Anfang Juli noch hatte Ulla Willick den Ulmer Theaterpreis fürs Lebenswerk entgegengenommen, sich den Silberring an den Finger gesteckt. Und Intendant Kay Metzger hielt eine launige wie hoch respektvolle Laudatio auf die „unverdrossen vitale und neugierige“ Schauspielerin, die seit 25 Jahren in Ulm auf der Bühne stand, als Charakterdarstellerin wie Komödiantin, als unverwüstbares „Bühnentier“ mit rotblonden Haaren.

Das hatte die Grande Dame des Theaters in Ulm zuletzt noch im Musical „My Fair Lady“ demonstriert, als bärbeißige Pub-Wirtin wie als kratzbürstig großbürgerliche Mrs. Higgins. Mit dem Intendanten Ansgar Haag war Ulla Willick 1994 als Ensemblemitglied nach Ulm gekommen, seit 2014 trat sie mit Gastverträgen auf. Für die Wiederaufnahme von „My Fair Lady“ war sie eingeplant, auch hätte sie in dieser Spielzeit noch die Brigitte in Heinrich von Kleists „Zerbrochnem Krug“ übernehmen sollen. Doch jetzt ist die Schauspielerin nach kurzer, schwerer Krankheit am Mittwoch gestorben, wie Theaterintendant Metzger bestätigte.

Mit elf Jahren schon hatte die Kölnerin von der Schauspielerei als Beruf geträumt, ließ sich aber des Familienfriedens wegen zunächst zur Gymnastiklehrerin ausbilden. Aber zu bremsen war diese energische Frau natürlich nicht. Wichtige Stationen ihrer Bühnenkarriere waren später die Theater in Nürnberg und Krefeld/Mönchengladbach – und von 1970 an war sie auch mit dem Kinostar Dieter Borsche, der 1982 starb, verheiratet.

Riesiges Repertoire

Um die 200 Rollen hat Ulla Willick gespielt, zu den allerwichtigsten zählte sie die Arkadina in Tschechows „Die Möwe“ und die Claire in Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“. Neue Seiten an einem selber zu entdecken, das sei der große Reiz an diesem Beruf, sagte sie einmal, als unsere Zeitung sie im Jahre 2000 gemeinsam mit Friederike Frerichs als „Frau des Monats“ auszeichnete und porträtierte, weil die beiden derart beeindruckend als Abby beziehungsweise Martha in „Arsen und Spitzenhäubchen“ die Männer vergifteten. Schwarzer Humor, ja, den hatte sich auch. Und eine klare Meinung vom Job: „An den Schauspielern liegt’s nie, es gibt nur schlechte Regisseure.“

Wobei Ulla Willick natürlich auch Diven-Klasse hatte, nicht nur, weil sie aus ihrem Alter ein Geheimnis machte – und ihr Wikipedia-Eintrag, wie Metzger in seiner Laudatio für die Ehrenpreisträgerin bemerkte, ein Geburtsjahr „um 1940“ nennt. Keine Furcht aber hatte sie vor neuen Herausforderungen, so jung und professionell sie war: „Man muss auch beim Boulevardtheater genauso ernsthaft und präzise spielen und bis zum Äußerten gehen wie bei einer Tragödie“ – das zeigte sie nicht zuletzt in der Komödie „Der nackte Wahnsinn“, als versoffen knarzende Dotty.

Dann aber überraschte sie etwa mit dem großem Solo „Die Erzählung der Magd Zerline“ von Hermann Broch: mit einer Lebensbeichte zwischen Traurigkeit und Lust, Schmerz und Glück, Niederlagen und kleinen Triumphen. „Das Unvergessbare“ war die Premierenkritik überschrieben – und es spielte unvergesslich Ulla Willick.

„Unverwechselbare Kollegin“


Auf seiner Homepage hat das Theater Ulm einen Nachruf veröffentlicht: „Mit Ulla Willick verlieren das Theater Ulm und das Ulmer Publikum eine unverwechselbare Kollegin und großartige Bühnenkünstlerin. Unsere Anteilnahme gilt ihrer Schwester und ihren engsten Freunden.“