Hohe Spritpreise: Social-Media-Nutzer reagieren mit Wut und kreativen Gegenmaßnahmen

User in den Sozialen Medien reagieren mit Wut und Frust auf die gestiegenen Benzinpreise. Sowohl Benzin als auch Diesel hatten sich nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran um 8-12 Prozent verteuert.
Jens Büttner/dpa; Montage: swp- Social-Media-User reagieren wütend auf um 8–12 % gestiegene Spritpreise.
- Gründe: Angriff der USA und Israels auf den Iran; Vorwurf „Abzocke“ an Ölkonzerne.
- Kritik: Preise steigen sofort, fallen aber erst nach Wochen; Hinweis auf 90-Tage-Ölvorrat.
- Forderungen: Steuern senken, Kartellamt einschalten, Russland-Sanktionen aufheben.
- Alternativen: Preisdeckel wie in Slowenien, seltener ändern wie in Österreich, ÖPNV/E-Auto/Fahrrad.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Wort „Abzocke“ findet sich mit Abstand am häufigsten in den Kommentaren unter Artikeln über die gestiegenen Spritpreise. Nahezu jedem ist klar, dass der Krieg im Iran Schuld ist – aber wen genau kann man nun in die Pflicht nehmen?
Ein User macht die Geldgier der Produzenten und Mineralölunternehmen verantwortlich und beklagt auf Instagram die „widerliche Abzocke der Ölmultis“. Ein anderer sieht den amerikanischen Präsidenten als Schuldigen und kommentiert: „Danke Trump“.
Für 1,67 Euro pro Liter vollgetankt
Einige freuen sich noch, dass sie erst kürzlich günstig getankt haben: „Zum Glück habe ich noch für 1,69 Euro getankt.“ Ebenso wie dieser User, der es sogar noch besser traf: „Hab am Samstagvormittag für 1,67 vollgetankt. Das reicht ne Weile, hoffentlich ist es in ein paar Wochen wieder bezahlbar.“
Für Unverständnis sorgt vor allem der Umstand, dass die Preiserhöhung so schnell ging – schon am Tag des Angriffs der USA und Israels auf den Iran zogen die Preise an. Nicht nur die für unverarbeitetes Rohöl, sondern auch die für Heizöl, Benzin und Diesel. Dabei dauert es in der Regel mehrere Wochen, bis das Öl von der Quelle an die Zapfsäule kommt: Es muss nach der Förderung aufwändig über Pipelines oder Schiffe transportiert, dann verarbeitet und schließlich weitertransportiert werden. Deutschland ist übrigens gesetzlich dazu verpflichtet, einen Notvorrat an Öl und Benzin für 90 Tage vorzuhalten.
Umso verwunderter sind viele User über den schnellen Preisanstieg, so wie diese Userin auf Facebook: „Man liefert das Benzin doch nicht direkt von der Pipeline an, das wird doch bestimmt irgendwo zwischengespeichert, somit ist das alles nur Geldmacherei.“ Auch dieser Kommentarschreiber fragt nach dem Warum: „Bei Preissenkungen dauert es immer Wochen, bis der teure Sprit leerverkauft ist, bevor der billige kommt. Bei Erhöhungen geht das sofort.“
Dem entgegnet ein anderer Facebook-User, dass so halt der Markt funktioniere: „Wenn absehbar ist, dass jetzt viel weniger nachkommt, warum sollten die ihr knappes Gut verschleudern.“
User fürchten Wirtschaftskrise durch Iran-Krieg
Mit Sorge schaut so mancher nicht nur aufs eigene Konto, sondern fürchtet weitreichendere Folgen. Die momentan hohen Benzinpreise seien, „Beutelschneiderei, welche schnell in einer Wirtschaftskrise enden kann“, meint etwa ein User.
Nicht jeder steigt so tief in die Analyse des Marktes ein, einige wollen einfach nur ihren Frust loswerden. „Nicht nur Benzin es wird alles teuer. Lebensmittel und so weiter“, kommentiert einer. Und eine andere Userin seufzt: „Es macht alles echt keinen Spaß mehr, als Single und Alleinverdiener erst recht nicht.“
Forderung nach Steuersenkung
Nicht wenige User schimpfen auch auf die Politik und den Staat. Denn der verdient durch Steuern ordentlich mit, wenn der Benzinpreis steigt. Dies rechnet ein User vor, der gleich noch einen Lösungsvorschlag für die Misere mitliefert: „Aktuell dürften etwa 1,25 Euro Steuern und Abgaben je Liter anfallen. Weg mit der CO₂-Besteuerung, der Energiesteuer und als rotzfreche Doppelbesteuerung die 19 Prozent Mehrwertsteuer oben drauf!“
Während er mit seiner Forderung nach weniger Steuern durchaus Gleichgesinnte findet, ist sein zweiter Lösungsweg eher umstritten: „Dann sofort weg mit den Russlandsanktionen sowie alle Gas- und Ölpipelines aus Russland sofort voll nutzen.“ Russland ist seit seinem Angriffskrieg auf die Ukraine vor vier Jahren mit zahlreichen Sanktionen belegt. Deutschland reduzierte in dieser Zeit seinen direkten Öl-Anteil aus dem Land von 35 Prozent auf nahezu null Prozent, auch andere Länder drosselten den Import.
Seltenere Preisänderungen an den Tankstellen?
Andere Leser haben weitere Ideen, um den Spritpreis rasch wieder zu senken. Gerade die Forderung nach Steuersenkungen taucht öfter auf, eine Userin fordert, das Bundeskartellamt einzuschalten. Manch einer schaut auf andere Länder in der EU und stellt fest, dass der Preisaufschlag dort deutlich geringer ist. Das könnte abseits von Steuersenkungen oder ‑aussetzungen doch ein Weg sein, meint dieser User: „Slowenien deckelt die Preise und in Österreich dürfen die Preise nicht so oft geändert werden.“ Das solle sich Deutschland doch als Vorbild nehmen: „Der Preis fürs Essen und Trinken ändert sich ja auch nicht alle paar Minuten.“
Auch die Stichworte „Umsteigen auf den ÖPNV“ oder „E-Auto“ tauchen gelegentlich auf. „Ich habe mit meinem Fahrrad noch nichts bemerkt! Wer fossile Brennstoffe nutzt, macht sich abhängig und erpressbar“, meint etwa dieser User. Andere meinen, das sei bei einem 40-km-Arbeitsweg mit schlechtem ÖPNV nicht machbar. „Eine bessere Werbung für erneuerbare Energien und E-Fahrzeuge kann es doch gar nicht geben“, findet ein anderer.
Öfter mal das Auto stehen lassen
Und ein Instagram-Nutzer kommt mit einem ganz konkreten Vorschlag um die Ecke: „Die nächsten Wochen, wenn immer es möglich ist, das Auto stehenlassen und zum Beispiel mit dem Fahrrad fahren. Wenn alle mitmachen, senkt das die Nachfrage und damit den Preis!“
Wobei sich nahezu alle einig sind: Ein rasches Sinken der Spritpreise ist unwahrscheinlich, im Gegenteil. Die Prognose eines Users: „Wird bis 3 Euro steigen, der Benzinpreis.“ Ob es dann wie von einer anderen Userin gefordert, zum Streik aller, „die mit dem Auto zur Arbeit müssen“, kommt?


