Mehr als 1000 Bewohner des Eselsbergs bekommen eine neue Adresse. Die Heilmeyersteige wird wegen der Verstrickungen ihres Namensgebers während der NS-Zeit zum Fahrplanwechsel im Dezember 2020 in Eselsbergsteige umbenannt. Das hat der Gemeinderat am Mittwoch beschlossen. Gegen die Stimmen von Erik Wischmann und Ralf Milde (FDP), Helga Malischewski und Karl Faßnacht (FWG), Barbara Münch und Karin Graf (CDU) und Markus Mössle (AfD).

Zu viel Zumutung für die Bewohner am Eselsberg

Wischmann begründete die Ablehnung der FDP mit der Verhältnismäßigkeit. Den Bewohnern werde mit der Adressänderung zu viel zugemutet. Denn es werde dauern, bis sich der neue Name Eselsbergsteige in Datenbanken, bei Google Maps und Navis durchgesetzt habe.

Zudem kritisierte er, dass es für einen vernünftigen Umgang mit der  Geschichte nicht reiche, auf die Taktik  „Schild ausgetauscht und gut ist“ zu setzen. Denn er stelle sich die Frage, wo dann Schluss ist. „George Washington hat Sklaven gehalten, dennoch kam niemand in den USA nach dem Bürgerkrieg auf die Idee, die Hauptstadt umzubenennen“, sagte der FDP-Mann.

AfD-Mann schlägt den Namen „Windfahnensteige“ vor

Eine „fragwürdige Methode der Geschichtsbereinigung“, nannte AfD-Mann Mössle das Verfahren. In Anlehnung an eine im Ulmer Stadtarchiv nicht dokumentierte Anekdote, wonach Albert Einstein nach der Umbenennung der nach ihm benannten Straße zur Nazi-Zeit vorgeschlagen habe, sie dann doch einfach „Windfahnenstraße“ zu nennen, beantragte er erfolglos, die Heilmeyersteige in „Windfahnensteige“ umzubenennen.

Ludwig Heilmeyer kann kein Vorbild mehr sein

Bei Michael Joukov-Schwelling (Grüne) und Thomas Kienle (CDU) stießen die Beiträge der Vorredner auf Unverständnis. Joukov-Schwelling entgegnete Wischmann, dass die Namensänderung durchaus verhältnismäßig sei. Das zeige sich schon daran, dass sich nach einer Information der Stadtverwaltung nur 15 von gut 1000 Anwohnern gemeldet hätten. Wie Kienle betonte er außerdem, dass Ludwig Heilmeyer trotz seiner Verdienste um die Ulmer Universität eben nicht als Vorbild dienen könne. „Er ist nicht würdig.“

FWG-Stadtrat Reinhold Eichhorn war es schließlich, der den Antrag auf das Debattenende stellte. Sichtlich verärgert, weil eine vor zwei Jahren eingesetzte Arbeitsgruppe des Gemeinderats längst zu einem demokratischen Ergebnis gekommen und der Umbenennungsbeschluss doch längst gefallen sei.

Dass die Straße nicht länger den Namen des durch seine Nähe zu den Nationalsozialisten belasteten Gründungsrektors der Universität Ulm tragen wird, hatte der Gemeinderat im Grundsatz bereits im vergangenen Jahr gegen die Stimmen der FDP und mit Enthaltung von vier FWG-Stadträten entschieden.

Medizinhistorisches Gutachten offenbarte NS-Verstrickung

Die Stadt hatte dazu extra ein Gutachten eingeholt. Ein Medizinhistoriker kam zum Ergebnis, dass Heilmeyer eine „erheblich belastete Person“ sei. Die Kriterien der Stadt für eine Umbenennung der Straße seien reichlich erfüllt. Diese Kriterien hatte eine eigens eingesetzte städtische Arbeitsgruppe definiert, der unter anderem Stadtarchiv-Leiter Michael Wettengel und Nicola Wenge, die Leiterin des Dokumentationszentrums Oberer Kuhberg, angehörten.

Personalausweise und andere Dokumente müssen umgeschrieben werden

Die Umbenennung ist für die Anwohner allerdings mit  Kosten und Mühen verbunden. Sie müssen ihre Personalausweise, Parkausweise, Kraftfahrzeugscheine und andere Dokumente umschreiben lassen. Dafür will die Stadtverwaltung die Kosten übernehmen. Sie schätzt, dass jeder Haushalt einen Aufwand von höchstens drei Stunden hat. Eine „übermäßige Belastung“ sei jedenfalls nicht erkennbar. Zudem soll jeder Bewohner der künftigen Eselsbergsteige einen Gutschein fürs Donaubad erhalten.

Umbenennung auch andernorts

NS-Vergangenheit Ludwig Heilmeyer war auch Namenspate eines Saals im Generationentreff. Der Raum wurde bereits 2018 umbenannt in Felix-Fabri-Saal. Die Grünen-Fraktion stößt sich auch am Hindenburgring und hat vor gut einem Jahr eine Umbenennung gefordert. Der Reichspräsident sei nicht würdig, eine Straße nach ihm zu benennen.