ESC 2025
: Ist Michael Schulte die richtige Wahl für den Punktesprecher?

Der erfolgreichste deutsche ESC-Act der letzten zehn Jahre wird 2025 Jurysprecher für Deutschland. Warum seine Berufung viel Sinn ergibt – und ein deutliches Signal setzt.
Von
Judith Müller
Basel
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Sänger Michael Schulte wird 2025 die Punkte verkünden, die Deutschland vergibt.

Sänger Michael Schulte wird 2025 die Punkte verkünden, die Deutschland vergibt.

picture alliance/dpa

Michael Schulte hat sich längst vom einstigen „Voice of Germany“-Finalisten zum gestandenen Musiker entwickelt – mit Goldplatten, Tourneen und Millionen-Streams. Doch sein größter Karriere-Moment bleibt bis heute sein vierter Platz beim Eurovision Song Contest 2018 mit „You Let Me Walk Alone“.

Nun kehrt er zum ESC zurück – allerdings nicht als Teilnehmer, sondern als offizieller Punktesprecher Deutschlands. Im Finale am Samstagabend darf er die Zwölf-Punkte-Wertung der deutschen Jury verkünden – ein Moment mit großer symbolischer Wirkung.

Was macht einen guten Punktesprecher aus?

Die Rolle des Jurysprechers ist zwar kurz, aber weltweit sichtbar. Die Aufgabe: Präsenz, Haltung, klare Ansage – und im Idealfall ein Gesicht, das für den ESC steht. Michael Schulte bringt all das mit:

  • Erfahrung auf der großen Bühne
  • Glaubwürdigkeit als ESC-Teilnehmer
  • Musikalisches Verständnis als Jurymitglied (2019 war er Teil der deutschen Jury)
  • er ist Sympathieträger in der deutschen Poplandschaft

Damit ist er nicht nur eine sichere, sondern auch eine durchdachte Wahl – gerade in einem ESC-Jahr, das möglicherweise das letzte unter der Federführung des NDR sein könnte.

Ein Blick zurück: Wer war bisher Deutschlands Jury-Stimme?

Seit der berühmten Verwechslung von Norwegen und Dänemark durch Lena 2013 (damals live vom Hamburger Spielbudenplatz) war die deutsche Punktevergabe nicht immer frei von Pannen oder Kritik. Danach setzte man verstärkt auf medienerfahrene Persönlichkeiten – mit gemischten Ergebnissen.

Hier ein kurzer Rückblick:

  • 2013: Lena (ESC-Siegerin 2010)
  • 2014–2023: u. a. Barbara Schöneberger (siebenmal!), Helene Fischer, Anke Engelke, Elton
  • 2024: Ina Müller – nach 2011 bereits zum zweiten Mal dabei

Nicht alle Auftritte kamen gut an – besonders Eltons flapsiger Smalltalk 2023 sorgte international für Stirnrunzeln. Insofern könnte Schultes sachliche und musikalisch verankerte Präsenz ein wohltuender Gegenpol sein.

Der Moment der Zwölf

Seit einigen Jahren verkünden Punktesprecher*innen nur noch die Höchstwertung – die berühmten 12 Punkte. Die restlichen Bewertungen werden automatisch eingeblendet. Umso mehr liegt die Wirkung in einem einzigen Satz.

Mit Michael Schulte bekommt dieser Satz 2025 eine Stimme, die weiß, was der ESC bedeutet – und die es aus eigener Erfahrung ernst meint.