Randall und Caroline Schroeder haben eine neue Leibspeise: Kässpätzle. Das frisch verheiratete Ehepaar aus den USA ist auf den schwäbisch-bayerischen Geschmack gekommen. Seit Oktober wohnen die Schroeders in Neu-Ulm. Der Hintergrund: Randall, von allen „Randy“ genannt, hat einen Vertrag bei den Spartans unterschrieben. Im Neu-Ulmer Football-Team spielt der 25-Jährige auf der Position des Quarterbacks und ist darüber hinaus Mitglied des Trainerstabs.

Randy Schroeder: Quarterback bei den Neu-Ulmer Spartans

Das „Abenteuer in Deutschland“ ist für die beiden ein wahrgewordener Traum. „Es ist eines unserer Lieblingsländer in Europa“, sagt Randy, der bereits für die Copenhagen Towers in Dänemark sowie für die Ostrava Steelers in Tschechien auflief. Seine Frau pflichtet ihm bei: „Wir wollten die Chance unbedingt nutzen, in Deutschland zu leben.“

Während Randy von seinen Mannschaftskollegen herzlich aufgenommen wurde und sich schnell zurechtfand, tat sich Caroline in den ersten Wochen schwer: „Ich habe mich direkt zu Beginn unseres Aufenthalts erkältet, lag im Bett und hatte Heimweh. Doch dann habe ich mich wieder aufgerappelt.“ Inzwischen hat sie einen Nebenjob, arbeitet als Social-Media-Koordinatorin für die Spartans. Ein guter Anfang, wie die 23-Jährige betont. Caroline hat „Sports Broadcasting“ studiert und bemüht sich derzeit um eine Vollzeitstelle in der Region. „Auch ich habe mich inzwischen gut eingelebt“, sagt sie.

Blog: Das Leben der Schroeders in Ulm und Neu-Ulm

In ihrer Freizeit schreibt Caroline auf ihrem Blog „Caroline K. Schroeder“ über das Leben in der deutschen Doppelstadt. Sie teilt Eindrücke, berichtet gemeinsam mit ihrem Mann aus dem Alltag. „Das Highlight der ersten Wochen war die Besteigung des Ulmer Münsters“, betont sie. Randall ergänzt: „Der Ausblick ist Wahnsinn.“ Darüber hinaus sind es viele Kleinigkeiten, die die Schroeders begeistern: beispielsweise die bereits erwähnten Kässpätzle, Backwaren wie Brezeln oder Pizzabrot und die prunkvolle Dekoration des Ulmer Weihnachtsmarkts. „Ein derartiges Event gibt es in unserer Heimat – Charlotte, North Carolina – nicht. Wir freuen uns schon auf den ersten Glühwein“, sagt Caroline.

Anderes finden die beiden durchaus kurios: Geschlossene Geschäfte am Sonntag, Bezahlschranken in den öffentlichen Toiletten, die Länge einiger deutschen Wörter. Donaudampfschiffahrtselektrizitätenhauptbetriebswerkbauunterbeamtengesellschaft. „Ich glaube, ich bräuchte zehn Jahre Unterricht, um das auszusprechen“, sagt Caroline lachend. Das in den USA weit verbreitete Vorurteil über die ausgeprägte Unfreundlichkeit der Deutschen können die beiden im Übrigen nicht bestätigen: „Ob in Ulm oder Neu-Ulm – bisher waren immer alle nett zu uns“, sagt Randy.

Großer Zufall: Randys Sandkastenfreund lebt in Ulm

Der Sportler hatte vor einigen Tagen ein außergewöhnliches Erlebnis im Training: Sein Coach erzählte ihm von einem Arbeitskollegen, der aus der Nähe von Randys Heimatstadt stammt. Als Randy den Namen hörte, konnte er es kaum glauben: Es handelt sich um einen seiner Sandkastenfreunde, der inzwischen mit Frau und Tochter in Ulm lebt. „Ich konnte es kaum glauben, sagt Randy, „so klein ist die Welt!“

Randys Vertrag bei den Spartans läuft bis zum kommenden August. Schon jetzt kann er sich eine Verlängerung sehr gut vorstellen. Er spricht sogar von mehreren Jahren, die er in Neu-Ulm verbringen möchte. Passen würde es in jedem Fall, sagt Caroline: „Wir haben beide deutsche Vorfahren.“