Lange Gesichter bei CDU und SPD, Dauerstrahlen seit Sonntagabend dagegen bei den Grünen: Der Trend der Europawahl setzte sich auch bei der Ulmer Gemeinderatswahl fort. CDU und SPD haben mit 5,8 beziehungsweise 5,7 Prozentpunkten nahezu identische Verluste eingefahren, die Grünen um 7,4 Prozentpunkte zugelegt. Alle 13 Listen, die zur Kommunalwahl angetreten waren, sind auch mit Stadträten im Gremium vertreten. Was die Farben des politischen Spektrums angeht, wird der Gemeinderat also bunter.

Besonders bitter war das Abschneiden ihrer Partei für manche altgedienten, langjährigen Stadträte. Der 86-jährige Siegfried Keppler (CDU), Stadtrat seit 1989, schaffte von Listenplatz elf aus nicht mehr den Sprung in den Gemeinderat. Ebenfalls rausgewählt wurde Birgit Schäfer-Oelmayer, der viele offenbar den Wechsel von den Grünen zur CDU übel nahmen. Der siebte Sitz der CDU stand lange auf der Kippe. Letztlich blieb die Partei bei sechs Mandaten – Bertram Holz war damit raus. Bei der SPD erwischte es Brigitte Dahlbender und Georgios Giannopoulos.

Markus Mössel attackiert

Dafür gibt es elf neue Gesichter. Nicht nur bei den Grünen, die im Vergleich zur vorigen Wahl drei Sitze dazugewonnen haben. Sondern gerade auch durch die neuen Listen. „Ulm für alle“ schaffte auf Anhieb zwei Sitze, die Piraten sind dank Anja Hirschel vertreten, das „Bündnis für lebenswerte Ortschaften“ (BLO) von Stadträtin Denise Niggemeier errang ein Mandat, und Markus Mössle zog auf der AfD-Liste in den Gemeinderat ein.

Er war wie viele Kandidaten zur Präsentation der Ergebnisse ins Rathaus-Foyer gekommen, wo OB Gunter Czisch um 19.27 Uhr den Ausgang der Kommunalwahl verkündete. Als Mössles Namen als gewählter Stadtrat fiel, gab es einzelne Buh- und „Nazis raus“-­Rufe. Czisch reagierte ruhig, aber bestimmt: „Ich bitte Sie, respektvoll mit dem Wahlergebnis umzugehen“, sagte der OB. Wenig später schüttete allerdings ein Parteimitglied der Linken Mössle Orangensaft übers Sakko.

Ansonsten ging es aber gesittet zu bei der Präsentation im Rathaus. Gewählte Kandidaten beglückwünschten sich gegenseitig, fielen sich um den Hals, klopften einander auf die Schulter.

Doch selbst im Amt bestätigte Räte brauchten oftmals Trost. Thomas Kienle beispielsweise, der zuletzt einer zehnköpfigen CDU-Fraktion vorsaß, hat künftig nur noch fünf Kolleginnen und Kollegen. Sein Kommentar zum Abschneiden seiner Partei: „Dramatisch.“ Martin Rivoir (SPD) war am Abend zuvor noch in der Berliner Parteizentrale gewesen, wo es ebenfalls nichts zu feiern gab. Die Grünen hatten zwar allen Grund zum Jubeln und taten das auch. In die Freude mischten sich aber auch mitfühlende Töne. „Für manche ausgeschiedene Kollegen tut es mir sehr leid“, sagte Michael Joukov-Schwelling. Seine Partei erhöhte die Zahl ihrer Mandaten von sieben auf zehn. Erwartet wird, dass Denise Niggemeier (BLO), die 2014 für „Ulm hoch drei“ in den Gemeinderat gewählt worden war, wieder zur Grünen-Fraktion stoßen wird.

Spannend dürfte werden, wie sich Doris Schiele verhält. Die Linke hatte sich nach der Wahl 2014 der Grünen-Fraktion angeschlossen, Uwe Peiker blieb als Einzelkämpfer zurück. Sie wurde nun wieder in den Rat gewählt, zusammen mit der Linken-Sprecherin Eva-Maria Glathe-Braun.

Erste kommunalpolitische Flirts

Überhaupt bahnten sich am Montagabend bereits die ersten politischen Flirts an. Die FDP, erneut mit zwei Stadträten vertreten, und „Ulm für alle“ scheinen einer Zusammenarbeit durchaus nicht abgeneigt. Die vier etablierten Freien Wählervereinigungen FWG, UVL, WWG und UWS sind abgesehen von denen, die nicht mehr antraten, mit weitgehend dem selben Personal wieder vertreten. Sie waren nach Ralf Mildes Wechsel zur FDP zu zehnt und sind das weiterhin. Mit einem neuen Mitglied: Timo Rieds Ehefrau Brigitte Ried verbesserte sich um 19 Plätze und zog als Dritte auf der FWG-Liste in das Kommunalparlament ein.

Es besteht künftig aus 18 Frauen und 22 Männern. Der Frauenanteil ist damit ähnlich hoch wie bei der Wahl 2014, als mit 19 Frauen ein Rekord erreicht worden war. Alle 40 Stadträtinnen und Stadträte seien nun verantwortlich dafür, zusammen mit der Verwaltung die Zukunft Ulms zu gestalten, sagte OB Gunter Czisch. „Sie sind die Perle verantwortungsvoller Menschen, die die Weichen für die Stadt stellen.“ Dass sie mit einer Wahlbeteiligung von 57,1 Prozent, 10,9 Punkte mehr als 2014, gewählt wurden, freue ihn sehr: „Das ist ein starkes Mandat.“

Die Sitzverteilung im Überblick

  • CDU: 6
  • SPD: 5
  • Grüne: 10
  • Freie Wähler (FWG, UWS, WWG und UVL): 10
  • FDP: 2
  • Die Linke: 2
  • BLO: 1
  • Piraten: 1
  • AfD: 1
  • UfA: 2

Kommunalwahl im Alb-Donau-Kreis: Die Ergebnisse

Auch im Alb-Donau-Kreis sind in den einzelnen Gemeinden die Ergebnisse der Kommunalwahl bekannt. Eine Übersicht findet ihr hier:

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