Geflüchtete Integration durch Ausbildung und Arbeit

Sie sind stolz auf ihren Auszubildenden Jean Happi (rechts): Maximilian Bader, Linda Welker und Horst Bühler (von links nach rechts).
Sie sind stolz auf ihren Auszubildenden Jean Happi (rechts): Maximilian Bader, Linda Welker und Horst Bühler (von links nach rechts). © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Katrin Stahl 05.12.2018
Durch ein Caritas-Projekt hat der Kameruner Jean Happi einen Ausbildungsplatz gefunden. Ungeklärt ist nach wie vor sein Aufenthalt.

Mehr als drei Jahre ist es her, dass Jean Happi sein Heimatland Kamerun verließ. Krieg und wirtschaftliche Probleme waren die Gründe für seine Flucht, mehr möchte der 34-Jährige dazu nicht erzählen. Einen Monat war er unterwegs, bis er nach Deutschland und schließlich nach Ulm kam. Happi machte einen Sprachkurs, bemühte sich, das neue Land besser kennenzulernen. Doch etwas fehlte. „Ich wollte arbeiten. Dabei brauchte ich Hilfe.“

„Arbeit ist wichtig für die Integration“

Und so kam es, dass sich der junge Geflüchtete im April 2016 bei der Caritas Ulm vorstellte. Die Hilfsorganisation ist Träger des Projektes „Netzwerk Bleiben mit Arbeit“. Dessen Ziel: die nachhaltige Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt. Ob Unterstützung bei der Berufsorientierung, Hilfe beim Bewerbungsschreiben oder Qualifizierungskurse in Gastronomie und EDV – das Projektteam setzt sich vielseitig für seine Klienten ein.

„Arbeit ist wichtig für die Integration und für das Selbstbewusstsein der Menschen“, sagt Projektmitarbeiterin Linda Welker. Mit ihrem Schützling Happi traf sich die Sozialpädagogin anfangs wöchentlich, um mehr über seine Qualifikationen zu erfahren. Schließlich machte sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz für ihn und stieß auf die Ulmer Spenglerei Bühler.

„Es ist doch egal, aus welchem Land jemand kommt“

Dort war man von der Idee sofort begeistert. Happi wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen und durfte im Anschluss ein sechswöchiges Praktikum im Betrieb machen. „Wir wollten sehen, wie er sich so anstellt“, erzählt Geschäftsführer Horst Bühler, „es ist doch egal, aus welchem Land jemand kommt. Hauptsache, er macht gute Arbeit und bemüht sich.“ Und Jean, der sei „absolut nicht auf den Kopf gefallen“ – ein „lustiger, hilfsbereiter Mensch“, der beliebt bei allen Mitarbeitern sei.

Auch Jean Happi gefiel der neue Arbeitsplatz und so entschied er sich nach dem Praktikum für die Ausbildung in der Spenglerei. Mittlerweile ist er bereits im dritten Lehrjahr, den ersten Teil seiner Gesellenprüfung hat er im Sommer mit guter Note abgeschlossen. Er hat die Fahrprüfung abgelegt und lebt in einer kleinen Wohnung in der Nähe des Betriebs, sein Deutsch wird jeden Tag besser.

Sein Asylantrag wurde zweimal abgelehnt

Und dennoch: Ungeklärt ist nach wie vor sein Aufenthalt. Gleich zweimal lehnte das Bundesamt für Migration und Flucht (BAMF) den Asylantrag des Kameruners ab. Gegen den ersten Bescheid konnte Happi erfolgreich klagen, der zweite Bescheid erreichte ihn erst vor kurzem: Die Gründe für sein Gesuch, so hieß es im Schreiben, werden „als nicht ausreichend für ein Asyl in Deutschland angesehen“. Auch dagegen hat Happi mithilfe seines Anwalts wieder Klage eingereicht. Diese wird nun geprüft, sehr wahrscheinlich wird es zum Gerichtsverfahren kommen.

Im Betrieb ist man verärgert über die Entscheidung. „Es macht doch keinen Sinn, dass Jean hier die Ausbildung macht und dann abgeschoben wird“, sagt Maximilian Bader, der ab Januar die Spenglerei übernehmen wird. In der Branche habe man bereits Schwierigkeiten, Nachwuchskräfte zu finden. Und Horst Bühler fügt hinzu: „Das Handwerk ist auf neue Leute angewiesen.“

Unsicher und belastend – so beschreibt Jean Happi die aktuelle Situation, in der er nicht weiß, wie lange er noch im Land bleiben darf: „Ich habe immer Angst, dass die Polizei plötzlich kommt.“

Mit der Unsicherheit muss er wahrscheinlich noch einige Zeit leben müssen. Die Unterstützung seines Arbeitgebers helfe ihm allerdings dabei, damit besser klar zu kommen. Und eines weiß er sicher: „Wenn ich in Deutschland bleiben darf, dann werde ich auch hier im Betrieb weiterarbeiten.“

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Es gibt unterschiedliche Projektträger

Förderung In sechs Städten im Südwesten gibt es das Projekt. Finanziert wird es aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). In Ulm ist die Caritas Ulm-Alb-Donau Projektträger.

Umfang Bisher wurden 1352 Geflüchtete betreut, davon 348 in Ulm. Über ein Drittel stammt aus Syrien.

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