Strom vs. Sprit
: Sind E-Autos wirklich günstiger als Benziner? Der große Vergleich

Wer es richtig angeht, fährt mit einem E-Auto günstiger als mit einem Benziner. Den größten Nachteil der Stromer, den hohen Wertverlust, muss man dabei aber aussitzen. Ein detaillierter Vergleich.
Von
Thomas Geiger, dpa
Stuttgart/München
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Laden von E-Auto: ARCHIV - Wer sein privates E-Auto auf dem Firmengelände lädt, muss diese Leistung meist nicht versteuern. (zu dpa: «E-Auto beim Arbeitgeber laden: Wann das steuerfrei ist») Foto: Jan Woitas/dpa/dpa-mag - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes dpa-Magazin +++ dpa-Magazin +++

Ohne Vertrag an öffentlichen Ladesäulen zu tanken, erhöht die Ladekosten beträchtlich.

Jan Woitas/dpa
  • E-Autos können günstiger sein als Benziner, trotz höherer Anschaffungskosten und Wertverlust.
  • Strom zu Hause oder per Vertrag laden spart Kosten – spontan laden ist bis zu zwei Drittel teurer.
  • Vergleich Porsche Macan: E-Modell spart nach 60.000 km rund 7.000 Euro trotz Reparaturrisiken.
  • Höherer Wertverlust bei E-Autos – bis zu 50 % im ersten Jahr, Leasing kann Lösung sein.
  • Preise von E-Autos und Verbrennern nähern sich an, Rabatte und Zuschüsse entscheidend.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Tanken oder Laden? Das ist für Autofahrer mittlerweile nicht mehr nur eine Frage von Klimaschutz einerseits und Komfort andererseits, sondern vor allem eine Rechenaufgabe. Denn auch wenn die Kosten von Verbrenner-Fahrzeugen und E-Autos nach wie vor weit auseinander liegen, ist mit dem Kauf alleine längst nicht entschieden, wer am Ende das Rennen macht.

„Wer wirklich wissen will, was für ihn billiger ist, der muss den gesamten Zeitraum von der Anschaffung bis zum Wiederverkauf bedenken und kommt dabei bisweilen auf überraschende Ergebnisse“, sagt Marcus Zacher.

Er ist Chefredakteur des Magazins „Elektroautomobil“ und nennt als wichtigste Größen in dieser Gleichung neben dem Kaufpreis die Energiekosten, die Ausgaben für Unterhalt, Wartung und Reparaturen sowie den Wertverlust am Ende der Nutzungszeit.

Preise nähern sich an – vor allem beim genauen Hinschauen

Bei den Preisen sei eine deutliche Annäherung von Verbrennern und E-Modellen zu sehen, sagt Zacher. Allerdings dürfe man dafür nicht nur in die Preislisten schauen, sondern müsse auch Rabattaktionen und Herstellerzuschüsse berücksichtigen.

Auf dem Papier findet man nach wie vor eine große Preisspanne: Ein elektrischer Renault R5 zum Beispiel startet bei 27.900 Euro, während es einen etwas größeren Renault Clio schon ab 19.350 Euro gibt. Beim Fiat Grande Panda liegen zwischen den Modellen mit Batterie und Benzintank 6000 Euro, beim BMW X2 beträgt der Preisunterschied für vergleichbare Fahrzeuge rund 2000, beim Audi A6 Avant liegen die Einstiegsmodelle rund 6000 Euro auseinander und zwischen Mercedes S-Klasse und EQS liegen 2200 Euro.

Spritkosten von 10,45 Euro auf 100 Kilometer

Auch beim Tanken gibt es Unterschiede. Für 100 Kilometer zahlten E-Auto-Fahrer danach im Frühsommer an öffentlichen Normalladesäulen im Schnitt 10,45 Euro (bei 20 Kilowattstunden Stromverbrauch). An Schnellladesäulen wurden sogar 12,06 Euro fällig. Für sechs Liter Benzin – die über alle Fahrzeugklassen als Durchschnitt gelten –hingegen wurden zum Zeitpunkt der Untersuchung gut zehn Euro fällig (bezogen auf 6 Liter Super/100 km).

Aber das stimmt nur eingeschränkt, sagt Zacher. Denn erstens gebe es den Strom nirgendwo günstiger als zu Hause, am besten noch von der eigenen Solaranlage. „Wohingegen wohl niemand daheim seinen eigenen Kraftstoff tanken kann.“ Und selbst unterwegs lassen sich entscheidende Unterschiede finden: „Anders als Benzin und Diesel kauft man den Strom für sein E-Auto am besten mit Vertrag.“ Der ADAC in München hat gerade ermittelt, dass Ad-hoc-Laden ohne Vertragsbindung bis zu zwei Drittel teurer sei, statt mit festem Vertrag. Dann kostet eine kWh statt 52 schnell mal 84 Cent.

Verbrenner gegen E-Modell

Wie das im Alltag aussehen kann, zeigt ein Vergleich mit zwei nahezu identischen Porsche Macan-Modellen, einem V6-Benziner mit 279 kW/380 PS und dem neuen E-Modell mit 300 kW/408 PS und einem Preisunterschied von 4500 Euro zugunsten des Benziners, die auf einer simulierten Urlaubsreise im Konvoi von Stuttgart nach Siena in der Toskana gefahren sind.

Beim Kassensturz nach rund 1000 Kilometern hat der Verbrenner 158 Liter Super für 254 Euro verbraucht; für das E-Modell stehen 226 kWh und 142 Euro zu Buche. Das reicht, um sich die längere Reisezeit mit reichlich Gelato zu versüßen. Auch nach 60.000 Kilometer steht das E-Auto besser da als der Benziner, sagt Porsche-Sprecher Ben Weinberger. Mit Normverbrauch und einem Benzinpreis von 1,80 Euro pro Liter addiert sich die Tankrechnung auf 12.636 Euro, während der Macan E nur für 4939,40 Euro laden muss – zumindest, solange er im Porsche-Netzwerk für pauschal 39 Cent pro kWh unterwegs ist.

Inspektionen, Zusatzarbeiten und Inspektionen addieren sich beim Benziner in vier Jahren auf 5019 Euro, beim E-Macan sind es nur 884 Euro. Unter dem Strich sind das nach vier Jahren trotz des höheren Kaufpreises rund 7000 Euro Vorteil für den E-Macan, rechnet Weinberger vor.

Aber wenn mal etwas kaputtgeht, dann kann es beim E-Auto richtig ins Geld gehen, heißt es bei der Dekra. Die Notwendigkeit von Spezialwerkzeug und speziell geschulten Mitarbeitern, lange Montagezeiten sowie die teuren Ersatzteile für Akku und Antrieb sorgten für rund 50 Prozent höhere Reparaturkosten, so die Sachverständigen-Organisation.

Beim Wiederverkauf kann es wieder schmerzlich werden

Jeder mögliche Kostenvorteil wird jedoch aufgezehrt, wenn es an den Wiederverkauf geht. „Noch haben Elektrofahrzeuge einen deutlich höheren Wertverlust als Verbrenner“, sagt Magazin-Redakteur Zacher, mahnt aber zugleich an, dass man dabei bisweilen die früher über 9000 Euro hohe Umweltprämie vergisst und nicht einfach Listenpreise vergleichen darf.

Bis zu 50 Prozent Wertverlust im ersten Jahr

Nach einer aktuellen Analyse des Münchner Strategieberaters Berylls haben gebrauchte Stromer nach drei Jahren im Durchschnitt einen um 6400 Euro geringeren Restwert als vergleichbare Benziner. Und je teurer die Autos werden, desto weiter geht die Schere auseinander: Porsches elektrischer Erstling Taycan zum Beispiel verliert je nach Modell nach unterschiedlichen Analysen und Anzeigen-Auswertungen schon im ersten Jahr teilweise bis zu 50 Prozent seines Wertes.  Lösen lässt sich dieses Problem zwar aktuell allenfalls mit Leasing statt Kauf, sagt E-Auto-Experte Zacher. Doch man kann es buchstäblich aussitzen – und sein aktuelles Elektroauto einfach weiter fahren.

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