Theater Ulm Das Wahre, Schöne, Gute

Erwartungsfroher Blick in die neue Spielzeit des Theaters Ulm: (von rechts) Verwaltungsdirektorin Angela Weißhardt, Kulturbürgermeisterin Iris Mann, Intendant Kay Metzger, Schauspielchef Jasper Brandis und Ballettdirektor Reiner Feistel.
Erwartungsfroher Blick in die neue Spielzeit des Theaters Ulm: (von rechts) Verwaltungsdirektorin Angela Weißhardt, Kulturbürgermeisterin Iris Mann, Intendant Kay Metzger, Schauspielchef Jasper Brandis und Ballettdirektor Reiner Feistel. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Jürgen Kanold 11.09.2018

So viel Anfang war selten – die Tanz-Sparte zum Beispiel: Der neue Ballettdirektor Reiner Feistel stellte gestern Morgen eine komplett neue Compagnie vor, zehn Tänzerinnen und Tänzer aus neun Ländern. Eigentlich, so der Thüringer, habe er zur Begrüßung seinen Namen von der Truppe tanzen lassen wollen, aber weil ihn sein schwäbischer Vermieter jetzt immer als Herr Feischdel anspreche, habe er damit gezögert . . . Gelächter im Großen Haus. Ja, die Stimmung scheint prächtig zu sein im Theater Ulm unter der neuen Intendanz.

Es ist jährlich der erste (interne) Termin auf  dem Spielplan des Theaters: die Begrüßung der neuen Ensemblemitglieder samt Ansprache der Kulturbürgermeisterin. Da war gestern viel zu tun. Wobei Kay Metzger zunächst mal in seiner Rede zurückblickte und den bewährten Kräften des Hauses dafür dankte, in der vergangenen Saison die „große Doppelbelastung“ ausgehalten und gemeistert zu haben, gleich zwei Intendanten dienen zu müssen. Metzger bedankte sich auch für die „Fairness, Offenheit und Kollegialität“ seines Vorgängers Andreas von Studnitz: für den „unverkrampften“, ja mit einer „gewissen Grandezza“ bewältigten Übergang.

Reise ins Unbekannte

Nach den vielen Fragezeichen müsse das Haus, das ein „wunderbares Potenzial“ besitze und einen „tollen Spirit“, jetzt Ausrufezeichen, auf jeden Fall Doppelpunkte setzen. Stillstand sei das falsche Konzept. „Theater ist immer eine Reise ins Unbekannte“, sagte Metzger.

Ganz „altpathetisch“ appellierte der neue Intendant an seine Mitarbeiter, angesichts des „Schmutzes und des Stumpfsinns auf der Straße“ und der kulturlosen politischen Auseinandersetzungen sich auf das „Wahre, Schöne und Gute“ zu besinnen. Das auf der Bühne zu zeigen, sei die beste Waffe dagegen. Um Aphorismen ist Kay Metzger nicht verlegen, diesmal wählte der Wagnerianer aber Goethe: „Arbeite nur, die Freude kommt von selbst!“ Wobei er lachend diese Worte zu einem theaterüblichen „Toi, toi, toi!“ korrigierte. Sehr langer, herzlicher Applaus. Das Team des Theaters, das war auch in der Ansprache von Verwaltungsdirektorin Angela Weißhardt zu spüren, steht hoch motiviert am Start.

Kulturbürgermeisterin Iris Mann erwartet ebenso „eine besonders aufregende Spielzeit“ – nicht nur fürs Ensemble. Sie erinnerte daran, dass der Intendantenwechsel naturgemäß für Wirbel, Unruhe und Unsicherheiten gesorgt habe, zeigte sich aber geradezu begeistert davon, dass alles „fast harmonisch“ abgelaufen sei, keine Grabenkämpfe stattgefunden hätten: „Das ist nicht selbstverständlich.“ Den neuen Mitarbeitern erklärte Iris Mann dann mit Zahlen, welchen Rückhalt das Theater Ulm in der Stadtgesellschaft genieße, was es der lokalen Politik wert sei: In den vergangenen elf Jahren habe die Stadt 26,5 Millionen Euro ausgeben, um das Haus zu sanieren.

Und das nächste Projekt stehe schon an: ein Neubau für die Technik samt Orchesterprobensaal. Dieses Vorhaben, sagte die Kulturbürgermeisterin, sei Teil der „Investitionsstrategie“ der Stadt. Kein Stillstand also, weder künstlerisch noch bei Fragen der Infrastruktur, betonte Iris Mann. Und sie freut sich schon sehr auf den „mutigen“, herausfordernden Premieren-Marathon.

Kay Metzger morgen beim SWP-Forum

Stadthaus Ende des Monats legt das Theater Ulm richtig los: Vom 27. bis 30. September gibt es einen Auftaktmarathon mit fünf Premieren an vier Tagen und viel Rahmenprogramm. Und bei der Kulturnacht jetzt am Samstag gibt es wieder das beliebte Theater-Labyrinth. Doch schon morgen, Mittwoch, 19.30 Uhr, kann man den neuen Intendanten Kay Metzger als Gast des SÜDWEST-­PRESSE-Forums im Stadthaus kennenlernen. Er stellt sich den Fragen der Kulturredakteure Jürgen Kanold und Magdi Aboul-Kheir. Tickets beim Kartenservice der SWP, unter www.swp.de/ticketshop und an der Abendkasse.

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