ESC 2025
: Ehemaliger Teilnehmer Guildo Horn kann mit ESC nichts mehr anfangen

Ende der 90er noch ESC-Enthusiast, begeistert den Schlagersänger heute nichts mehr an der Veranstaltung. „Abor & Tynna“ drückt er trotzdem die Daumen.
Von
Lena Angerer
Basel/ Bergisches Land
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Guildo Horn

Guildo Horn bei seinem ESC-Auftritt im Jahr 1998. Damals sang er den Schlager „Guildo hat euch lieb“, komponiert von Stefan Raab unter dem Pseudonym „Alf Igel“ – eine Anspielung auf den Schlager-Komponisten Ralph Siegel.

Katja Lenz/dpa

Es gab eine Zeit, in der Guildo Horn so sehr für den ESC brannte, dass er in den Hungerstreik trat. Der dauerte, so erinnert sich der Schlagersänger, lediglich zwei Stunden – aber immerhin. Nun erklärte Horn gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Das ist nicht mehr mein Wettbewerb.“ Beim ESC 2024 habe ihm „einfach nichts mehr richtig gefallen“.

Im Jahr 1998 trat Horn mit dem ironischen Schlagersong „Guildo hat euch lieb“ selbst beim ESC an. Sein Song polarisierte die Deutschen, die entweder froh über den frischen Wind waren oder sich für den Blödelbeitrag schämten. Er belegte in Birmingham den siebten Platz und weckte das ESC-Fieber in den Deutschen wieder. Die waren schlecht auf den ESC zu sprechen gewesen, weil sie 1997 den 18. Platz belegt hatten und im Jahr 1996 in der Vorrunde ausgeschieden waren.

Horn: Künstler „werden von Video-Walls erschlagen“

Nun hält sich Guildo Horn ganz von den ESC-Feierlichkeiten fern: Stattdessen tritt er beim „1. Inklusiven Musikfestival in Trier“ auf, das parallel stattfindet. Sein Engagement für Menschen mit Behinderung ist ihm deutlich wichtiger als die Veranstaltung, bei der die Künstlerinnen und Künstler „von diesen Video-Walls erschlagen werden“. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer seien „nur noch ein winziger Teil der Inszenierung“. Er dagegen bezeichnet sich als „Purist“ mit einer Vorliebe für „handgemachte Vintage-Musik mit guten Melodiebögen“.

Guildo Horn verliert im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland nicht nur schlechte Worte über den ESC. „Es ist großartig, dass Zuschauer europaweit voten, mitfiebern, zuhören.“ Im Jahr 2023 seien noch „ein paar tolle Nummern“ wie „Boys Do Cry“ aus Belgien dabei gewesen. Dass er sich nicht mehr mit de ESC identifizieren kann, liegt, so vermutet der 62-Jährige, an seinem Alter.

Wie steht Guildo Horn zu „Abor & Tynna“?

Abor und Tynna, die Deutschland in diesem Jahr vertreten, drücke er trotzdem die Daumen. „Die beiden Interpreten finde ich toll, die haben eine super Ausstrahlung und kommen großartig rüber.“ Nur mit dem Song „Baller“ tut er sich schwer: „Musikalisch ist es überhaupt nicht meine Baustelle.“

Wer sich noch fragt, was damals mit dem Hungerstreik los war: Guildo Horn bewarb sich im Jahr 1996 zum ersten Mal für den ESC, scheiterte allerdings an der deutschen Jury. Mit seinem darauffolgenden Hungerstreik wollte er auf die „Missstände im Reglement“ hinweisen. Horn hatte Erfolg: Ein Jahr später änderten sich die Regeln für den deutschen Vorentscheid und er wurde als deutscher Teilnehmer für den ESC 1998 auserkoren.