RB Leipzig hat zum ersten Mal den DFB-Pokal gewonnen. Im Elfmeter-Drama setzten die Sachsen gegen den SC Freiburg durch. So lief das Finale.
"Es ist Wahnsinn, wir haben 60 Minuten mit zehn Mann gespielt", sagte RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff nach dem 4:2-Triumph im Elfmeterschießen im DFB-Pokalfinale in der ARD: "Heute werden wir es richtig krachen lassen, das ist für uns ein historischer Abend."

RB Leipzig gewinnt DFB-Pokal im Elfer-Drama

Freiburgs Einwechselspieler Ermedin Demirovic hatte den entscheidenden Elfmeter verschossen, der Traum von der Krönung für den Kulttrainer Christian Streich war geplatzt. Der Coach, seit 2011 im Amt, richtete seine Spieler wieder auf und bedankte sich bei den SC-Fans - aller Enttäuschung zum Trotz. Die Leipziger, die erst 2009 gegründet worden waren, jubelten nach Handspiel-Zoff und Unterzahl. Nach Verlängerung hatte es 1:1 (1:1, 0:1) gestanden.
Vor Demirovic war bereits SC-Kapitän Christian Günter im Elfmeterschießen gescheitert. In der regulären Spielzeit hatte RB-Star Christopher Nkunku (76.) ausgeglichen, nachdem nachdem Maximilian Eggestein (19.) die Freiburger in Führung gebracht hatte.
Christian Streich musste sich mit seinem SC Freiburg im DFB-Pokalfinale erst im Elfmeterschießen RB Leipzig geschlagen geben.
Christian Streich musste sich mit seinem SC Freiburg im DFB-Pokalfinale erst im Elfmeterschießen RB Leipzig geschlagen geben.
© Foto: Tom Weller/dpa

Handspiel beim Tor des SC Freiburg?

Pikant: Vor dem Tor des SC war dem im ersten Durchgang überragenden Roland Sallai der Ball an die Hand gesprungen, doch Schiedsrichter Sascha Stegemann gab den Treffer nach Rücksprache mit dem Videoassistenten. Später sah Marcel Halstenberg (57.) nach einer Notbremse die Rote Karte.
Weil RB diese Dämpfer aber wegsteckte, endet eine bewegte Saison mit dem ganz großen Triumph. Vergessen sind der schwache Saisonstart, das Vorrunden-Aus in der Champions League und das Missverständnis mit Ex-Trainer Jesse Marsch. Dessen Nachfolger Domenico Tedesco, im Dezember gekommen, löste nicht nicht nur das Königsklassen-Ticket in der Bundesliga und führte den Klub ins Halbfinale der Europa League. Er bescherte dem Verein nach Finalpleiten 2019 und 2021 auch den ersten Pokal für die Vitrine.

Freiburg-Trainer Christian Streich: „Die Welt geht nicht unter“

Auf die große Trophäe muss Freiburg weiter warten, zumindest bei den Profis. Streich hatte mit den Freiburger A-Junioren den Pokal schon dreimal geholt. Diesmal sollte es nicht reichen, wobei er für diesen Fall schon vor dem Spiel betont hatte, dass dann "die Welt auch nicht unter" gehe. Es bleibt eine starke Saison der Breisgauer, die in der Bundesliga als Sechster die Europa League erreicht hatten.
Vor 74.322 Zuschauern verpasste Eggestein den Leipzigern den ersten Nackenschlag. Eine Flanke von Christian Günter landete über Umwege beim früheren Bremer, Sallai sprang der Ball zuvor an die Hand, bevor Eggestein ihn in die linke Torecke schlenzte. Doch das Tor zählte. Und nun nahm das Spiel etwas mehr Fahrt auf. Nach einer Verkettung von Freiburger Fehlern landete der Ball plötzlich bei Nkunku (24.), dessen Schuss Flekken nur Richtung Torlinie abfälschen konnte. Erst im letzten Moment klärte Freiburgs Nico Schlotterbeck, der nach der Rettungsaktion wie wild jubelte.

RB Leipzig nach der Halbzeitpause aktiver

Erst nach der Halbzeitpause wurde Leipzig aktiver. Christopher Nkunku scheiterte an Flekken, ehe Halstenberg seiner Mannschaft einen Bärendienst erwies. Als letzter Mann foulte er Lucas Höler - Rot.
Doch Leipzig knickte nicht ein, nach einem abgeblockten Freistoß verlängerte Willi Orban eine Flanke von Konrad Laimer - Nkunku stand goldrichtig und vollstreckte und ermöglichte RB die Verlängerung, in der Freiburg sofort aufhorchen ließ. Der eingewechselte Ermedin Demirovic (92.) köpfte nach Günter-Ecke an den Pfosten. Auch Janik Haberer (104., 115.) traf danach zweimal nur Aluminium.
Nach einem Zweikampf zwischen Höfler und Dani Olmo entschied sich Stegemann nach Ansicht der Videobilder gegen einen Leipziger Elfmeter (119.). Auf der RB-Bank sah der ausgewechselte Kevin Kampl nach Reklamieren Gelb-Rot (118.).

Reaktionen zum DFB-Pokal-Sieg von RB Leipzig

  • RB-Trainer Domenico Tedesco: „Ich glaube, dass die Mannschaft mehrmals bewiesen hat, dass sie Charakter hat, dass sie Mentalität hat. Wir haben einen starken Zusammenhalt. Die Spieler die reinkamen, haben es sehr gut gemacht.“
  • RB-Torwart Péter Gulácsi: „Es ist ein unglaublich schöner Moment, wir freuen uns, dass es geklappt hat. (...) Der Teamspirit, den wir heute gezeigt haben, war außergewöhnlich. Wir haben heute schwierige Momente gehabt, und trotzdem gewonnen. Das wird ein besonderer Tag, mit unseren Fans zu feiern. Wir feiern sicherlich ein paar Tage noch.“
  • SC-Trainer Christian Streich (zu seiner Mannschaft): „Ich habe ihr gesagt, dass sie eine wahnsinnig tolle Saison gespielt hat. Ich habe ihnen gratuliert und gesagt: Schaut da, die Leute. Wahnsinn, was mit dem SC Freiburg passiert ist in den letzten 20 Jahren.“
  • RB-Stürmer Emil Forsberg: „Mir fehlen die Worte. So zurückzukommen, ist einfach Wahnsinn, das zeigt Leidenschaft und Mentalität. Ich bin glücklich.“
  • RB-Clubchef Oliver Mintzlaff: „Die Mentalität, die die Mannschaft gezeigt hat, ist fantastisch. Der Fokus gilt jetzt einer richtig geilen Party.“

Die Startaufstellungen bei Freiburg vs. Leipzig

Mit diesen Startaufstellungen gingen die beiden Trainer Christian Streich und Domenico Tedesco in das DFB-Pokalfinale 2022.
  • SC Freiburg: Flekken - Gulde, Lienhart, N. Schlotterbeck - Kübler, M. Eggestein, Höfler, Günter - Sallai, Grifo, Höler
  • RB Leipzig: Gulasci - Simakan, Orban, Klostermann - Halstenberg, Kampl, Laimer, Henrichs - Nkunku, Forsberg, Silva

Wer war der Schiedsrichter bei SC Freiburg gegen RB Leipzig?

Sascha Stegemann war der Schiedsrichter im DFB-Pokalfinale zwischen dem SC Freiburg und RB Leipzig am 21.5.2022. Alle Infos um Unparteiischen.

DFB-Pokal: Die Gewinner der vergangenen Jahre

  • Saison 2016/17: Borussia Dortmund
  • Saison 2017/18: Eintracht Frankfurt
  • Saison 2018/19: Bayern München
  • Saison 2019/20: Bayern München
  • Saison 2020/21: Borussia Dortmund