Nach Austrittswelle
: ADAC-Chef muss nach Lob über CO2-Bepreisung gehen

Erheblichen Irritationen bei Mitgliedern, zahlreiche Beschwerden und 60.000 Kündigungen sorgen für Unruhe in Deutschlands größtem Autoclub.
Von
dpa
München
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Autobahn A28 bei Westerstede: 02.12.2025, Niedersachsen, Westerstede: Autos sind am Morgen auf der Autobahn A28 unterwegs (Aufnahme mit langer Belichtungszeit). Nahe Westerstede soll ein neues Autobahndreieck von A28 und der Küstenautobahn A20 entstehen. Eine Baugenehmigung für den Abschnitt der A20 zwischen Westerstede und Jaderberg liegt bereits vor. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die CO2-Bepreisung hat Benzin und Diesel verteurt. Dies finden viele ADAC-Mitglieder nicht gut - im Gegensatz zum ADAC-Verkehrspräsidenten Gerhard Hillebrand.

Hauke-Christian Dittrich/dpa
  • ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand tritt nach Austrittswelle zurück.
  • Auslöser: Interview Ende 2025 in der „NOZ“ zur CO2-Bepreisung.
  • Rund 60.000 Kündigungen; „Bild“ berichtete über Rücktritt und Zahlen.
  • Hillebrand: CO2-Preis als richtiges Instrument, Preisspitzen zu vermeiden.
  • ADAC gewann im Januar über 100.000 neue Mitglieder; Kündigungen wirken später.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eine Austrittswelle nach einem Interview kostet den ADAC-Verkehrspräsidenten Gerhard Hillebrand sein Amt. Er lege es nieder und übernehme damit die Verantwortung für den entstandenen Reputationsschaden, teilt der Verkehrsclub mit.

Hintergrund sind rund 60.000 Kündigungen im Zusammenhang mit einem Interview Ende 2025 in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, in dem sich Hillebrand positiv über die CO2-Bepreisung geäußert hatte, die Benzin und Diesel teurer macht. Zuvor hatte die „Bild-Zeitung“ über den Rücktritt und die Zahl der Kündigungen berichtet.

Konkret hatte Hillebrand in dem Ende Dezember veröffentlichten Interview mit der „NOZ“ gesagt: „Der ADAC hält die CO2-Bepreisung für ein richtiges Instrument, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Die Leute brauchen den Anreiz, um auf klimaschonende Alternativen zum Diesel und Benziner umzusteigen.“ Es sei aber richtig, sich dabei Zeit zu lassen und Preisspitzen zu verhindern, „zumal eine Preiserhöhung nur dann positiv wirkt, wenn auch ausreichend Möglichkeiten bestehen, diese mit alternativen Angeboten zu vermeiden“.

Bedauern über Ärger und verlorene Glaubwürdigkeit

Dies führte laut ADAC „zu erheblichen Irritationen bei Mitgliedern sowie zahlreichen Beschwerden und Kündigungen“. Hildebrand bedauere, dass seine Äußerungen Mitglieder verunsichert und verärgert sowie Glaubwürdigkeit gekostet hätten. Er sei zur Überzeugung gekommen, „dass es im Interesse des ADAC und seiner Glaubwürdigkeit richtig ist, daraus persönliche Konsequenzen zu ziehen“. Sein Verantwortungsbereich wird kommissarisch von ADAC-Technikpräsident Karsten Schulze übernommen.

Der Verein bedauere, „dass so viele Mitglieder den ADAC aus Verärgerung verlassen haben“, sagte eine Sprecherin. „Um Mitglieder, die enttäuscht wurden, werden wir intensiv werben.“ Allerdings habe man alleine im Januar auch mehr als 100.000 Mitglieder neu gewinnen können – das entspreche dem Vorjahresniveau.

Eine Rechnung, ob der ADAC damit aktuell mehr Mitglieder gewinnt, als verliert, ist mit diesen Zahlen allerdings nicht sinnvoll: Zum einen gibt es weitere Kündigungen aus anderen Gründen, zum anderen werden Kündigungen erst nach einer gewissen Frist wirksam. Auf Jahresfrist hatte der ADAC zuletzt stets Zuwächse vermeldet.

Der CO2-Preis verteuert Benzin und Diesel. Die zum Jahreswechsel eingetretene aktuelle Stufe sorgt etwa für bis zu drei Cent pro Liter zusätzlich.