Bahnstreik: Wann droht der nächste Streik der GDL?

Bahn und GDL verhandeln wieder – und trotzdem ist das Thema Streik nicht komplett vom Tisch.
Oliver Berg/dpaDer bisher längste Bahnstreik der Geschichte ist vorzeitig zu Ende gegangen. Die Lokführergewerkschaft GDL und die Deutsche Bahn haben die Verhandlungen wieder aufgenommen. Doch was heißt das für Streiks auf der Schiene?
Bahnchef: Brauchen uns mit Tarifangebot nicht zu verstecken
Nach dem vorzeitigen Ende des Streiks haben sowohl die Lokführergewerkschaft GDL als auch die Deutsche Bahn (DB) mit Blick auf die weiteren Tarifverhandlungen vorsichtigen Optimismus geäußert. Bahn-Sprecherin Anja Bröker sagte, sie sei „zuversichtlich, dass es am Ende zu einem Tarifabschluss kommen wird“. GDL-Chef Claus Weselsky nannte die Vereinbarung mit der DB „einen großen Schritt in die richtige Richtung“.
Der Konzern und die Gewerkschaft hatten in Gesprächen die Wiederaufnahme ihrer Tarifverhandlungen vereinbart. Die Tarifverhandlungsrunde soll am 5. Februar unter Ausschluss der Öffentlichkeit beginnen.
Deutsche-Bahn-Chef Richard Lutz hat im Tarifkonflikt mit der Lokführergewerkschaft GDL seine Verhandlungsbereitschaft betont. Ihm sei wichtig, gute Kompromisse und Tarifverträge zu finden, die für Sicherheit für Fahrgäste und Güterkunden sorgten, sagte der Manager der „Bild am Sonntag“. Das Angebot des Konzerns wäre finanziell das höchste, das es je gegeben habe. „Insofern brauchen wir uns da, glaube ich, nicht zu verstecken.“
Wann droht der nächste Streik bei der Deutschen Bahn?
Für Fahrgäste bedeutet das für die nächsten Wochen zumindest ein vorläufiges Ende der streikbedingten Ungewissheit auf der Schiene. Bis einschließlich 3. März soll es keine weiteren Arbeitskämpfe der GDL geben.

Bayern, Nürnberg: Claus Weselsky, Bundesvorsitzender der GDL, während einer Kundgebung in Nürnberg im Rahmen des sechstägigen Streiks der Lokführergewerkschaft GDL.
Daniel Karmann/dpaDas ist der aktuelle Stand der Tarifverhandlungen
Beim Thema Arbeitszeit – einem Knackpunkt im Tarifkonflikt – wurden Gespräche vereinbart. Die GDL hatte mit Nachdruck eine Absenkung der Wochenarbeitszeit von 38 auf 35 Stunden ab 2028 bei vollem Lohnausgleich gefordert. Die Bahn wies dies zunächst rundweg ab, bot später aber ein Wahlmodell an. Damit sollten Lokführer auf 37 Wochenstunden heruntergehen können, hätten im Gegenzug aber auf eine zusätzliche angebotene Gehaltserhöhung verzichten müssen.
Die Vereinbarung von GDL und DB sieht nun Verhandlungen über „Modelle zur Arbeitszeitverkürzung“ für alle Schichtarbeitenden vor. Nähere Angaben machten die beiden Tarifpartner zunächst nicht. Beim Thema Geld hat die Bahn bislang bis zu 13 Prozent mehr Lohn angeboten. Der Vereinbarung zufolge gibt es die Bereitschaft, bei den Lohnerhöhungen Festbeträge festzulegen.
Die GDL pocht außerdem auf eine Ausweitung ihrer Tarifzuständigkeit auf weitere Bereiche. Weselsky wertete es am Montag als Erfolg, dass die Bahn dies nun nicht mehr kategorisch unter Verweis auf das Tarifeinheitsgesetz ausschließe.
Die Tarifverhandlungen hatten Anfang November begonnen. Der vorzeitig beendete Streik ist der vierte seitdem. Die lange Dauer – auch nach dem vorzeitigen Abbruch waren es fünf volle Tage oder 120 Stunden – hatte viel Kritik an der GDL ausgelöst. Die Kosten des Streiks bezifferte die Bahn allein für das Unternehmen auf rund 25 Millionen Euro pro Tag.
(mit Material von dpa und AFP)


