Christian Lindners Arbeitgeber
: „Hohe Zahl von Verstößen“: KfZ-Händler wollen wegen Praktiken von Auto.de vor Gericht gehen

Der Verband freier Autohändler hält Methoden der Internetplattform Auto.de für unzulässig. Besondere Aufmerksamkeit erregen Aussagen von Ex-Finanzminister Christian Lindner. Er ist Vizechef der Firmengruppe.
Von
Andreas Schröder
Stuttgart
Christian Lindner wird stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Autoland AG - Größter markenunabhängiger Automobilhandelskonzern setzt starkes Wachstum fort - Umsatzmilliarde in 2025 erwartet

Christian Lindner (links) ist stellvertretender Vorstandschef der Autoland AG, zu der die Plattform Auto.de gehört. Er soll 2027 Unternehmensgründer Wilfried Anclam als Vorstandschef ablösen.

Luca Geselle/Autoland AG/obs/dpa
  • BVfK wirft Auto.de zahlreiche Wettbewerbsverstöße vor und zieht vor das Landgericht Halle.
  • Auto.de änderte seine Website, gab aber keine strafbewehrte Unterlassungserklärung ab.
  • Kritisiert wurden falsche Vergleichspreise und Pflichtkosten durch ein „Rundum-Sorglos-Paket“.
  • BVfK sieht Nachteile für Verbraucher und regelkonforme Händler – Wiederholungsgefahr bestehe.
  • Auto.de dankt für Hinweise und spricht von notwendigen Anpassungen nach der Übernahme.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Bundesverband freier Kfz-Händler (BVfK) erhebt schwere Vorwürfe gegen die Internetplattform Auto.de. Die Organisation hatte das Unternehmen wegen „umfangreicher Wettbewerbsverstöße abgemahnt“, wie der BVfK mitteilte. Der Verband will die Angelegenheit nun vor Gericht klären lassen. Auto.de habe zwar „den Forderungen des BVfK durch umfangreiche Anpassungen der Auto.de-Internetpräsenz entsprochen, welche die kritisierten Werbedarstellungen nach vorläufiger Sichtung nicht mehr erkennen lässt“. Gleichwohl „konnte man sich bei Auto.de nicht dazu durchringen, sich durch Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung verbindlich zu verpflichten, zukünftig auf diese oder vergleichbare Marketing-Methoden zu verzichten“, teilte der Händlerverband mit. Deshalb habe man beim zuständigen Landgericht Halle eine Klageschrift eingereicht.

Konkret geht es um folgendes: Laut BVfK haben die „Praktiken erhebliche negative Auswirkungen: Verbraucher zahlen meist den höheren Preis, den korrekt anbietenden Kollegen wird Geschäft weggenommen und das Image der gesamten Branche leidet“. Der Verband spricht von „einer ungewöhnlich hohen Zahl von Beanstandungen“ der Auto.de-Geschäftspraktiken: „Der Umfang der aus unserer Sicht festgestellten Beanstandungen wirkte eher systematisch, als sei ein versehentlicher Fehler unterlaufen.“ Für den Verbandspräsidenten Ansgar Klein bedeutet dies: „In einem solchen geschäftlichen Umfeld lässt sich kaum seriös und professionell arbeiten. Wir sehen uns als einer der führenden Kfz-Verbände in der Verantwortung, für stabile und rechtlich einwandfreie Rahmenbedingungen zu sorgen.“

Christian Lindner ist Vizechef der Firmengruppe

Auto.de ist Teil der Unternehmensgruppe Autoland AG, in der Branche bekannt als „Auto-Aldi“. Christian Lindner (47) ist stellvertretender Vorstandschef der Firmengruppe und seit Anfang 2026 im Unternehmen. Der ehemalige FDP-Vorsitzende war von Dezember 2021 bis November 2024 Finanzminister in der Regierung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), hat sich aus der Politik zurückgezogen und ist in die Wirtschaft gewechselt. Es ist geplant, dass Lindner im kommenden Jahr Unternehmensgründer Wilfried Anclam als Vorstandschef ablöst.

Autoland ist auf Expansionskurs und nach eigenen Angaben „Deutschlands größtes herstellerunabhängiges Automobilhandelsunternehmen“. Das Unternehmen mit knapp 40 Niederlassungen in zehn Bundesländern beschäftige mehr als 1500 Mitarbeiter und habe 2025 „einen Rekordumsatz von über einer Milliarde Euro mit rund 60.000 verkauften Autos“ erzielt.

Die seitens des BVfK „monierten Praktiken sind sowohl einzeln als auch und insbesondere in ihrer Häufung keine Lappalie“. Kritisiert wurden „unter anderem unzutreffende Streich- bzw. Vergleichspreise und unzulässige obligatorische Zusatzkosten in Form eines ‚Rundum-Sorglos-Pakets‘“. Die beanstandeten Werbepraktiken seien von Auto.de abgestellt worden, aber eine „fortbestehende Wiederholungsgefahr erfordert eine gerichtliche Klärung“, so der Verband.

Der Händlerverband macht seine Kritik nach eigenen Angaben auch explizit an Aussagen Lindners zum angestrebten Wachstum der Firmengruppe fest. Das Augenmerk der Wettbewerbsjuristen des BVfK habe sich auch auf die Internetplattform Auto.de gerichtet, „nachdem der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Autoland AG, Christian Lindner, ambitionierte Wachstums- und Expansionsziele für das Unternehmen angekündigt hatte“, teilt der Verband mit. „Besondere Aufmerksamkeit erregten dabei seine Äußerungen, wonach nicht ausgeschlossen werden könne, dass die geplante Markteroberung auch auf Kosten von Händlerkollegen gehen werde.“

Nach Auffassung des Verbandes erschweren Angebote von Auto.de „Verbrauchern die zutreffende Einschätzung der tatsächlichen Angebotspreise und benachteiligen Wettbewerber, die ihre Angebote transparent und regelkonform darstellen“, erläutert BVfK-Präsident Klein die Vorwürfe. Der BVfK vertritt nach eigenen Angaben „die Interessen des seriösen und professionellen freien Kfz-Handels in Deutschland“. Dem Verband mit mehr als 1000 Händlern gehören demnach sowohl Unternehmen aus dem Neu-, Gebrauchtwagen- und Oldtimerhandel, als auch dem Kfz-Vermittlergeschäft an.

Auto.de antwortet auf Anfrage mit folgendem Statement, ohne dabei auf eine mögliche gerichtliche Auseinandersetzung einzugehen: „Nach der Übernahme der Plattform Auto.de mussten notwendige Anpassungen vorgenommen werden. Durch die hilfreichen Hinweise des BVfK konnten wir die gewünschten Veränderungen schnell umsetzen. Wir danken dem BVfK, wünschen uns weiterhin eine gute Zusammenarbeit und haben uns gegenüber dem BVfK entsprechend erklärt“, teilte Yasin Turhal, Geschäftsführer von Auto.de mit.