagesdurchschnitt mehr als zwei Euro kosteten, war zuletzt 2022 der Fall. Die steigenden Spritpreise sorgen inzwischen auch für eine Diskussion um eine mögliche Spritpreisbremse. 2022 hatte der Staat die Steuern auf Diesel und Benzin von Juni bis August deutlich gesenkt, um die Autofahrer angesichts der hohen Preise zu entlasten. Damals hatte es teilweise deutliche Kritik gegeben, dass die Erleichterung die Verbraucher nur teilweise erreicht habe.
Hintergrund der hohen Preise ist der Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus vor der Küste des Landes. Sie spielt für Öl- und Gaslieferungen eine wichtige Rolle. Seit der Eskalation am Samstag sind auch Rohöl und Gas deutlich teurer geworden.



