Influencerin Chiara Ferragni vor Gericht: Wie es im „Pandoro-Gate“-Prozess weitergeht

Die italienische Influencerin Chiara Ferragni verlässt das Gericht am Ende einer Anhörung in einem Prozess, in dem sie wegen schweren Betrugs angeklagt ist. Hintergrund ist ein Skandal im Zusammenhang mit einer Weihnachtskuchen-Werbekampagne, in der ihr „irreführende, als Wohltätigkeit getarnte Werbung“ vorgeworfen wird.
picture alliance/dpa/LaPresse/AP, Claudio FurlanDie italienische Unternehmerin und Mega-Influencerin Chiara Ferragni steht erneut im Zentrum eines massiven Rechtsstreits. In Mailand läuft gegen sie ein Verfahren wegen schweren Betrugs im Zusammenhang mit einer umstrittenen Weihnachtskuchen-Kampagne. Die Vorwürfe wiegen schwer: Es geht um angeblich irreführende Werbung, die als Wohltätigkeitsaktion präsentiert wurde.
Zweite Anhörung in Mailand: Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafe
Am Dienstag erschien Ferragni zum zweiten Mal vor dem Mailänder Gericht. Um den Andrang der Fotografen zu umgehen, traf sie bereits früh am Morgen ein. Vor den Richterinnen und Richtern erklärte sie in einer kurzen Stellungnahme: „Wir haben alles in gutem Glauben getan.“
Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. Sie fordert ein Jahr und acht Monate Haft – sowohl für Ferragni als auch für ihren früheren Manager Fabio Damato, der ebenfalls auf der Anklagebank sitzt. Beide plädieren auf nicht schuldig.
Worum es im „Pandoro-Gate“-Skandal geht
Der Fall dreht sich um die Sonderedition „Pandoro Pink Christmas“ der Marke Balocco, für die Ferragni 2022 warb. Die Verpackung trug ihr personalisiertes Etikett, und der Preis lag mit neun Euro deutlich über dem regulären Verkaufspreis des Gebäcks.
Die Botschaft der Kampagne: Mit jedem Kauf werde das Regina-Margherita-Kinderkrankenhaus in Turin unterstützt. Tatsächlich jedoch – so stellte das Kartellamt fest – hatte Balocco die versprochene Spende von 50.000 Euro bereits vor der Aktion überwiesen, völlig unabhängig von den Verkaufszahlen.
Ein ähnliches Modell soll es bei einer Ostereier-Kooperation mit dem Unternehmen Dolci Preziosi gegeben haben. Auch hier seien Spenden unabhängig von den Verkäufen erfolgt – was im Widerspruch zu Ferragnis öffentlicher Kommunikation gestanden habe.
Verteidigung verweist auf Spenden und abgeschlossene Verfahren
Ferragnis Anwälte, Marcello Iannaccone und Marcello Bana, weisen die Vorwürfe entschieden zurück. Ihre Mandantin habe kein Verbrechen begangen. Zudem seien bereits 3,4 Millionen Euro an Spenden bereitgestellt worden. Mehrere zivilrechtliche Forderungen von Kundinnen und Kunden, die die Produkte aufgrund der Wohltätigkeitsversprechen gekauft hatten, wurden außergerichtlich beigelegt.
Das separate Zivilverfahren in Turin endete 2023: Dort hatte das Gericht die Aktion als unlautere Geschäftspraxis bewertet, weil Käuferinnen und Käufer hinsichtlich der tatsächlichen Spendenhöhe in die Irre geführt worden seien.
Beschleunigtes Verfahren: Wann fällt das Urteil?
Alle Angeklagten streben ein beschleunigtes Verfahren an, das ihre Strafen im Falle einer Verurteilung um ein Drittel reduzieren könnte. Bei schweren Betrugsdelikten drohen in Italien bis zu fünf Jahre Haft.
Die nächsten Anhörungen sind für den 5. und 19. Dezember angesetzt. Nach aktueller Planung wird ein Urteil im Januar 2026 erwartet.
Was der Prozess für Ferragnis Marke bedeutet
Der Skandal um die vermeintlichen Wohltätigkeitsaktionen hat dem Image der Geschäftsunternehmerin bereits geschadet. Kooperationen wurden ausgesetzt, und die Diskussion um Verantwortung und Transparenz im Influencer-Marketing hat neuen Auftrieb erhalten. Wie tief die Auswirkungen auf Ferragnis Markenwert tatsächlich sind, dürfte sich erst nach Abschluss des Strafprozesses zeigen.

