ESC 2025
: Raabs Show enttäuscht mit miesen Witzen und schlechten Quoten

Bereits in der ersten halben Stunde seiner Show „Chefsache ESC – Live aus Basel“ macht Stefan Raab Witze, die vermutlich nicht jeder lustig findet. Oft auf Kosten der anderen.
Von
Judith Müller
Basel
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Entertainer Stefan Raab spricht bei einem Empfang am Rande des Eurovision Song Contest (ESC) 2025 auf der Bühne.

Entertainer Stefan Raab spricht bei einem Empfang am Rande des Eurovision Song Contest (ESC) 2025 auf der Bühne.

picture alliance/dpa

Stefan Raab eröffnet heute den großen ESC-Countdown live bei RTL – und liefert in den ersten dreißig Minuten leider eine Lehrstunde darin, wie man das Publikum gleichzeitig langweilt, vor den Kopf stößt und nostalgisch enttäuscht. Sein Einstieg in die Show „Chefsache ESC – Live aus Basel“ war weniger ein Comeback als ein missratener Versuch, alte Formate wiederzubeleben – mit Gags, die nicht zünden, und Pointen, die eher Stirnrunzeln als Schmunzeln auslösten.

Humor von vorgestern

Gleich zu Beginn versucht Raab sich an ironischem Kommentar zum ESC-Trubel – doch statt Esprit gibt’s Plattitüden: Ein Versprecher im Nachrichtentext („Muschishow“ statt „Musikshow“ ESC) wird zum Aufhänger für einen bemühten Seitenhieb auf „Germany’s Next Topmodel“. Dazu kommen zotige Witze über vegetarische ESC-Verpflegung und dass Conchita-Wurst sich daher jetzt Conchita Tofu nennen müsse.

Zwischen Fremdscham und Leerlauf

Was früher bei TV total noch anarchisch wirkte, wirkt heute eher nach Stammtisch-Satire: flach, vorhersehbar, zuweilen peinlich. Seine Sticheleien gegen Andrea Kiewels Fernsehgarten-Gesang oder die moldawische Performance erinnern mehr an Facebook-Kommentare als an TV-Kunst. Besonders fragwürdig: ein Witz über „den Hund, den Christian Lindner überfahren hat“, eingebettet in eine Spott-Tirade über ESC-Acts mit hoher Stimme. Das Publikum lacht gezuwungen – und man merkt: Raab merkt es selbst.

Schade: Denn Raab hat eigentlich noch Bedeutung

Was diese verunglückte erste halbe Stunde umso trauriger macht: Stefan Raab hat mit der ESC-Castingshow „Chefsache ESC – Wer singt für Deutschland?“ erst vor wenigen Wochen gezeigt, dass er noch Gespür für Talente hat. Abor & Tynna, das deutsche Duo beim ESC 2025, sind sein Verdienst – jung, eigenständig, modern. Umso mehr fragt man sich, warum Raab seinen eigenen Ruf mit diesem Show-Auftakt so aufs Spiel setzt.

Nicht nur schlechte Witze – auch schlechte Quoten

Das Zuschauerinteresse am Mittwochabend blieb verhalten. Die Sonderausgabe „Chefsache ESC 2025 – Live aus Basel“ erreichte lediglich 730.000 Zuschauer – ein enttäuschender Wert, der die eher verhaltene Resonanz auf die Sendung bestätigt. Auch in der werberelevanten Zielgruppe reichte es mit 9,1 Prozent nur zu einem mittelmäßigen Ergebnis.