Chaos bei Signa-Gruppe: Offiziell: Neu-Ulmer Sanierer Geiwitz steuert Imperium von Immobilien-Mogul Benko

René Benkos (links) Signa-Konzern sorgt derzeit für Schlagzeilen. Der Neu-Ulmer Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Arndt Geiwitz hat nun alle Stimmrechte Benkos übernommen.
Marcel Kusch/dpa, Volkmar KönnekeJetzt ist es offiziell: Der österreichische Immobilienunternehmer René Benko zieht sich aus der Führung der angeschlagenen Signa-Gruppe zurück. Wie das Unternehmen am Mittwoch bekannt gab, tritt der Milliardär als Vorsitzender des Beirates der Signa Holding zurück. Der Sanierungsexperte Arndt Geiwitz aus Neu-Ulm übernehme die Restrukturierung der Immobilien- und Handelsholding. Benko übertrage seine Stimmrechte an Geiwitz.
„Dies ist in der derzeitigen Situation die beste Lösung für das Unternehmen, seine Partner, Investoren sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagte Benko laut Mitteilung. Es gelte nun, Vertrauen wiederherzustellen. Das Immobilienportfolio von Signa bleibe einzigartig. Alle Beteiligten seien gefordert, Signa jetzt zu unterstützen. Schon seit Wochen mehrten sich die Negativschlagzeilen über hohe Verluste des Imperiums.
Arndt Geiwitz übernimmt Benkos Stimmrechte
Geiwitz sagte, das Unternehmen brauche jetzt Ruhe und Ordnung. Es gelte, langfristige Lösungen zu finden. „Es ist daher verantwortungsvoll wie geboten, jetzt eine umfassende Konsolidierung für das Unternehmen einzuleiten“, sagte der bekannte Sanierer. Die Qualität des Immobilien-Portfolios sowie die der geplanten Projekte insbesondere in Deutschland sei sehr gut.
Signa baut etwa in Hamburg den 245 Meter hohen Elbtower. Zur Unternehmensgruppe gehört auch der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof, der bereits zwei Insolvenzverfahren hinter sich hat. Das jüngste Verfahren wurde unter Geiwitz’ Führung durchgeführt. Geiwitz hatte zudem deutschlandweite Bekanntheit erlangt, als er 2012 die Insolvenz der Drogeriemarktkette Schlecker aus Ehingen geleitet hatte – und das Unternehmen am Ende abwickelte.
Zukunft von Galeria Karstadt Kaufhof – Verdi will Klarheit
Die Gewerkschaft Verdi will von Geiwitz wissen, wie es mit der deutschen Warenhaustochter Galeria Karstadt Kaufhof weitergeht. „Wir erwarten vom Sanierer Geiwitz, dass er jetzt schnellstmöglich Klarheit schafft, welche Perspektiven die Beschäftigten haben und wie groß die möglichen Auswirkungen der von ihm angekündigten, umfassenden Konsolidierung der Signa-Gruppe auf den stationären Einzelhandel in den betroffenen Innenstädten und deren Erscheinungsbild sein werden“, sagte eine Verdi-Sprecherin der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (Donnerstag). Wie es mit den 92 Galeria-Warenhäusern weitergeht, erwähnte Geiwitz bislang nicht.
Immobilienbranche in der Krise: Höhere Zinsen, höhere Kosten
Die Immobilienbranche hat seit dem Beginn des Ukraine-Krieges mit gestiegenen Bau- und Energiekosten sowie höheren Zinsen zu kämpfen. Wegen der gestiegenen Zinsen kam es bei der Gesellschaft Signa Prime Selection im Vorjahr zu einer Abwertung von 1,17 Milliarden Euro. Davon waren vor allem Immobilien in Deutschland betroffen, wie aus dem Konzernabschluss der Luxusimmobilienholding hervorgeht.
Signa habe zur Unterstützung weitere externe Berater engagiert, um mit Hochdruck eine Überprüfung aller Geschäftsbereiche durchzuführen und Maßnahmen sowie ein ganzheitliches Konzept für die Gruppe zu erarbeiten, hieß es.
Benkos Miteigentümer der Holding hatten den Milliardär nach Angaben des österreichischen Gesellschafters Hans Peter Haselsteiner aufgefordert, die Macht über das Firmengeflecht aufzugeben, nachdem sich Probleme in verschiedenen Sparten und bei diversen Projekten häuften. So meldete die Signa-Sportartikelsparte im Oktober Insolvenz an. Der Bau des Elbtowers wurde unterbrochen, weil Handwerker nicht mehr bezahlt wurden. Der 46-jährige Benko hatte seine Unternehmensgruppe mit Hilfe niedriger Zinsen und finanzstarker Investoren aufgebaut.


