Lautes Gelächter auf dem Grünen Hügel, Selbstironie im Wagner-Betrieb? Ja, doch: Die Liebesgöttin Venus (Elena Zhidkova), die schwarze schrille Drag-Queen Le Gateau Chocolat und Oskar mit der Blechtrommel (Manni Laudenbach) entern auf einer Leiter das Festspielhaus und hissen eine schwarze Flagge mit einem Richard-Wagner-Zitat: "Frei im Wollen! Frei im Thun! Frei im Genießen!"

Dann stören sie, alles auf Video, während auf der zweigeteilten Bühne das Geschehen im altbackensten Bild abläuft, den Sängerkrieg auf der Wartburg. Katharina Wagner ruft die Polizei, die am Ende den vom traurigen Clown zum Heldentenor mutierten Tannhäuser abführt, weil er die feine Gesellschaft stört.

„Tannhäuser“: Tobias Kratzer inszeniert assoziativ und anrührend

Frei im Wollen und Tun: Tobias Kratzer hat einen grandiosen "Tannhäuser" inszeniert. Nicht nur lustig, sondern hoch intelligent, assoziativ und im dritten Akt sehr anrührend und menschlich, gesellschaftskritisch.

Frei im Genießen? Großer Jubel am Donnerstagabend im Festspielhaus. Kratzer hatte das Publikum sowieso erlöst: Man stelle sich nur mal vor, dass bei 36 Grad im stickigen Festspielhaus eine langweilige Aufführung über die Bühne gegangen wäre. Aber das war ein Ereignis mit einem tollen Sängerensemble, zu dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel im froschgrünen Kleid gekommen war.

Nur Weltstar Valery Gergiev am Dirigentenpult des Festspielorchesters holte sich verdiente Buhs ab für ein schlampiges bis uninspiriertes Dirigat.

Hier gibt es die ausführliche Kritik unseres Kulturredakteurs:

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