Drückende Hitze, 32 Grad im Schatten. Während Ulm stöhnt und schwitzt, ist für Moritz und Linus Reulein das lang ersehnte Wunschwetter endlich da. Sie fahren nach Wiblingen zur Illerbrücke, binden ein Bungee-Seil daran fest und stürzen sich mit ihren Surfbrettern in den Fluss. Dank des Seils können sie sich aufrichten und entgegen der Strömung surfen.

Seit Jahren verbringen die Brüder mit der lokalen Surf-Gemeinschaft unzählige Sommerstunden auf der Iller. Dabei ist der Traum entstanden, den Sport in Ulm „auf ein neues Niveau“ zu bringen. Die Idee: eine „stehende Welle“ auf der kleinen Blau. Ähnlich wie im Münchner Eisbach soll sich auf Höhe des Xinedome-Eingangs eine Welle bilden. Dabei wird der Lauf durch eine besonders geformte Betonsohle verengt. So baut sich eine permanente Welle auf – ein lokales Eldorado für Surfer und Kanufahrer aus der Region. „Dann könnten wir endlich ohne Bungee-Seil surfen“, sagt Moritz Reulein.

Projekt hat schon viele Unterstützer

Nun soll aus dem Wunsch Wirklichkeit werden. Die beiden Betreiber der Brettwerkstatt „Surf Repair Ulm“ im Gleis 44 wollen in den kommenden Monaten einen detaillierten Plan erarbeiten, wie eine stehende Surf-Welle in Ulm realisiert werden kann. Erster Schritt: Die Reuleins haben einen Verein gegründet – mit dem Namen „Ulm Surfing“. Als sie Anfang dieses Monats eine Facebook-Seite ins Leben riefen und ihr Projekt grob vorstellten, kamen bereits zahlreiche Befürworter auf sie zu. „Wir waren vom Interesse und der Hilfsbereitschaft der Leute überwältigt“, sagt Moritz Reulein.

Komplexes Vorhaben auf der Blau

Die Jungs betonen, dass sie die Unterstützung dringend brauchen. Denn im nächsten Schritt steht eine komplexe Machbarkeitsstudie an, die klären soll, ob ein solches Vorhaben auf der kleinen Blau überhaupt möglich ist. „Viele Parameter sind dabei wichtig: Die Durchflussmenge des Wassers muss in jedem Fall stimmen, zudem muss der Hochwasserschutz weiterhin gewährleistet werden können“, sagt Georg Scholz, Abteilungsleiter Abwasser und Gewässer bei den städtischen Entsorgungsbetrieben.

Des Weiteren sei die Idee auch mit einem Eingriff ins Ökosystem des Flusses verbunden. „Das ist eine Angelegenheit, bei der es viel zu beachten gilt“, sagt Scholz. Dennoch halte er die Idee für spannend und durchaus umsetzbar.

Idee bei CDU-Fraktion vorgestellt

Eine weitere Herausforderung: die Finanzierung. Ein ähnliches Projekt, das derzeit realisiert wird, ist die Leinewelle in Hannover. Kostenpunkt: etwa 1,2 Millionen Euro. Eine Summe, die die Reulein-Brüder jedoch nicht abschreckt. Denn Roman Pfeifle, CDU-Kandidat bei der vergangenen Gemeinderatswahl und starker Unterstützer des Projekts, sagt: „Ich gehe davon aus, dass unser Vorhaben etwas billiger wird, da die Leinewelle definitiv größer ist.“ Pfeifle ist zudem davon überzeugt, dass eine Finanzierung aus städtischen Töpfen auch im siebenstelligen Bereich möglich ist. Er werde die Surfer bei der Machbarkeitsstudie unterstützen und habe die Idee bereits Fraktionschef Thomas Kienle präsentiert.

Kienle selbst äußert sich noch zurückhaltend: „Die Grundidee klingt sehr gut. Dennoch muss  zuallererst ein Ort gefunden werden, an dem das Projekt zweifelsfrei umsetzbar ist. Erst dann kann man weitermachen und die Idee im Gemeinderat vorstellen.“

Citymarketing ist begeistert

Auch Michael Klamser, Vorsitzender des Citymarketings, würde eine „stehende Welle“ in Ulm begrüßen: „Man sieht am Eisbach in München, welchen Werbeeffekt ein solcher Surfspot für eine Stadt haben kann.“ Zudem sehe er eine große Chance, die Fläche an der Blau und vor dem Deutschhaus mit Sportlern und Zuschauern zu beleben. Klamser: „Ich halte den angestrebten Ort für wie geschaffen für dieses Projekt.“ Diese Meinung teilt auch Citymanager Henning Krone.

Moritz und Linus Reulein haben das Surfen auf der kleinen Blau inzwischen getestet und sind von der Stelle nach wie vor begeistert.  Moritz Reulein: „Wenn alles nach Plan läuft, können wir vielleicht schon im kommenden Jahr auf die Blau.“ Sollte die Machbarkeitsstudie negativ ausfallen, suchen die Reulein-Brüder mit Roman Pfeifle eine potenzielle Stelle auf der Donau.

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Citystories Ulm.

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Vorstellung im Gleis 44


Vortrag Am Dienstag, 2. Juli, um 18.30 Uhr präsentieren Moritz und Linus Reulein das Projekt „Stehende Welle für Ulm“ im Kulturzentrum „Gleis 44“ in der Schillerstraße. Ziel des Vortrags ist es, noch mehr Ulmer von der Idee zu begeistern, Meinungen auszutauschen und neue Mitglieder für den Verein „Ulm Surfing“ zu gewinnen.