EU-Verbot von Mikroplastik: Babywindel, Fleece-Jacke, Waschmittel – so erkennen und vermeiden Sie Mikroplastik

Die EU verbietet Mikroplastik, das beispielsweise auch in manchen Zahnpasten verwendet wird.
Christin Klose/dpaDie Europäische Union verbietet den Verkauf von Mikroplastik und von bewusst damit versetzten Produkten. Das gab die EU-Kommission am Montag, dem 25.09.2023, in Brüssel bekannt. Doch was ist Mikroplastik eigentlich und in welchen Produkten kommt es vor? Wie kann ich es erkennen? Das erfahren Sie in diesem Artikel.
Was ist Mikroplastik?
Laut Bundesumweltamt werden als Mikroplastik Plastikstückchen bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Sie sind also teilweise mit dem bloßen Auge schwer zu erkennen. Unter das Verbot der EU fallen synthetische Partikel, die weniger als fünf Millimeter groß sind und sich weder zersetzen noch organisch löslich sind.
Wofür wird Mikroplastik verwendet?
Mikroplastik ist leider allgegenwärtig. Ein Beispiel ist die Kosmetik- und Körperpflegeindustrie. Sie setzt Kunststoffe, auch bekannt als synthetische Polymere, aktiv in zahlreichen Produkten ein. Sie verwendet sie insbesondere als Schleifpartikel in Zahnpasta oder Peeling-Produkten, um abgestorbene Hautzellen zu entfernen. Zudem kommt Mikroplastik als Bindemittel in Cremes und Lippenstiften zum Einsatz, um die Konsistenz zu verbessern.
Das Hauptproblem liegt darin, dass diese synthetischen Polymere aus Kosmetikprodukten über das Abwasser in Kläranlagen gelangen. Kläranlagen können Kunststoffe jedoch nur begrenzt herausfiltern. Infolgedessen gelangen Teile dieser Kunststoffe in den Klärschlamm, während andere in Meere und Flüsse gelangen. Sobald diese Kunststoffe ins Wasser gelangen, sind sie praktisch nicht mehr rückstandslos zu entfernen. Die winzigen Plastikpartikel gelangen in die Umwelt und somit auch in den Nahrungskreislauf. Dieses Mikroplastik lagert sich nicht nur an Küsten, in Seen oder im Boden ab, sondern auch in den Organismen von Lebewesen.
Die genauen gesundheitlichen Auswirkungen und das Ausmaß sind heute noch nicht vollständig absehbar.
Fünf Produkte, in denen sich Mikroplastik versteckt
Nicht nur die oben genannten Produkte enthalten Mikroplastik, es gibt leider eine Vielzahl an Produkten. Diese werden durch das Verbot nach und nach nicht mehr in ihrer jetzigen Form auf dem Markt erhältlich sein.
In einem Podcast des Bayerischen Rundfunks wurden verschiedene Alltagsprodukte diskutiert, in denen sich Mikroplastik versteckt. Diese haben wir für euch zusammengefasst:
1. Mikroplastik in Putzlappen und Schwämmen
Viele Schwämme sowie sämtliche Mikrofasertücher bestehen aus Plastikfasern. Während des Spülens und Schrubbens lösen sich unvermeidbar winzige Partikel, die dann durch den Abfluss gespült werden. Aber es gibt Alternativen: Reinigungsschwämme, die aus reinen Pflanzenfasern wie Zellulose, Mais oder Bambus bestehen. Diese Schwämme können am Ende ihrer Lebensdauer problemlos im Biomüll oder auf dem Kompost entsorgt werden.
2. Mikroplastik in Waschmittel
In Waschmitteln und Weichspülern wird oft Polyethylen verwendet. Vor allem in Flüssigwaschmittel kommt dieser Inhaltsstoff vor, er sorgt für die gelartige Konsistenz. Hier reicht aber meist ein Blick auf die Inhaltsliste. Und es gibt einige andere Waschmittel, die auf solche Produkte verzichten.
3. Mikroplastik in Kaugummi
Kaugummis aus Plastik? Ja, wir kauen tatsächlich auf Plastik herum. Kaugummis bestehen nämlich hauptsächlich aus Polymeren, also Kunststoffen auf Erdölbasis. Zusätzlich enthalten sie auch noch Weichmacher, Bindemittel, Farbstoffe und zumeist künstliche Aromen. Die Hersteller verraten nicht, was genau und in welcher Zusammensetzung in ihren Kaugummis ist, das ist Betriebsgeheimnis.
Feststeht aber, dass fast alle Kaugummis nicht biologisch abbaubar sind. Deshalb sollte man beim Kauf darauf achten, eine der wenigen Alternativen zu kaufen.
4. Fleece-Kleidung
Jetzt, wo die kalte Jahreszeit näher rückt, kramen vermutlich viele das kuschlige Fleece aus dem Kleiderschrank hervor. Und ja, leider auch hier: Mikroplastik steckt tatsächlich auch in unserer Kleidung.
Bei jeder Wäsche verliert Fleecekleidung etwa 2.000 winzige Kunststofffasern. Diese winzigen Plastikfasern werden weder von den Sieben in der Waschmaschine noch in den Kläranlagen erfasst, wodurch sie ihren Weg in die Ozeane finden. Einige Hersteller haben aber begonnen, Waschmaschinen mit Mikroplastikfiltern anzubieten. Auch in Strümpfen und Strumpfhosen finden sich häufig, zumindest teilweise, Polyesterfasern. Inzwischen gibt es jedoch praktische Wäschenetze für die Waschmaschine, die dazu in der Lage sind, die freigesetzten Fasern von Fleece- und anderen Kunststoffbekleidungsstücken aufzufangen.
5. Babywindeln
Einwegwindeln, auch als Wegwerfwindeln bekannt, bestehen im Großen und Ganzen aus einer beträchtlichen Menge Plastik und Zellulose. Laut der Wissenschaftssendung Quarks ist das Herausragende an ihnen ihr Saugkern, der bis zu 30-mal sein eigenes Gewicht an Flüssigkeit aufnehmen kann.
Das klingt zwar effektiv, hat jedoch einen erheblichen Nachteil: Dieser Saugkern basiert in den meisten Fällen auf Erdöl.
Woran erkenne ich Mikroplastik in Produkten?
So viel verstecktes Plastik, in Produkten, die man eigentlich als garantiert plastikfrei einschätzen würde. Wie kann ich sie erkennen und welche Alternativen gibt es?
Die Krankenkasse AOK empfiehlt, grundsätzlich eher zu zertifizierter Naturkosmetik zu greifen. Verbraucherinnen und Verbraucher könnten hier davon ausgehen, dass diese frei von Mikroplastik auf Erdölbasis ist.
Allerdings sind Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, dazu gehört zum Beispiel die Polymilchsäure (INCI: Polylactic Acid), nicht verboten, obwohl auch diese als schwer abbaubar gelten.
Bei konventioneller Kosmetik rät die AOK dazu, auf die Inhaltsstoffe zu schauen. Unter „Ingredients“ muss jedes Kosmetikprodukt die enthaltenen Inhaltsstoffe nach der „International Nomenclature of Cosmetic Ingredients“, kurz INCI genannt, auflisten. Finden Sie dort den Begriff „Polymer“, können Sie davon ausgehen, dass sich Kunststoff darin befindet. Weitere Bezeichnungen für Kunststoffe finden Sie in dieser Liste der Verbraucherzentrale, die alle üblichen INCI-Bezeichnungen aufführt:
(mit Material von dpa)



