Pauline Hansons Burka-Auftritt
: Der Skandal, der Australien spaltet

Ein provokanter Burka-Auftritt von Pauline Hanson im australischen Senat löst heftige politische und gesellschaftliche Debatten über Rassismus, Religionsfreiheit und Populismus aus.
Von
Judith Müller
Canberra (Australien)
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Pauline Hanson betritt im Vollschleier den Senat und entfacht damit einen landesweiten Skandal um ihr gefordertes Burka-Verbot.

Pauline Hanson betritt im Vollschleier den Senat und entfacht damit einen landesweiten Skandal um ihr gefordertes Burka-Verbot.

picture alliance/dpa/AAP Image, MICK TSIKAS

Die australische Politik erlebt erneut einen Eklat: Die rechtsextreme Senatorin Pauline Hanson hat mit einem Auftritt im Burka-Vollschleier im Senat landesweit Empörung ausgelöst. Die Aktion, die als provokativer Protest gegen die Ablehnung ihres Gesetzesentwurfs zu einem Burka-Verbot in Australien gedacht war, führte zu heftigen Reaktionen – vor allem von muslimischen Senatorinnen.

Provokation im Parlament: Hanson erscheint erneut im Vollschleier

Hanson, Vorsitzende der einwanderungskritischen One-Nation-Partei, betrat den Senat vollständig verhüllt. Als sie sich weigerte, den Schleier abzulegen, musste die Sitzung unterbrochen werden. Ziel ihrer Aktion: ein politisches Statement, nachdem ihr zuvor die Einbringung eines Gesetzes zum Verbot von Vollverschleierungen verweigert worden war.

Der Auftritt erinnerte an eine ähnliche Aktion aus dem Jahr 2017, als Hanson ebenfalls im Burka-Outfit in der Kammer erschienen war, um ein landesweites Verbot zu fordern.

Die Collage zeigt die Vorsitzende von Australiens Rechtsaußen-Partei One Nation, Pauline Hanson, wie sie am 17.08.2017 eine Burka im Parlament in der Hauptstadt Canberra auszieht. Die 63-Jährige hatte Körper und Gesicht ganz mit einem schwarzen Schleier verhüllt, wie ihn Frauen in konservativen islamischen Ländern tragen.

Die Collage zeigt die Vorsitzende von Australiens Rechtsaußen-Partei One Nation, Pauline Hanson, wie sie am 17.08.2017 eine Burka im Parlament in der Hauptstadt Canberra auszieht. Die 63-Jährige hatte Körper und Gesicht ganz mit einem schwarzen Schleier verhüllt, wie ihn Frauen in konservativen islamischen Ländern tragen.

picture alliance / Lukas Coch/AAP/dpa, Lukas Coch

Scharfe Kritik von muslimischen Senatorinnen

Die Reaktionen im Senat fielen drastisch aus. Die Grünen-Senatorin Mehreen Faruqi, selbst Muslimin, bezeichnete Hansons Vorgehen als „unverhohlenen Rassismus und Islamfeindlichkeit“ und warf ihr gezielte Provokation vor.

Auch die unabhängige Senatorin Fatima Payman verurteilte den Auftritt: Hansons Aktion missachte nicht nur religiöse Kleidungsvorschriften, sondern beleidige australische Musliminnen und Muslime.

Sie erklärte: „Das ist eine Schande. Hier wird eine ganze Glaubensgemeinschaft verletzt.“

Senat suspendiert Hanson für sieben Sitzungstage

Einen Tag nach dem Vorfall reagierte der Senat entschieden:
Pauline Hanson wurde für sieben Sitzungstage vom Parlament ausgeschlossen – eine deutliche Rüge für ihr Verhalten.

Die australische Außenministerin Penny Wong warf ihr vor, sie habe muslimische Gemeinschaften „verspottet und diffamiert“.

Hanson kontert: „Das sind Heuchler“

Hanson selbst zeigt keinerlei Reue. In einer Pressekonferenz erklärte sie, ihre Kritiker seien „Heuchler“, da es im Parlament keine offizielle Kleiderordnung gebe. Gleichzeitig beklagte sie, der Senat habe ihren Gesetzesvorschlag zu einem Burka-Verbot ohne inhaltliche Debatte abgelehnt.

Sie betonte: „Ich stehe zu meiner Überzeugung und werde weiter dafür kämpfen.“

Politischer Hintergrund: One Nation profitiert vom Kulturkampf

Hanson gilt seit den 1990er-Jahren als eine der lautesten Stimmen gegen Immigration und islamische Kleidung in Australien. Die One-Nation-Partei profitiert sichtbar von nationalistischen Strömungen im Land:

  • Sie hält inzwischen vier Sitze im Senat.
  • Bei der letzten Parlamentswahl konnte sie zwei weitere Sitze gewinnen.
  • Umfragen zufolge ist die Zustimmung für Hanson weiter gestiegen – trotz oder gerade wegen solcher provokativen Aktionen.

Laut der Volkszählung von 2021 sind 3,2 % der australischen Bevölkerung muslimisch – eine Minderheit, die im politischen Diskurs zunehmend ins Zentrum polariserender Debatten gerät.